“Forza Horizon”, nicht nur Sexismus

Carsten Görig hat für SPIEGEL Online das neue Rennspiel der Forza-Serie “Forza Horizon” angespielt und kommt in Forza Horizon und der Sexismus der Branche zu einem vernichtenden Urteil – das sich allerdings weniger am eigentlichen Spiel, sondern mehr am Sexismus aufhängt.

All das was Görig schreibt, wird von mir auch unterschrieben. Mich wundert allenfalls dass ausgerechnet Forza Horizon der Auslöser für die Tirade von Görig war, denn der dort präsente Sexismus geht normalerweise als “Grundrauschen” unter.

Das so ziemlich letzte Videospiel dass ich vor einem Jahr spielte, war “Test Drive Unlimited II” (TDU2) – ebenfalls ein sogenannter Open World Racer, also ein Rennspiel wo man mit verschiedenen Autos größere Gebiete abfahren und Rennen bestreiten kann. Ich habe den Vorgänger TDU1 abgöttisch geliebt und war entsetzt das TDU2 die eher schlechten Elemente des Vorgängers stärker betonte: einen scheinbaren Storymodus in der Frauen die Rolle als Rennorganisatoren, Models und Hostessen vornehmlich mit Ausschnitt und Popowackeln ausfüllen.

Nach fast einem Jahr Konsolen-Spielpause war das erste Spiel dass ich mir kaufte “Forza Horizon”. Das Spiel hatte gute Kritiken bekommen und ich war erstaunt dass der Hauch von Story in Forza nur ein Aufguss der TDU2-Story daher kam. Jede Gestik, jede Mimik, jeder Dialog der weiblichen Protagonisten zielt mit atemberaubender Plumbheit auf Geilheit beim Spieler ab. Das ist nicht nur ein beleidigendes Frauenbild, sondern auch eine Beleidigung des männlichen Intellekts. Aber ich gebe zu: für mich ein Grundrauschen an Sexismus, an das ich mich bei Videospielen gewöhnt habe.

Es gibt auch andere Gründe das Spiel schlecht zu finden. Gemessen an TDU1 oder TDU2 ist die Spielewelt überraschend klein. Der etwas andere Aufbau des Spiels, mit zentralen Anlaufstellen in der Spielkartenmitte, führt dazu, dass man sich sehr schnell an bestimmte Gebiete satt gesehen hat, weil man durch sie alle Nase lang fahren muss.

Die Gebiete sind vorallem durch das Fehlen von größeren Städten und Highway-Stücken wesentlich weniger abwechslungsreich als TDU1 und TDU2. Auch das trägt zu einer gewissen Ödnis bei.

Das Fahrgefühl ist okay, zumindest auf Asphalt mit dem von TDU gleich zu setzen. Auf den Rallye-Stücken ist Forza vielleicht einen Tick differenzierter. Graphisch konnte ich keine weltbewegenden Unterschiede zu TDU2 ausmachen. Insgesamt ein eher langweiliges Spiel, dass ich in der Retrospektive lieber nicht gekauft hätte. Weil ich bereits die beiden Teile von TDU gekauft habe, gebe ich dem Spiel nur 4 von 10 Punkten. Ansonsten was Görig sagt:

Es geht um die alltägliche Darstellung von Frauen in Spielen. Darum, dass Spieler und Entwickler anscheinend akzeptiert haben, dass Spiele eine Männerwelt sind, Frauen darin aber nur schmückendes Beiwerk.

aus: Forza Horizon und der Sexismus der Branche, Carsten Görig, SPIEGEL Online, 23.11.2012

Nächster Halt: Poshe Bleichen

Nach nur zirka sieben Monaten heißt es Ende Januar schon wieder Abschied vom Büro in der Steinstraße zu nehmen. Die Büroverwaltung hat eine Kündigung vom Hausbesitzer bekommen, der das Gebäude an ein Hotelunternehmen verkauft hat. Fünf Monate lang konnte ich mir das Treiben der Baustelle “Hotel Henri” im Hinterhof angucken, bevor ich selber wegen eines Hotels rausfliege.

