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Watching: “A Branch in Time – a story about revision histories”

Gesehen: der Vortrag von der RubyConf.au „A Branch in Time – a story about revision histories“ von Tekon Süleyman.

Auf der Basis einer fiktiven Geschichte einer Entwicklerin, verdeutlicht Süleyman, welche zentrale Rolle Git in Projekten einnimmt – nicht nur als bloßes Source-Verwaltungs-Werkzeug, sondern idealerweise als Dokumentation, warum bestimmte Dinge im Code so umgesetzt worden sind, wie sie umgesetzt wurden. Das ist eine weitaus weniger banale Frage, als es sich für Außenstehende anhört.

Süleyman dockt seine Geschichte und Vorschläge an ein Thesenpapier von Peter Naur an: „Programming as Theory Building“ (PDF).

Programmieren ist demnach nicht die Produktion von Code, sondern der Aufbau einer Theorie oder eines Gedankenmodells, wie die Software zu arbeiten hat. Code ist demnach nur ein Artefakt/Ausdruck dieser Denkprozesse.

Software-Projekte werden fast nur noch iterativ (in kleinen Schritten) entwickelt. Schritt für Schritt wird innerhalb des Teams das oder die Gedanken-Modelle entwickelt. Aber es gibt keine Prozesse und kein Format, um die entwickelten Modelle expressis verbis niederzuschreiben und dann weiter zu entwickeln. Stattdessen handelt es sich um „institutional knowledge“, also eine Art kollektives Wissen, dass sich entwickelt.

An dieser Stelle ist Code der Ausdruck für eine konkrete Umsetzung: “was ist wie umgesetzt worden”. Git kann und sollte an dieser Stelle die Rolle spielen, die Motivation und Abwägungen, also das „warum ist es so umgesetzt worden“, zu dokumentieren. Für Git Commits gilt daher der Leitsatz: „Capture the why, not the what“.

Naur geht in seinem Papier so weit, und spricht von einem Sterben der Software, wenn das Entwicklungsteam aufgelöst wird. Mit dem Verschwinden des kollektiven Wissens, schwindet auch die Wartbarkeit der Software.


IMHO setzt der Zerfall von Software schon sehr viel früher ein: wenn unter Zeitdruck und/oder Komfort Abkürzungen genommen werden. Das Wissen wird statt eines „nachschlagbaren“ (dokumentierten) Kollektiv-Wissens, zu einem individuellen Wissen, zu einem Herrschafts-Wissen.

Es fängt mit Petitessen an. Aber wenn der Damm löchrig ist, ist der Dammbruch nicht weit.

Code-Reviews können nicht mehr sauber geführt werden, weil der zu prüfende „Soll-Zustand“ für den Reviewer nicht mehr nachzuvollziehen ist. Die Code-Review verkommt zu einem menschlichen Linting-Prozess.

Es schleichen sich immer stärkere Inkonsistenzen ins Projekt rein, weil es keine eindeutige Referenz mehr gibt, sondern mehrere entstanden sind. Es gibt mangels eindeutiger Referenz keinen Konsens mehr, was richtig oder falsch ist, sondern nur noch mehr oder weniger kompetente Interpretationen.

Das Entwicklungstempo wird abnehmen. Entwickler, die einen anderen Teilausschnitt des „kollektiven Wissens“ haben, werden den Code falsch interpretieren oder andere Rahmenbedingungen bzw. Maßstäbe anlegen und Probleme mit dem Bestandscode bekommen.

Ich weiß nicht, wie dieser Kreislauf rückgängig zu machen ist.

Was war. KW#40

Sechs Wochen Pause im Blog, weil…

Things I did.

… es in der abgelaufenen Woche den Launch der Website t5 gab. Es wurde eng. Der Launch wurde kurzfristig dann noch um einen Tag, auf Dienstag, geschoben. Mein Werk war bereits aber am Montag getan. Die restliche Zeit verbrachte ich mit auf „Stand-By“-Stehen, falls Bugs auftauchen sollten, respektive Überstunden-Abbau.

