Alles bleibt anders

Ich bin jetzt dreizehn Jahre selbständig und trotzdem scheint jedes Jahr weiterhin seine eigene Dynamik zu kennen. Vielleicht werde ich alt, aber die letzten 10-11 Monate waren nicht nur sehr anders, sondern auch sehr ermüdend.

Im letzten Sommer arbeitete ich zusätzlich für vier Monate bei einem Hamburger IT-Unternehmen fünfmal die Woche in einem nine-to-five-Job (besser: ten-to-five). Sehr interessante Monate, weil ich zum ersten Mal seit meiner Angestelltenzeit 1996, über einen längeren Zeitraum Tag für Tag in einem größeren Team arbeitete und dort neue Workflows kennenlernte, u.a. sehr streng durchgeführtes Scrum zum Projektmanagement.

Das kam on-the-top zu meiner normalen Tätigkeit als Selbständiger und mit allesaussersport dazu. 60 bis 80 Stunden-Wochen, inkl. Aufstehen um kurz vor Sechs und Arbeiten an Wochenenden waren die Regel.

Der Oktober war etwas zum Verschnaufen da, aber vom November bis Februar ging es weiter. Ein Projekt das ursprünglich bis Mitte Dezember gehen sollte, aber in der ersten Hälfte plötzlich mit soviel mehr Funktionalität aufgeladen wurde, dass die Deadline auf Anfang Februar gelegt wurde. Man versetze sich in meiner Lage: ich wankte durchaus erschöpft gen Jahresende doch statt endlich einige laue Monate in Aussicht zu bekommen, hatte ich plötzlich ein Projekt an den Hacken, dass ich nicht los wurde – und dessen Workflow aus technischen Gründen (Remote Server, proprietärer Tunnel-Client) enervierend waren. Aus Anfang Februar wurde wegen weiterer Features der letzte Februar-Tag. Auf der letzten Rille wurde das Projekt fertiggestellt.

Der Dezember, Januar und Februar waren für mich schlimme Monate. Der Akku war komplett leer. An den Wochenenden war ich antriebslos. Und an den Wochentagen stellte ich mir immer wieder die Sinnfrage. Einer der Projektleiter fragte mich später für ein anderes Projekt an: “Wir haben da nochwas in der Pipeline. Möchtest du HTML runterschrubben?

Ich weiß wie er es gemeint hatte, aber die Formulierung “HTML runterschrubben” war ein guter Ausdrucks des Dilemmas das ich seit Dezember fühlte.

Im Akkord arbeiten. Keine nachhaltigen Lösungen. Kein Nachdenken, kein Herumexperimentieren, kein Ausprobieren.

Und dies zu einem Zeitpunkt, an dem der HTML/CSS/Javascript-Bereich (vulgo: Frontend) einschneidende Änderungen erlebt und komplett im Fluss ist. An dem alle in der Frontend-Branche verzweifelt nach optimalen Workflows und Best Practice suchen.

Irgendwas passte nicht zwischen dem was ich wollte und brauchte, dem was mir für die Zukunft wichtig war und dem was ich als Aufträge bekam. Der Herunterschrubber-Dienstleister-Weg schien mir in die Sackgasse zu führen.

Im Dezember traf ich die Entscheidung 2012 aus der aktuellen Bürogemeinschaft auszuziehen und stattdessen in eigene Räumlichkeiten zu gehen. Außerdem versuche ich den Kunden nur noch drei Tage die Woche anzubieten.

Ich war jetzt 13 Jahre in Bürogemeinschaften. Zumindest in den letzten ca. sieben Jahre hat sich das so hoch gehaltene Wort “Synergieeffekte” sehr in Grenzen gehalten. Ich will nun in die andere Richtung gehen und mich in meinen Büro abschotten können, mehr in Richtung Labor, Ruhe und Konzentration gehen. Ich will ganz bewusst in meinen eigenen Saft schmoren.

In den nächsten sechs Wochen werde ich ausziehen. In den nächsten 10 Tagen werde ich mich für ein Büro entscheiden. Und danach hoffen ich auf mehr Ruhe. Im Leben und in der Arbeit.

6 thoughts on “Alles bleibt anders

  1. Ich wünsche dir alles Gute dazu. Möge deine Entscheidung die richtige sein, hört sich sehr plausibel an.
    Berufliche Änderungen haben immer so etwas Faszinierendes an sich, nicht wahr?

