Ich habe so meine Probleme mit Nick Denton, den ich genauso unsympathisch wie einige seiner Gedanken brillant finde.
Nick Denton ist der Macher hinter Gawker Media, das Unternehmen das Blogs wie Lifehacker, Gizmodo, Gawker oder Deadspin unterhält. Denton propagierten Journalismus mit Wirkung genauso wie Gossip mit Veröffentlichung von Fotos mit Sportler-Genitalien.
Vor einem Monat stellte er sich bei der SWSX in Austin einem einstündigen Interview mit Anil Dash zum Thema “The Failure of Comments“ das ich zum Nachhören ans Herz lege, da Denton sehr, sehr viele interessante Gedanken entwickelt, wie Web-Publikationen mit Kommentaren und Konversation im Internet umgehen sollten.
Wo Denton herkommt, zeigt seine Aussage aus den ersten Minuten des Interviews über die Motivation Gawker zu starten:
I was struck how the conversations you’d have with journalists after deadline were far more interesting than what would appear in the newspaper the next morning. It was the story behind the story, and we turned that into a business.
Wie kann man diese Art von Konversation in den Blogbeiträgen pflegen? Wie kann man die derzeit vorherrschende Kultur der negativen Kommentare, der beißenden, zynischen Beschimpfungen stoppen ohne gleichzeitig Diskurs und kontroverse Meinungen abzuwürgen?
Denton sieht Facebook-Kommentare sieht zwar als eine Möglichkeit für einige Websites an, aber er hält Anonymität der Kommentare für ein wichtiges Gut um an gute Inhalte zu kommen.
Als gescheitert sieht er Versuche der Gamification von Kommentare – auch bei Gawker – in dem zum Beispiel Sterne für Kommentatoren verteilt werden. Denton: “Wer will denn wirklich ‘Sternchen’ bekommen? Sind die guten Kommentar-Schreiber wirklich auf Sterne aus? Nein.”
Die Hürden für “Kommentatoren-Erstlinge” sieht er noch als zu hoch: die Anmeldung und die Hemmschwelle vor der Partizipation.
Einen Weg den Gawker in den nächsten Wochen beschreiten will, ist die Übernahme der Verantwortung für die Kommentare durch die Kommentatoren selber. Nicht in Form eines generischen Bewertungsprozesses, der eine Eigendynamik lostritt, die sehr schnell nichts mehr mit den Inhalten zu tun hat. Sondern in Form von: jeder Kommentator wird Kurator für den Thread den er startet. Die Vision von Denton ist es, dass die Subjekte der Artikel selber die Hemmungen verlieren, in den Kommentaren einzusteigen.
Eine zweite interessante Vision von Nick Denton ist fractional commenting, dass die Kommentierung an spezielle Segmente des Blogeintrages koppelt – so wie bei Soundcloud auch bestimmte Passagen eines Musikstückes kommentiert werden können.
Nick Denton gehört zum Typus Arschloch, dem ich gerne zuhöre. “The Failure of Commenting”, SWSX 2012.