Der Dauerregen ließ bis Donnerstag nicht all zu viele Alternativen zur Stubenhockerei zu. Also nutzte ich die Zeit um meine Mailbox wieder gen Null gehen zu lassen und meine Leseliste abzubauen.

Ab Donnerstag war das Wetter dann auch kompatibel mit Outdoor-Aktivitäten. Das Fahrrad wurde geputzt und geölt. Ich habe den Rasen ausgebessert und Rotklee als Gründüngung ausgesät. Heute kam meine neue Kreuzhacke zu ihrem Debüteinsatz im Krieg gegen den amokgelaufenen Bambus meines Vorgängers.

Gestern mit @nedfuller den Abend im Tati verbracht, mit normannischen Cidre („Cidre d’Anneville“) und bretonischen Galettes (herzhafte Buchweizen-Crepes).

Außerdem habe ich nach zirka anderthalb Jahren einige Dichtungen an meiner Pavoni ausgetauscht. An zwei Dichtungen bin ich aber nicht rangekommen. Hier braucht es zum einen einen Torx-Schraubendreher mit Mittelloch und zum anderen einen Dorn zum Rausschlagen eines Sicherungssplint. Also morgen zum Baumarkt.

Things I read.

Alles ist liegen geblieben. Bis auf tagesaktuelles in der FT und immer mehr werdenden Newslettern und meine Bookmark-Liste, nichts gelesen.

Aus meiner Reading-List:

  • Im Tech-Sektor platzen gerade einige Blasen. Nicht alle mit so einem lauten Knall wie „WeWork“ – einige glauben, dass „WeWork“ keine zwölf Monate mehr überleben wird – aber auch viele Sektoren, bei denen es sich zeigt, dass die Euphorie größer, als der reele heutige Nutzen war.

    Airware, the highest-funded startup to go under, initially developed cloud-based software and autopilot systems for drones. One early proposal was to fly over farmland collecting data on the status of crops, from moisture levels in fields to how much crops were being affected by pests and chemicals used to control them.

    But most farmers aren’t yet equipped to make use of that kind of information, said Wackwitz. That early interest in precision agriculture dimmed, forcing Airware to pivot to other applications, like consulting companies on drone use, before shutting down in September.

    Klammheimlich hat „Autonomes Fahren“ seinen Zeithorizont für Level-5-Fahrzeuge um 10–20 Jahre nach hinten geschoben.

    Etliches erinnert an die Tech-Blase zur Jahrtausendwende – aber auch das ist eine Erkenntnis aus der Zeit: das Platzen der Blase bedeutet nicht zwingend, dass die Dinge falsch waren. Häufig bedeutet es nur, dass die Zeit noch nicht reif war und sich diese Themen erst Jahre später, mit einer zweiten Welle durchsetzen.

    Erinnert sei z.B. an „NC“ (Network Computer) Ende der 90er Jahre, ein Computer mit einem Minimum an Hardware und Betriebssystem, der stattdessen seine Inhalte und Software aus dem Internet lädt – zwanzig Jahre später sind die Cloud und Thin Clients wie Chromebooks allgegenwärtig.

Things I watched.

Maschek“ ist seit geraumer Zeit aus der Sommerpause zurück und die Episode nach der Nationalratswahl ist wieder vom obersten Regal: „Das gestörte Klima“

Things I listened to.

Chilly Gonzales hat, basierend auf Material von „Solo Piano III“, FM4 eine zweite Radio Session gegeben. Das 98minütige Konzert gibt es bei YouTube.

Ich habe zwei Lieblingsstellen im Konzert. Im hinteren Drittel plaudert Chilly Gonzales wie aus Melodien Songs entstehen.

Aber vorne, nach dem Warmspielen, spricht Gonzales über den Entstehungsprozess von „Solo Piano III“. Nach 15 Jahren nahm Gonzales ein Sabbat-Jahr von Konzerten und öffentlichen Auftritten. „Without an audience, this entertainer became an artist“ – und Gonzales beginnt eine wunderbare Einleitung zu seinem nächsten Stück „Be natural.

Was war. KW#32

Things I did.

