Google TV: IMHO DOA

Am Donnerstag hat Google auf seiner Entwicklerkonferenz Google I/O Google TV vorgestellt. Ich halte Google TV bereits für tot, dead on arival.

Das hat nichts mit der Front zwischen Google und Apple zu tun, sondern mit dem Gerätetypus.

Ich halte die Versuche das Internet in den Fernseher zu bringen, nicht für massenkompatibel und damit nicht für lukrativ genug, damit eine Firma wie Sony lange dabei bleibt.

Grundsätzlich glaube ich, das Fernsehen noch eine längere Zeit Bestand hat: eine große Kiste in der Sender 24 Stunden am Tag vollautomatisch ihre Programme abspielen und vor der sich der Benutzer berieseln lassen kann. Ich glaube nicht daran, dass Otto Normalgucker sich proaktiv sein Programm selber zusammenstellt (“heute die fünfte Folge von ‘Lost’, danach die ‘Jay Leno Show’ und schließlich das ‘Nachtjournal’“) und ich glaube nicht an Algorithmen, die einen Sendeablauf zielgerichtet für einen Seher zusammenstellen.

Das Unterscheidungsmerkmal des Fernsehens ist die Passivität des Sehers, gekoppelt mit einer einfachen Bedienung des Fernsehers, bei der man maximal den Sender wechselt und die Lautstärke verändert.

Google TV bringt aber Komplexität in das Endgerät Fernseher rein, für die der Fernseher nicht geschaffen ist. Stichworte: komplexe Bedienung, Notwendigkeit die Funktion einer Tastatur zu emulieren (z.B. in dem man ein iPhone als Fernbedienung heranzieht). Wer schon einmal mit der Wii oder der PS3 versucht hat den Browser zu bedienen, weiß wie mühsam das Leben ohne richtiger Tastatur ist.

Noch wichtiger: die Bedienung findet auf dem Bildschirm des Fernsehers statt, während das Programm läuft. Mir geht es dabei immer so, dass ich das Gefühl hätte, ich würde etwas verpassen und das Wegblenden von komplexeren Bedienelemente dauert zu lange (z.B. wenn ein Tor geschossen wird oder im Krimi ein Schuß fällt). Die Nutzer haben kein Problem, sich neben dem Fernsehen gleichzeitig mit anderen Geräten wie Handy oder Laptop zu beschäftigen, weil sie notfalls binnen Sekundenbruchteilen aufschauen und zum Fernseher blicken können.

Wenn Unternehmen wie Philips, mit gigantischem Forschungsbudget allen Ernstes und ohne die Miene zu verziehen, ein Produkt wie Net TV herausbringen, wo “Offenheit” bedeutet, in einem Emulator einen Emulator zu benützen, der totes CE-HTML verwendet und als Rahmenbedingunge für die Javascript-Engine angibt, dass sie einem 300MHz-PC entpricht – wie offen ist so ein Unternehmen gegenüber Google TV? Kann es überhaupt sowas wie Google TV verstehen oder ist sowas in der Unternehmens-DNA gar nicht drin?.

Auch die Popularität der bisherigen Versuche von internet-tauglichen Fernsehern ist nicht dazu angetan, große Hoffnung zu hegen, dass die Leute ein Interesse an Wetter-Widgets auf ihre Fernseher haben. Neben der Sollbruchstelle zwischen Google TV und Fernsehnutzer, zieht die zweite Sollbruchstelle zwischen Google TV und den Anbietern entlang.

Fernseh- und Set-Top-Boxen-Hersteller müssten ihre Software und Know-How wegschmeißen, zugunsten einer neuen Lösung. Das mag für krude Lösungen die das Internet-TV von Philips okay sein. Und es muss auch überraschen, das Sony mit seiner Partnerschaft mit Google nun die eigene Playstation-Plattform kannibalisiert.

So wie Plattformbetreiber wie BSkyB/Sky versuchen die Hoheit über ihre Boxen und Angebote zu wahren und so wie Sender/Programmlieferanten versuchen die Kontrolle über Inhalte zu behalten (z.B. durch kastrierte Ausstrahlungen via CI+/HD+), kann ich mir nicht vorstellen, dass man auf einen gemeinsamen Nenner mit der “offenen” Plattform Google TV kommen wird.

Google TV wird nicht mehr als ein “Hobbyprojekt” sein, wie Apple TV.

Work in progress

Es wird Zeit, dass ich die Website wieder aktiviere.

Es gibt keinen Masterplan. Kein Design, kein Konzept. Erst einmal nur eine blanke, weiße Leinwand, die nach und nach gefüllt wird, korrigiert und wieder gefüllt wird. Nicht alles wird jederzeit fertig sein. Ich habe keine Ahnung wo die Reise hingeht. Der Weg ist das Ziel. Ein Weg der auch über HTML5 gehen soll.