  2. Hi Kai,
    nachdem ich bereits deinen Artikel über CSS/HTML/semantischen vs. sprechenden Code sehr genossen habe, will ich dich zum eigenen Büro beglückwünschen – ich bin seit 12 Jahren selbstständig, davon seit 9 im Solo-Büro, und da die Vergnügungen nah sind (zentral, mit Terrasse bei Schönwetter in Freiburg) sind auch die Meetings gerne mal hier, was eventueller Vereinsamung vorbeugt.
    Effizienter habe ich noch nie gearbeitet. Manchmal hat behindert sein*, äh, ein Einzelbüro echt Vorteile.
    Gruß aus Freiburg,
    Achim

    * http://www.ms-reporter.de

  3. Ich arbeite wirklich daran meine gegen Null tendierende Selbstwahrnehmung zu verbessern. Die Therapie bringt auch ein wenig.Aber so richtig große Schritte – wie ich sie gerne hätte – werden das wohl nicht.Ich habe sehr viel heruntergefahren, Arbeitszeit reduziert, Termine und Hausarbeiten neu strukturiert … aber unter dem Strich habe ich einfach das Gefühl, dass das was an Leistung übrig bleibt erbärmlich wenig ist. Viel weniger, als ich die ganze Jahre dachte. Das ist frustrierend. Oder baut man Leistungsfähigkeit ab, je mehr man in Schonhaltung geht ? Ich habe da noch keine Antwort gefunden. Und mein geringstes Problem ist es anderen gegenüber NEIN zu sagen. Das kann ich gut. Nur mich selbst kann ich immer noch schlecht bremsen.Alles ist besser geworden in den letzten 5 Jahren, ja. Das merke ich auch. Trotzdem fühlt sich das nicht immer zufriedenstellend an. Und es ist kein intuitiver Prozess, ich muss immer alles bewußt im Kopf durchgehen, damit mir überhaupt etwas auffällt. Das nervt nicht nur, das ist eigentlich auch anstrengend. Aber gut – es hilft irgendwie eben auch, nicht wieder völlig aus der Umlaufbahn zu geraten.

  4. Ich war jetzt 13 Jahre in Bürogemeinschaften. Zumindest in den letzten ca. sieben Jahre hat sich das so hoch gehaltene Wort “Synergieeffekte” sehr in Grenzen gehalten. Ich will nun in die andere Richtung gehen und mich in meinen Büro abschotten können, mehr in Richtung Labor, Ruhe und Konzentration gehen. Ich will ganz bewusst in meinen eigenen Saft schmoren.

  5. Sorry! Nun habe ich mich hier sehr rar gemacht und das Tagebuch sträflich vernachlässigt. Es stand einfach soviel anderes an, und – ich gestehe – irgendwie hatte ich keine so rechte Lust auf PC. Nachdem mein Versuch Videos hochzuladen gescheitert ist, weil meine Videos für „Photobucket“ zu groß waren und ich mich nicht aufraffen konnte den nächsten Anlauf zu nehmen, hat es etwas länger gedauert. Nun hoffe ich, dass mein zweiter Versuch mit „MyVideo“ erfolgreicher verläuft. Ich wollte doch gerne die Videos von der wilden Oma Indra zeigen, wie fit ein Hund mit fast 18 Jahren noch sein kann.

  6. Derzeit liegen die aktuellen Holzpreise über dem Durchschnittspreisniveau der letzten 10 Jahre. Zum einen ist diese Situation auf die geringen Käferholzmengen 2009 zurückzuführen, zum andern auf die Verbesserung des Weltwirtschaftsklimas der letzten Monate. Aufgrund saisonaler Nachfrageentwicklung und stark abgebauten Holzlagern in vielen Sägewerken ist derzeit der Bedarf sehr groß und führte in den vergangenen Wochen zur Holzknappheit. Hinzu kommen derzeit hohe Schneelagen, die nicht nur die Holzabfuhr, sondern teilweise auch den Holzeinschlag behindern. Daher sollte die gute Marktsituation genutzt und verstärkt mit Waldpflegemaßnahmen begonnen werden. Die derzeit winterliche Witterung ist optimal für Waldarbeiten geeignet, da durch die Schneedecke verbunden mit Dauerfrost Bodenschäden weitgehend verhindert werden. Für Waldbesitzer, die selbst nicht in der Lage sind den Einschlag durchzuführen, vermittelt die WBV erfahrene Waldfacharbeiter oder Harvestereinsätze von heimischen Unternehmen, die wald- und bodenschonend arbeiten. Alle Holzsortimente können derzeit zu Vertragspreisen des vierten Quartal 2009 plus den einen oder anderen Euro abgesetzt werden. Die richtige Holzaushaltung dazu finden die Waldbesitzer auf der Homepage unter Sortimente Die WBV Sulzbach-Rosenberg w. V hat erreicht, dass alle bis Ende März bereitgestellten Hölzer durch Vorverträge mit guten Preisen abgesichert sind. Holzernte sollte rechtzeitig erfolgen und nicht dem nächsten Sturm überlassen werden.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

*

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>