Im Job weiterhin von Projekt t5 vereinnahmt – u.a. auch mit Schmerzen bzgl. der unterschiedlichen Rechner der Entwickler (Mac, Windows, Unix). Shell-Skripte, die durch Git unter Windows aufgrund anderer Line-Endings mit Fehlern abbrechen und Grunt-Tasks, die bei Kopiervorgängen unter Windows Binärdateien korrumpieren.

Am Dienstag gab ich der Stream-Empfehlungsplattform Shelfd.com ein halbstündiges Interview für deren Podcast zum Thema „DAZN – das Netflix des Sports greift nach der Bundesliga“.

Im Garten sind meine Stockrosen zwar aufgegangen – aber zu meinem Entsetzen musste ich feststellen, dass die Stockrosen „gefüllte“ Blütten hatten. Also Züchtungen, bei denen alles was Bienen & Schmetterlinge lecker finden (Blütenstand), durch weitere Blütenblätter ersetzt wurden. Diese Pflanzen sind für Bienen & Co von null Interesse. Ich habe mich heute bei einer „ungefüllten“ Stockrose irgendwo am Erdkampsweg bedient und ein paar Samen abgegriffen und eingepflanzt.

Things I read.

Keine Comics, keine Belletristik, sondern überwiegend bei der „Financial Times“ und Bookmarks hängen geblieben – für mehr war diese Woche keine Zeit.

Jeff Jarvis: „Evidence, Please“ – Zuerst: ich bin kein Freund von Jarvis, dem ich „Armchair Quarterbacking“ vorwerfe. Aus der gemütlichen und gut bezahlten akademischen Ecke den Medien launige Ratschläge geben, wie sie viel besser sein könnten („Armchair Quarterback“ konnte ich bei allesaussersport auch gut, aber eben nur just for fun und nicht gegen Bezahlung).

Jarvis legt den Medien nahe, in ihrer Berichterstattung sich mehr akademischen Erkenntnissen anzunähern und zu ihren Sujets gezielt Studien und Daten zu recherchieren. Der Aufhänger ist für Jarvis, die Behauptung zahlreicher Journalisten, die Polarisierung der Gesellschaft wäre eine Folge der Sozialen Medien und der Filter Bubble. Lt. Jarvis gibt es zahlreiche Studien, die die Existenz einer Filter Bubble widerlegen.

Der Text hinterlässt aber in Ton und Aufbau eher den Eindruck, als wäre der Trigger des Jarvis’schen Blogeintrag nicht die mangelnde Berücksichtigung akademischer Erkenntnisse in der journalistischen Arbeit, sondern dass jemand dem Internet und den Sozialen Medien mit dem Vorwurf von „Filter Bubble“ ans Bein pinkelt. Im Laufe seines Blogeintrags wird Jarvis selber unsachlich und verzichtet dann auf jegliche Daten um Medien unsachliche, dystopische Technik-Berichterstattung vorzuwerfen und ehemalige Facebook- und Twitter-Mitarbeiter abzukanzeln, weil sie inzwischen als Mahner auftreten. Die raison d’être des Blogeintrags scheint eher ein gepflegter Rant, als Aufklärungsarbeit zu sein.

Die von Jarvis gewünschte Integration von akademischen Resultaten als Bestandteil journalistischer Recherche, ist natürlich nicht unproblematisch – wie auch Jarvis‘ Blogeintrag selber zeigt. Jarvis serviert uns zwar einige Studien in Sachen „Filter Bubble“. Doch wie wollen wir, als Außenstehende beurteilen, dass Jarvis‘, hier immerhin eine interessierte Seite, nicht nur eine einseitige Auswahl an Studien vorgelegt hat? Wie sollen wir die Qualität der genannten Studien beurteilen? Wir können es nicht. Wir müssen da Jarvis vertrauen. Es bleibt weiterhin die wertvollste Währung in der Kommunikation zwischen Medium und Rezipient: Vertrauen.