Buro steinstrasse henri

Schade, denn die Altstadt mit dem Kontorhausviertel ist mir wegen der Architektur ans Herz gewachsen. Chilehaus, Sprinkenhof, Mohlenhof. Riesige Klinkerbauten aus den Zwanziger und Dreißiger Jahre mit großen Innenhöfen.

Buro steinstrasse buro

Buro steinstrasse eingang

Im Juni bin ich dort in mein eigenes Zimmer eingezogen, nach etlichen Jahren Bürogemeinschaft. Das was ich wollte, ist teilweise aufgegangen. Mehr Ruhe. Mehr Freiheit den Raum nach meiner Schnauze zu gestalten. Endlich wieder eine große Tischfläche zum Ausbreiten. Eigene Whiteboards. Musik mal mit, mal ohne Kopfhörer.

Auf dem Stockwerk gab es Gemeinschaftstoiletten und eine Gemeinschaftsküche. Neben den beiden Indern von schräg gegenüber, die immer in die Toiletten gingen um Wasser für den Tee zu holen, sah ich auch öfters einen jungen Herrn mit zackigen Schritt, der, wenn er in sein Büro zurückging, hinter sich immer die Tür abschloß. Und schließlich der kahlköpfige Psychologe für Traumapatienten, mit dem man auch über Medienrezeption der jungen Generationen sprechen konnte.

Die Steinstraße war ein exzellenter Standort. Vom Verkehr habe ich nicht viel mitbekommen. Das Büro ging nach hinten raus und im Innenhof war es so leise, dass man freitags um 18 Uhr sogar den Einlauf des FC St. Pauli vom Millerntor rüber hören konnte, statt die Rush Hour oder den Trubel an der Mönckebergstraße. Steinstraße, hat mir Spaß gemacht.

Mit der Kündigung des Büros ist meine Zeit des Einzelbüros aber nicht zu Ende. Ich werde Ende Januar in neue Büroräumlichkeiten (des gleichen Büroverwalters) umziehen. Es bleibt in der Innenstadt, aber von der Altstadt geht es in die Neustadt. Es wird eine ganze Ecke posher und vom Klinkerflair des Kontorhausviertels nicht mehr viel zu sehen sein. Es geht in die Große Bleichen. Große Bleichen 21, in die Galleria (der in schwarz/weiß gehaltenen Einkaufspassage), Aufzug in die dritte Etage.

Kommt man vom Rathausmarkt, kann man an der Alten Post vorbeigehen, riskiert aber dabei nachhaltig von der Duftwolke von Abercrombie & Fitch verstört zu werden. So posh die Gegend ist, kommt mich die Miete kurioserweise auch etwas günstiger. Aber den Umzug hätte ich, so vom Aufwand und Nachsendeantrag beantragen und o2/Telefonica Bescheid sagen nun wirklich nicht gebraucht.

Mehr mit weniger iPhone

Iphone do not disturb

Das iOS6-Feature welches ich am meisten verwende, ist die neue “Do not disturb“-Funktion. Ich habe sie quasi in Permanenz laufen. Wird sie eingeschaltet, blockt sie alle Anrufer ab, lässt nur die Anrufer durch, die auf der Favoritenliste stehen oder dringende Anrufe von Personen die innerhalb von drei Minuten zweimal anrufen.

Wenn keine Telefonate mit mir vereinart worden sind, wird das iPhone im “Do not disturb”-Zustand bei mir im Büro irgendwo in die Ecke gelegt und ich schau 2-3x am Tag drauf, ob jemand versucht hat anzurufen.

Es nervt wenn man im Büro den Jongleur mit 2-3 laufenden Projekten gibt und jemand per Telefonat dann noch seinen Senf zu einem vierten Projekt geben muss.

Es nervt zu wissen, dass man im Timing hinten liegt und im Hinterkopf hat, dass der Kunde jeden Augenblick anrufen und nachfragen könnte.

Das Medium Telefon nervt, mit dem Druck auf alles sofort eine Antwort oder Zusage geben zu müssen.

“Do not disturb” ist mein Telefonfilter und nimmt mir diesen Druck sofort für bzw. auf ein Projekt reagieren zu müssen. Ein großartiger kleiner Helfer um den Tag zu entschleunigen und besser selbstbestimmt arbeiten zu können.