Charlie Owen: „The Real Dark Web“ – Charlie Owen schreibt über die 99% an „real“ stattfindender Webentwicklung, die im Schatten einiger Leuchtturmprojekte wirklich stattfindet. Otto/Ottoline Normalwebentwickler*in kennt das: man steht staunend vor den fetten Vorträgen auf Konferenzen oder den Newslettern aus der Branche, in der Elite-Webentwickler*innen darüber schreiben, wie sie den letzten Webentwickler-Scheiß beruflich einsetzen, während unsereins sich immer noch mit IE11 und statischen Designvorlagen abplagen muss.

Perhaps the client-side framework developed by a multi-billion dollar company isn’t the one that you should be pushing into the browser of your local grocery website? Perhaps the buildchains that require ancient dark magick to invocate are not appropriate on a team that simply compiles some Sass to CSS?

Let’s appreciate what the 1% does. But let’s not allow the 1% to dominate the conversations and our collective headspace.

Things I watched.

Im Sport neben einem Grundrauschen an Fußball, der keine besondere Erinnerung hinterlassen hat, die letzten Spiele des Rugby-Pacific Nations Cup gesehen. Für die USA, Kanada, die kleinen Pazifik-Inseln und Japan war es der letzte WM-Test. Japan hat mich mit ihrem Rugby Sevens-artigen Spielstil umgehauen. Ich bin mir aber noch nicht sicher, ob die Defense auch dann so stehen kann, wenn die erfahrenen Nationen kommen, die ihre Physis mit Spielintelligenz verknüpfen können. Zumindest würde ich jetzt keine Wette mehr eingehen wollen, dass in Gruppe A wirklich Irland und Schottland als #1 und #2 durch kommen…

Die erste Staffel von „The Boys“ (Amazon Prime) heute zu Ende geguckt. Die Staffel ging mit einem interessanten Plot zu Ende, aber hinterließ trotzdem bei mir unbefriedigende Gefühle.

Die Serie hatte eine interessante Flugkurve, mit den Highlights in Ep05 und Ep06, als ich das Gefühl hatte, dass die Serie ihre Tonalität als moderne Interpretation von „The Watchmen“ gefunden hatte. Stattdessen schmiss man in den letzten beiden Folgen alle Ambitionen weg und packte etliches Füllmaterial rein. Das Tempo war merkwürdig. Die Postproduktion, die beide Folgen in einer sehr altbackenen Farbpalette tünchte, tat ihre Übriges, um die beiden letzten Episoden wie ein Fremdkörper wirken zu lassen.

Was bleibt, ist ein Plot, der, auf wikipedia-kompatible Länge heruntergebrochen, sich interessant liest. Aber angesichts des Castings und einiger Elemente aus Ep05 und Ep06, war in der Staffel mehr drin.

HidaMari Cooking: „No-Bake Peach Cheesecake“ – ein japanisches Video zum Backen einer Pfirsich-Cheesecake-Torte. Die Machart finde ich faszinierend. Es wird kein Wort gesprochen. Es gibt keine Musik. Es dominieren die Küchengeräusche: das Durchschneiden eines saftigen Pfirsichs, das Rauschen der Gasflamme. Visuell gibt es nur Großaufnahmen der Utensilien oder der Zutaten zu sehen. Das was zu sehen ist, ist perfekt: weiß, clean. Unaufgeregte Bewegungen. In seiner Reduktion, ist das Video sehr entspannend.

Things I listened to.

Unter der Woche aus dem Nichts heraus, eine Assoziation: „The Woodentops“, eine Band die ich Mitte der 80er Jahre gerne gehört habe und von der ich heute noch 2, 3 Platten besitze. Mein Highlight war die Liveplatte „Hypnobeat“ – ich sah sie auch einmal live in Hamburg. Ich hab Hypnobeat damals rauf und runter gehört und war jedesmal durchgeschwitzt. Die Woodentops spielten live einige bpm schneller als auf den Studioplatten – und nie schneller als bei „Love Train“ – und das ist fucking 32 Jahre her…

Was war. KW#31

Things I did.

Das aktuelle berufliche Projekt t5 war auch diese Woche frustrierend, da die Umsetzung des Headers & Navigation aufgrund des Designs und der spezifizierte Funktionalität eine sehr komplexe = zähe Angelegenheit ist. Ich komme nicht von der Frage los, wie Mediengestalter und Frontendentwickler näher zusammen kommen können.