Adobe CS6 aufgeschlagen

Diesmal habe ich mich entschlossen eher früh mit dem CS6-Upgrade zu starten. Weil es die Preisunterschiede nicht hergaben, habe ich diesmal bei Adobe direkt bestellt – als 4GB große Download-Version. Das dürfte auch das erste Mal sein, das ich knapp neun bis zehn Stunden warten musste, bis ich nach der Bestellung den Download-Link zugeschickt bekam.

Der Adobe-Store bietet zwar per Default die Möglichkeit die drei Images (Upgrade plus zwei Bonus-Image-Dateien mit Fonts) mit einem eigenen Download-Manager runterzuladen. Als Option gibt es aber den direkten Download-Link, so dass man sich die Installation der drei(!) Download-Manager schenken kann.

Das In-Die-Pfanne-Hauen von Adobe-Software ist bei mir neben meiner alljährlichen Bundesliga-Sonderheft-Verisse an anderer Stelle schon eine Art Lieblingssport.

Grundsätzlich finde ich es erstaunlich, wenn Produkt-Upgrades nach nur 18-24 Monaten hyperventilierend damit beworben werden, dass man nun eine neue Super-Duper-Workflow-optimierte GUI hat … nur damit 18 Monate später die nächste komplette, nach neuesten UX-Erkenntnissen überarbeite GUI ins Haus steht.

Im Falle von Adobe kommt erschwerend hinzu, dass die einzelnen Software-Produkte nicht näher zusammenkommen, sondern in der Bedienung immer weiter auseinander bewegen. Ich warte immer noch auf das Zusammenführen der GUIs der 2005 gekauften Macromedia-Produkte mit den Adobe-Produkten. Mit CS6, sieben Jahre nach Aufkauf von Macromedia, sind Photoshop und Fireworks weiter auseinander denn je – sowohl in den groben Bedienungskonzepten, als auch in den Details wie zum Beispiel die Formen der Klappmenüs.

Und das will mir bei einer Firma wie Adobe, die Tools für Gestaltung, UI und UX zur Verfügung stellt, schlichtweg nicht in die Birne (eating your own dog food).

Beim ersten Durchmarsch durch die Applikationen am gestrigen Abend ging mir schon eine erste Flut an Anmerkungen durch den Kopf. Mal sehen ob ich irgendwie sortiert bekomme.

Es sind interessante Änderungen, es sind Umstellungen, es sind Verschlechterungen und es ist teilweise auch gar nichts passiert. Photoshop CS6 dürfte den größten Sprung gemacht haben und man sollte es als Chance begreifen, seinen Workflow zu überprüfen und zu überdenken. Wie bei einem neuen Gadget gibt es viele neue Knöpfe und Schalter die zum Ausprobieren einladen.

Das was Adobe da aber unter einem Hut “Creative Suite” zu verkaufen versucht, wirkt in CS6 weniger den je wie eine gemeinsame Familie. Während Photoshop CS6 weiter mit teilweise branchenfremden Features (Video???) gepimpt worden ist, scheint bei Fireworks CS6 nix passiert zu sein. Seit CS4 wirkt Fireworks als würde es um den Gnadenschuss betteln und CS6 scheint dies nicht zu ändern. Ich kenne Telefonbücher die sich interessanter anhören als die “What’s new?”-Liste von FW CS6.

New fw.png filename extension […] Use buttons to specify fill type options such as no fill, solid, gradient, and patterns in the Property inspector and Tools bar. Previously, these options were handled through drop-down menus […] You can now specify Stroke position (inside, center, outside) using the Stroke dialog box […] Set the angle for gradient or pattern fills […]

Vierzehn Jahre nach der ersten Version von Fireworks wird hier ein ganzes Feuerwerk (sic!) von Neuerungen abgefackelt. Neue Dateiendung “fw.png” weil zuviele die Fireworks-Quelldatei mit “echten” Websafe-PNGs verwechselt haben? Nach 14 Jahren: Burner!