In all den Jahren seit der Einführung des iPhones (a.k.a “responsives Webdesign”) ist der Schmerz geblieben, dass Gestaltung sich unverändert am Vokabular von Photoshop/Illustrator/Sketch (a.k.a. statischen Viewports) orientiert und sich zu wenig an den Vor- und Nachteilen von Browsern.

Immerhin diese Woche im Projekt t5 einen Prozess zur Erstellung eines Icon-Fonts und für das Reinkippen von frontendseitigen Javascript-Modulen etabliert.

Things I read.

„Lesen“ war in den letzten zwei Wochen ein Hinterherhecheln von Inbox Zero im Mail-Client und dem abendlichen Überfliegen der Financial Times.

Via Kottke von einem wunderschönen Buch Tokyo Storefronts erfahren: Aquarellzeichnungen von kleinen Geschäften in Tokyo von Mateusz Urbanowicz. Siehe den ersten Teil des Making Ofs von Urbanowicz auf einem eigenen YouTube-Kanal. Als Ex-Zeichner habe ich wieder diesen bösen Stich im Herz gespürt. Eine Mischung aus Neid über das Können von Urbanowicz und den Schmerz in den letzten 20 Jahren nahezu alles Zeichnen verlernt zu haben.

Bei Amazon Deutschland und Libri war das Buch nicht zu bekommen, aber ein japanischer Versender liefert via Amazon.com aus… In drei Wochen soll das Buch kommen.

Things I watched.

Spontan mit The Boys“/Amazon Prime angefangen. Quasi „The Watchmen“ (Comic), nur mit erheblich weniger Gravitas und Komplexität.

Irgendwann, irgendwo sind Superhelden normal geworden und werden von einem Konzern unter die Fittiche genommen, der sie vermarktet. Ein junger, schüchterner Haushaltsgeräte-Fachhändler verliert seine Freundin, als diese bei einem Unfall von einem der Superhelden zerfetzt wurde. Auf der Suche nach einer gerechten Strafe, landet er bei einer kleinen Untergrundgruppe, die gegen Superhelden und den Konzern angeht.

Die Basis ist ein mir nicht bekannter Comic von Garth Ennis und Darick Robertson. Viel kann man der Serie nicht vorwerfen. Sie ist gut gemacht und unterhält – aber bei dem Thema hat einfach Alan Moores „The Watchmen“ eine nicht zu erreichende Latte gelegt, der „The Boys“ nur gelegentlich neue Facetten hinzufügen kann (Vermarktung durch Konzern, Social Media, Doping), während andere Elemente (sexuelle Nötigung) halt zum Anti-Superhelden-Genre-Standard gehören.

Zwei neue Sport-TV-Abos gegönnt. Zum Start der „The Ashes“-Serie im Cricket ein Monatsabo (5,–/Monat) von Willow TV geholt – Test-Cricket ist fantastische Audio-Begleitung während eines langen Tages vor dem Rechner.

Außerdem hat mich Sportdigital von seinem Angebot überzeugt – zumal man anscheinend substantiell mehr Championship und Eredivisie zeigt, als DAZN. Bei einem Stream-Jahresabo von 50,– Euro pro Jahr, kann der Kassenpatient nicht meckern.

Things I listened to.

Am Montag lief in FM4s Homebase Parade als Rausschmeißer New Orders „Blue Monday“. Ich hatte plötzlich einen Yipper auf New Order bekommen und mir dann ein Best-Of gekauft. „Blue Monday“ ist immer noch fantastisch und für eine Phase bis Mitte der 90er Jahre und dann noch einmal zur Jahrtausenwende ist New Order mit einem unverkennbaren Sound gesegnet gewesen.

Ich musste an Alan Bangs denken, der Mitte der 80er Jahre, in meiner spätpubertären Phase, so unendlich viel für meine musikalische Sozialisierung getan hat. An dessen Lippen ich immer nachts im Bett hing, wenn er wöchentlich (IMHO i.d. Nacht Dienstag/Mittwoch) im ARD-Nachtrock und Samstags um 22 Uhr bei BFBS in Nightflight zu hören war.