Massiv beworben wird derzeit die Adobe Creative Cloud. Statt sich ein Upgrade zu kaufen, kann man die Adobe-Software für 37-61 Euro pro Monat (nein, ich habe keine Ahnung wie Adobe die Preise umrechnet) mieten – solange man die Miete zahlt, hat man Zugriff auf alle Softwareprodukte von Adobe.

Ich kann nicht nachvollziehen worin für einen Selbständigen wie mich der Reiz der Cloud liegen soll, da man i.d.R. als Selbständiger nicht die komplette Palette von Video über Audio, Grafik, DTP, DVD-Authoring, Web Design und Flash abdecken wird – und bei kleineren Aufgabengebiete kommen die CS-Pakete billiger als die Suite.

So… weiter mit der Arbeit.

Andy Humes CSS-Paradigmenwechsel

Seit geraumer Zeit arbeiten ich viel bei Kunden vor Ort. Aktuell häufig bei einem Kunden am Hamburger Fischmarkt, Große Elbstraße, mit Aussicht auf die Elbe. Im Laufe des Vormittags tappere ich von meinem Büro im Belle-Viertel über die Schanze den Straßenzug Bernstorffstraße/Kleine Freiheit/Pepernmölenbek bis zur Elbe runter. Mitsamt Fußweg zum Büro und Nachhause-Weg kommen da täglich knapp anderthalb Stunden Wegstrecke zusammen. Folgerichtig habe ich meinen Podcastkreis erweitert, zum Beispiel um SWSX-Vorträge

Hafen

Gleich der erste Vortrag “CSS for Grown Ups: Maturing Best Practices” von Andy Hume erwies sich als Volltreffer. Audio (MP3, ca 58min), Slides (Speakerdeck)

Hume stellt natürlich gewachsene Paradigmen der Web Standards-Bewegung in Frage, insbesondere die bisher propagierte Trennung zwischen ausschließlich semantischen HTML-Markup und ihre Verdrahtung mit CSS.

Von dem Gedanken “das HTML-Markup hat keinerlei Informationen über das Design zu besitzen” geht Hume schnell weg und spricht vom Markup als eine Art “API” für die Gestaltung per CSS. Das Andocken von Gestaltung z.B. an einem H2-Element sei aber weder semantisch, noch flexibel. H2 kann z.B. innerhalb einer Website im Kontext “Homepage” eine Artikel-Headline darstellen, aber im Kontext “Artikel-Seite” die Subheadline des Artikels sein, während dann dort die Headline als H1 ausgezeichnet ist.

Für denjenigen der im CSS-Code rumwühlt, erschließt sich durch das reine Markup nicht, welche Bedeutung Elemente wie H1 oder H2 haben. Noch schlimmer: das CSS eskaliert und wird komplexer, weil es für unterschiedliche Kontexte unterschiedliche Elemente berücksichtigen muss:

#page-home H2,
#page-single H1 {
	font-size: 36px;
}

Wäre es aus CSS-zentrischer Sicht nicht semantischer, das CSS nicht an Elementen, sondern an Klassen anzuhängen?

<h1 class="headline">Suppenwürfel machen Krebs!</h1>

.headline {
	font-size: 36px;
}

Diese Parallel-Existenz von Semantik mit HTML-Element und Sematik mit CSS-Klassen war bislang verpönt und ein Bruch der klaren Trennung von Markup und Gestaltung.

Die Zeiten haben sich aber geändert. Wir reden nicht mehr von Firmen-Websites die sich in zehn HTML-Seiten abfrühstücken lassen, wie einst 2004, sondern von komplexen, datenbank-gesteuerten Sites und Applikationen, deren CSS-Code locker eine vierstellige Zahl von Zeilen umfasst.

Wird das CSS nicht dadurch flexibler und sogar semantischer wenn beschreibende Klassen verwendet werden wie

<a href="#" class="button button--large is-disabled">Remove</a>?

(Man beachte dass die “Beschreibung” hier ebenfalls semantischen Wert hat und nicht wie “button--100px” oder “button--green” aufgebaut ist!)