Seufz, dieser Begleiter meiner Adoleszenz ist auch schon 68 Jahre alt.

“More than $30tn of global assets are held in investment funds that promise daily liquidity to investors despite investing in potentially illiquid underlying assets, such as [emerging market] debt,” Mr Carney said. “We have recently seen analogous situations in the UK.”

Bank of England-Governor Mark Carney über mögliche Auslöser der nächsten Finanzkrise „Why embattled UK stockpicker may be a canary in the coal mine“, Financial Times vom 10.6.2019

Buch „The Artificial Man and Other Stories“ von Clare Winger Harris

Buchcover „The Artificial Man and Other Stories“
Clare Winger Harris ist die erste weibliche US-SF-Autorin, die unter eigenen Namen veröffentlichte. Alle ihre Kurzgeschichten, zwischen 1926 und 1930 geschrieben, sind in diesem Buch versammelt.

85 Jahre später, wirkt es komisch, was alles als Fortschritt und Erfindungen für die kommenden Jahrhunderte beschrieben worden ist. Obwohl die weltweit erste TV-Station bereits 1928 on air ging, hat Winger Harris keine Ahnung von der schnellen Verbreitung dieses visuellen Massenmediums gehabt. Viele Kommunikationsgebahren in ihren Stories sind stattdessen deutlich vom Rundfunk geprägt. Während Weltraumfahrt bis zum Neptun kein Problem ist, werden Fernsehübertragungen erst im 24ten Jahrhundert erfunden.

Winger Harris scheint auch recht fest von Leben auf dem Mars und der Venus auszugehen – gleich Ausgangspunkt mehrerer Kurzgeschichten.

Der Schreibstil ist dem Zeitalter gemäß, altbacken und distanziert. Die Personen sind unnahbar und schablonenhafte Charaktere.

Die Geschichten haben im Zentrum meistens eine Idee oder ein Gedankenspiel, die mal mehr, mal weniger spannend ausgeführt werden. Es sind teilweise recht abstrakte (oder abstruse?) Ideen, wie die Veränderung des Aggregatzustand des Universums.

Wo es heute noch Berührungspunkte gibt, wird es schnell spannend. Zuvorderst „The Ape Cycle”, das auch als Inspiration für “Planet of the Apes” dienen könnte und genauso wie “Planet of the Apes” auch als Allegorie auf die vergangene Sklavenhaltung verstanden werden könnte – von Winger Harris aber so straight geschrieben, dass ich mir nicht sicher bin, ob ihr diese Doppeldeutigkeit auch bewusst war. “The Ape Cycle” verstärkte daher den Eindruck, dass man bei den Kurzstories gar nicht erst nach weiteren Deutungsebenen zu suchen braucht – es gibt schlichtweg keine.

In “The Miracle of the Lily” münden die Themen Ökologie und intensive Landwirtschaft für die Fleischproduktion in einen großen Krieg zwischen der Menschheit und den Insekten.

Doch selbst bei noch heute modernen Themen, wirkt die Ausführung der Stories 85 Jahre später, sehr altmodisch und überraschungsfrei. Was am Ende übrig bleibt, ist mit den Augen der Science-Fiction Ende der 20er Jahre auf die heutige Zeit zu schauen und zu merken wie weit wir gekommen – oder nicht gekommen sind.

Ich gehe erst einmal Wasserflaschen kaufen, um für den großen H2O-Diebstahls des ausgetrockneten Mars‘ gerüstet zu sein.

Zwei von fünf Sternen.

People who have learned to answer email on Sunday evenings also need to learn how to go to the movies on Monday afternoons.

Republic of Newsletters: Nothing Here

Ich bin seit Jahren Konsument von Newsletter – allerdings umfasst dieser Konsum erst seit 1–2 Jahren Newsletter außerhalb meiner Branche Webentwicklung. Newsletter aus dem Bereich Technik, Gesellschaft, Comics und Science Fiction bieten einen Ort der Inspiration, der früher durch Blogs und deren technischer Helfer, dem Feed-Reader, abgebildet wurde.