Es hebe derjenige die Hand, der noch nie eine beschreibende CSS-Klasse wie “button” verwendet hat…

Trotzdem: ich fand dies in dieser Konsequenz gewöhnungsbedürftig und bin schlichtweg an der Grenze der Überforderung, wenn Hume dann auch noch vorschlägt, HTML-Elemente über Javascript als Trigger für CSS-Klassen zu nehmen:

<div data-squery="min-width:400px=wide max-width:10em=small">

Hume hat dazu selector-queries geschrieben, die das obige Attribut “data-squery” auswerten: wenn der DIV-Container schmaler als 10em ist, bekommt er die Klasse small. Ist er breiter als 400px, bekommt er die Klasse wide. Ansonsten bleibt die Klasse leer (was nicht immer das Oberoberoptimalste als Fallback für Javascript-lose Clients ist).

Gefiel mir auf Anhieb nicht wirklich, aber je länger ich darüber nachdenke, ist dies für viele Websites vielleicht sogar der richtige Schritt um CSS-Module voneinander unabhängiger zu machen, denn Media-Queries in CSS arten quick in verschachtelten Spaghetti-Code aus und kommen in Sachen “Responsive Images” schnell am Ende ihres Lateins.

Ein zweiter zentraler Punkt des Vortrages von Hume ist die Strukturierung von CSS in möglichst unabhängigen Modulen: “Don’t style pages, style modules.

Ein Qualitätsmaßstab für Module ist ihre Unabhängigkeit von CSS-Code außerhalb des eigentlichen Module-CSS und ließe sich testen, indem man die Module in anderen Kontexten (Seitenleiste vs Content-Bereich) oder in der als Website angelegten Dokumentation ablegt.

Für den Workflow ist dies an zwei Punkten ein weitreichender Move. Es ist ab einem bestimmten Punkt das Verlassen der gewohnten “Top-Down”-Produktion einer Website und die komplette Abstraktion eines Moduls von ihrem zukünftigen Bestimmungsort.

Es ergibt sich daraus die interessante Frage der Dateiorganisation innerhalb eines Projektes. Auch hier ist CSS noch auf der Suche nach Best Practice. Hume schlägt drei Kategorien von Stylesheets vor, durch die eine Aufgabenteilung bewirkt wird, die die Übersichtlichkeit erhöhen soll und damit den Code pflegbarer machen soll – auch hinsichtlich des Recyclings von Modulen.

  • Base – Styles für Elemente, das Fundament der Website für site-weite Eigenschaften wie Link-Farben, Schriften, Schriftgrößen
  • Module – eigenständige Module wie “Einklinke”, “Link-Box”
  • Layout – Layout der Seite wie z.B. Spalten

Es gibt andere Versuche der Strukturierungen für CSS wie OOCSS, BEM oder SMACSS.

SMACSS definiert fünf Kategorien von Stylesheets:

  • Base – Stellt die Default-Gestalltung für HTML-Elemente, Attribute und Pseude-Classes dar.
  • Layout – Grober Seitenaufbau über die Ansprache von single-class- oder id-Selektoren.
  • Moduls – Wie bei Hume handelt es sich um wiederverwendbare Module wie Poduktlisten, die über classes angesprochen werden.
  • State – Beschreibt die Zustände von Layouts oder Modulen wie “enabled”, “hidden”, auch in Kontexten wie für Mobile-Clients etc…
  • Theme – Selbsterklärend.

Aktuell sitze ich an einer ähnlichen Struktur (SASS-basierend: Values – Mixins – Generic – Elements – Modules) – allerdings für eine hoffnungslos kleine Website und es fühlt sich nicht korrekt an für so eine kleine Website zwischen fünf unterschiedlichen SASS-Dateien zu springen.

Die Suche nach Best Practice wird auf Jahre nicht vorbei sein und bis dahin noch in viele Sackgassen gegangen werden, noch viel Overhead produziert und noch viele Kundenprojekte als Testlabor dienen.

Alles bleibt anders

Ich bin jetzt dreizehn Jahre selbständig und trotzdem scheint jedes Jahr weiterhin seine eigene Dynamik zu kennen. Vielleicht werde ich alt, aber die letzten 10-11 Monate waren nicht nur sehr anders, sondern auch sehr ermüdend.

Im letzten Sommer arbeitete ich zusätzlich für vier Monate bei einem Hamburger IT-Unternehmen fünfmal die Woche in einem nine-to-five-Job (besser: ten-to-five). Sehr interessante Monate, weil ich zum ersten Mal seit meiner Angestelltenzeit 1996, über einen längeren Zeitraum Tag für Tag in einem größeren Team arbeitete und dort neue Workflows kennenlernte, u.a. sehr streng durchgeführtes Scrum zum Projektmanagement.

Das kam on-the-top zu meiner normalen Tätigkeit als Selbständiger und mit allesaussersport dazu. 60 bis 80 Stunden-Wochen, inkl. Aufstehen um kurz vor Sechs und Arbeiten an Wochenenden waren die Regel.

Der Oktober war etwas zum Verschnaufen da, aber vom November bis Februar ging es weiter. Ein Projekt das ursprünglich bis Mitte Dezember gehen sollte, aber in der ersten Hälfte plötzlich mit soviel mehr Funktionalität aufgeladen wurde, dass die Deadline auf Anfang Februar gelegt wurde. Man versetze sich in meiner Lage: ich wankte durchaus erschöpft gen Jahresende doch statt endlich einige laue Monate in Aussicht zu bekommen, hatte ich plötzlich ein Projekt an den Hacken, dass ich nicht los wurde – und dessen Workflow aus technischen Gründen (Remote Server, proprietärer Tunnel-Client) enervierend waren. Aus Anfang Februar wurde wegen weiterer Features der letzte Februar-Tag. Auf der letzten Rille wurde das Projekt fertiggestellt.

Der Dezember, Januar und Februar waren für mich schlimme Monate. Der Akku war komplett leer. An den Wochenenden war ich antriebslos. Und an den Wochentagen stellte ich mir immer wieder die Sinnfrage. Einer der Projektleiter fragte mich später für ein anderes Projekt an: “Wir haben da nochwas in der Pipeline. Möchtest du HTML runterschrubben?

Ich weiß wie er es gemeint hatte, aber die Formulierung “HTML runterschrubben” war ein guter Ausdrucks des Dilemmas das ich seit Dezember fühlte.

Im Akkord arbeiten. Keine nachhaltigen Lösungen. Kein Nachdenken, kein Herumexperimentieren, kein Ausprobieren.

Und dies zu einem Zeitpunkt, an dem der HTML/CSS/Javascript-Bereich (vulgo: Frontend) einschneidende Änderungen erlebt und komplett im Fluss ist. An dem alle in der Frontend-Branche verzweifelt nach optimalen Workflows und Best Practice suchen.

Irgendwas passte nicht zwischen dem was ich wollte und brauchte, dem was mir für die Zukunft wichtig war und dem was ich als Aufträge bekam. Der Herunterschrubber-Dienstleister-Weg schien mir in die Sackgasse zu führen.

Im Dezember traf ich die Entscheidung 2012 aus der aktuellen Bürogemeinschaft auszuziehen und stattdessen in eigene Räumlichkeiten zu gehen. Außerdem versuche ich den Kunden nur noch drei Tage die Woche anzubieten.

Ich war jetzt 13 Jahre in Bürogemeinschaften. Zumindest in den letzten ca. sieben Jahre hat sich das so hoch gehaltene Wort “Synergieeffekte” sehr in Grenzen gehalten. Ich will nun in die andere Richtung gehen und mich in meinen Büro abschotten können, mehr in Richtung Labor, Ruhe und Konzentration gehen. Ich will ganz bewusst in meinen eigenen Saft schmoren.

In den nächsten sechs Wochen werde ich ausziehen. In den nächsten 10 Tagen werde ich mich für ein Büro entscheiden. Und danach hoffen ich auf mehr Ruhe. Im Leben und in der Arbeit.

Nick Denton über das Scheitern von Blog-Kommentaren

Ich habe so meine Probleme mit Nick Denton, den ich genauso unsympathisch wie einige seiner Gedanken brillant finde.

Nick Denton ist der Macher hinter Gawker Media, das Unternehmen das Blogs wie Lifehacker, Gizmodo, Gawker oder Deadspin unterhält. Denton propagierten Journalismus mit Wirkung genauso wie Gossip mit Veröffentlichung von Fotos mit Sportler-Genitalien.

Vor einem Monat stellte er sich bei der SWSX in Austin einem einstündigen Interview mit Anil Dash zum Thema The Failure of Comments das ich zum Nachhören ans Herz lege, da Denton sehr, sehr viele interessante Gedanken entwickelt, wie Web-Publikationen mit Kommentaren und Konversation im Internet umgehen sollten.

Wo Denton herkommt, zeigt seine Aussage aus den ersten Minuten des Interviews über die Motivation Gawker zu starten:

I was struck how the conversations you’d have with journalists after deadline were far more interesting than what would appear in the newspaper the next morning. It was the story behind the story, and we turned that into a business.

Wie kann man diese Art von Konversation in den Blogbeiträgen pflegen? Wie kann man die derzeit vorherrschende Kultur der negativen Kommentare, der beißenden, zynischen Beschimpfungen stoppen ohne gleichzeitig Diskurs und kontroverse Meinungen abzuwürgen?

Denton sieht Facebook-Kommentare sieht zwar als eine Möglichkeit für einige Websites an, aber er hält Anonymität der Kommentare für ein wichtiges Gut um an gute Inhalte zu kommen.

Als gescheitert sieht er Versuche der Gamification von Kommentare – auch bei Gawker – in dem zum Beispiel Sterne für Kommentatoren verteilt werden. Denton: “Wer will denn wirklich ‘Sternchen’ bekommen? Sind die guten Kommentar-Schreiber wirklich auf Sterne aus? Nein.

Die Hürden für “Kommentatoren-Erstlinge” sieht er noch als zu hoch: die Anmeldung und die Hemmschwelle vor der Partizipation.

Einen Weg den Gawker in den nächsten Wochen beschreiten will, ist die Übernahme der Verantwortung für die Kommentare durch die Kommentatoren selber. Nicht in Form eines generischen Bewertungsprozesses, der eine Eigendynamik lostritt, die sehr schnell nichts mehr mit den Inhalten zu tun hat. Sondern in Form von: jeder Kommentator wird Kurator für den Thread den er startet. Die Vision von Denton ist es, dass die Subjekte der Artikel selber die Hemmungen verlieren, in den Kommentaren einzusteigen.

Eine zweite interessante Vision von Nick Denton ist fractional commenting, dass die Kommentierung an spezielle Segmente des Blogeintrages koppelt – so wie bei Soundcloud auch bestimmte Passagen eines Musikstückes kommentiert werden können.

Nick Denton gehört zum Typus Arschloch, dem ich gerne zuhöre. “The Failure of Commenting”, SWSX 2012.

Google Maps gibt es inzwischen in verschiedenen Geschmacksrichtung, inkl. in dem Browser inkludierte Google Earth-Variante. Eine der Variante ist die MapsGL-Version von Google Maps – präziser gesagt eine WebGL-Version von Google Maps. WebGL ist 3D-Grafik im Browser, ansprechbar per Javascript – vorausgesetzt der Browser ist in der Lage dazu (Firefox, Chrome, Safari (per Schalter im Develop-Menü)).

Die Gebäude sind dabei recht generisch umgesetzt, aber schick halbtransparent. Nettes Detail in Sachen Perfektion: die Schattenwürfe entsprechen dem Sonnenstand zur jeweiligen Tageszeit (auch der Jahreszeit?).

Googlemaps-Schattenwürfe Hamburg vs Dubai

An der Menge der in Hamburg umgesetzten 3D-Gebäude hat sich nicht viel getan. In Hamburg beschränkt man sich grosso modo auf den Bereich innerhalb des Wallrings und selbst die HafenCity ist genauso lückenhaft, wie das Fotomaterial in der Satellitenansicht veraltet ist.

Neulich beim Kunden… (1)

Bei einem Kundenmeeting kam auch die Sprache auf das firmeninternen Sicherheitskonzept beim Kunden. Dort wurde vor einigen Monden eingeführt, dass jedes Quartal die Passwörter neu angelegt werden müssen, um Schäden durch unbemerkt ausspionierte Passwörter gering zu halten.

Ungewollter Nebeneffekt dieser gut gemeinten Maßnahme: das Generieren von neuen Passwörtern in so kurzen Abständen überfordert viele Mitarbeiter, die nun daher die Passwörter irgendwo aufschreiben, per Post-It-Zettel am Bildschirm oder auf einem Aufkleber am Laptop-Boden notieren…

Firefox 10 und die erste “wahre” Version der Web Developer Tools

Seit Anfang der Woche kann Firefox 10 heruntergeladen werden. Im Frühjahr wurde bekannt dass Firefox an Firebug vorbei, sein eigenes Set an Web Developer Tools bauen will und ging mit einer Konsole und einer Javascript-Sandbox an den Start.

Mit Firefox 10 hat man sich einen weiteren Schritt gen Firebug-Substitut hin bewegt: nun ist auch ein HTML-/CSS-Inspektor inkludiert.

Firefox 10 mit ausgeklappten Inspector der Web Developer Tools

Mit der Tastenkombination Apfel + Alt + i (Windows-/Linux-User schauen bitte selber nach) kann man auf der Seite ein beliebiges Element auswählen. Es klappt dann zuerst eine Leiste mit der DOM-Verschachtelung aus und per “HTML”- oder “Style”-Button auch ein Panel mit dem HTML-Code und den für das Element relevanten Selektoren.

Firefox 10-Web Developer Tools mit Properties-Panel
Der “Properties”-Button schaltet das CSS-Panel zu einer Ansicht um, wie man sie von dem IE Web Developer Tools, aber noch nicht von Firebug kennt: einer Auflistung aller CSS-Attribute und von welchen Definitionen sie … ähm … definiert werden. Wenn man weiß, dass die Schriftgröße der Headline falsch ist, muss man sich nicht mehr durch diverse Selektoren kämpfen, die auf das A-, H1-, .entry-, H1.entry- oder sonstige Elemente wirken können, sondern kann sich gezielt das Attribut font-size stürzen und bekommt eine Liste der Selektoren die dieses Attribut ansprechen.

Ich weiß noch nicht, was ich von dem Ausbau der Web Developer Tools durch Firefox halten soll. “Konkurrenz belebt das Geschäft” für Firebug oder das Verschwenden von Energie die man woanders besser einsetzen könnte, als sich zu bemühen Firebug hinterherzuhecheln?

Firefox 10 mit dem Tools-Menü
In den Menüs hat das Werkzeug schon für Chaos gesorgt, denn der Name “Web Developer” ist identisch mit der sehr populären Erweiterung “Web Developer” von Chris Pederick und so besitzt das Tools-Menü nun zwei gleichnamige Einträge.

Pedericks “Web Developer” lässt sich weiterhin ebenso problemlos nutzen wie sich auch Firebug mit Firefox “Web Developer Tools” co-existiert – auch wenn das Aufklappen von Firebug zusätzlich zu den Firefox-Tools nicht ästhetischen Höchstansprüchen genügen mag…

Firebug bleibt unverzichtbar. Die Firefox-Tools decken noch nicht alle Bereich in der entsprechenden Tiefe ab – und solange Farbwerte nur im RGB()-Format statt im Format wie sie Stylesheet angegeben wurden (i.d.R. Hex) sind die Tools nahezu unbrauchbar. Die Konsole kommt nicht an das “Net”-Tab von Firebug heran und im Javascript-Bereich ist anscheinend der alte, klobige DOM-Inspector inzwischen rausgeflogen und noch nicht ersetzt worden.

Ich bin auf die zukünftige Entwicklung von Firebug gespannt. Opera hat mit Opera Dragonfly ein ästhetisch sehr ansprechendes Konkurrenzprodukt herausgebracht und neue Webkit-Nightlies (genauso wie Preview-Versionen von Opera) bauen CSS-Style-Profiler ein: wie lange braucht es also um bestimmte CSS-Styles zu rendern.

Es macht deutlich dass im Web Design-Bereich auch die nächsten Jahre in nicht minder hohen Tempo fortschreiten werden, wie die letzten 2-3 Jahre.