Nothing here – but this newsletter ist ein wöchentlicher Newsletter, der von vier bis fünf Menschen mit einem leichten australischen Einschlag produziert wird: dem Science Fiction-Autor Corey J. White, Marlee Jane Ward, Austin Armatys und m1k3y plus Special Guest.

Der Newsletter ist eine Mischung aus Links und Empfehlungen aus Technik, Wissenschaft, Gesellschaft und Science Fiction plus angeschlossener Popkultur. Jede Woche ist eine Überraschungstüte, in die man sich festlesen kann.

U.a. in der aktuellen Ausgabe:

Einer meiner inneren Dämönen mit denen ich seit 22 Jahre kämpfe, ist mein Abschied vom Zeichnen. Ich habe es einst studiert. Ich habe bei einem internationalen Wettbewerb einen zweiten Preis gemacht. Ich hatte zumindest den Zeh in der damals blühenden Hamburger Comic-Landschaft drin gehabt.

Aber es juckt mich immer mehr, wieder in das Zeichnen einzusteigen. Und dann sehe ich (per Link aus dem obigen Newsletter) jemand wie Hannah Blumenreich und ihre Spider Man-Panels. Ich bin hin- und hergerissen zwischen Ehrfurcht und „das will ich auch wieder machen“. Ein wunderschöner lockerer Strich, der aber so effizient ist, dass er alles notwendige beschreibt und dabei auch noch den Formen eine Dynamik und Individualität gibt. Kleine, unaufgeregte Alltagsgeschichten, die aber trotzdem „connecten“.

Von solchen Inspirationen zehre ich Tage lang und bin der Newsletter-Szene dankbar.

Buch „Resist: Tales from a Future Worth Fighting Against“

Science Fiction-Kurzgeschichtensammlung von Gary Whitta, Christie Yant und Hugh Howey.

Resist“ ist eine Sammlung von fast 30 Science Fiction-Kurzgeschichten von ebenso vielen Autoren mit dem Schwerpunkt dystopischer Zukunft. Die Einnahmen aus dem Verkauf gehen an einen gemeinnützigen, linksliberalen Verein in den USA, der ACLU.

Dystopische Zukunft“ ist das einzige, was diese Geschichten eint, die von völlig unterschiedlicher Qualität und „Schreibe“ sind. Es gibt im Gegensatz zu einer Kurzgeschichtensammlung eines einzigen Autors, keinen impliziten roten Faden, die eine zusätzliche Bedeutungsebene einzieht. Das Lesen durch so eine Sammlung gleicht dem Prinzip Fire and Forget. Auf einer Geschichte folgt die nächste, die mit der vorigen so ziemlich nichts zu tun hat – die Autoren/Autorinnen dieser Sammlung sind sehr heterogen zusammengestellt.

Es gibt Themenschwerpunkte, aber die Reihenfolge der Stories im Buch wirkt zufällig und streut Geschichten um Diktaturen, AI, Social Media/Social Networks, und Gender, wild durcheinander.

Nur oder immerhin knapp ein halbes Dutzend von Stories ist über die Halbwertszeit der 300 Seiten hinaus, haften geblieben. Zahlreiche Geschichten treten in die Kurzgeschichtenfalle: auf neun Seiten Exposition folgt eine Seite Schlusspointe.

Genau dies war das Problem mit dem ersten monotonen Drittel der Sammlung. Die festzementierten Erzählstrukturen wurden das erste Mal vom Comic-Szenaristen Kieron Gillen durchbrochen. In „The Arc Bends“ gibt es keine Schlusspointe, sondern eine Startpointe, mit der Gillen dann in irrwitziger Geschwindigkeit durch die Zeit rauscht.

Einige Geschichten ragen heraus, weil sie den Leser in einen Perspektivwechsel hinein bringen. Charlie Jane Anders schildert in „Horatius and Clodia“ den Versuch eine AI über Emotionen zu hacken – aus Perspektive der AI. „Catcall“ von Delilah S. Dawson lässt in der Ich-Perspektive eines aufwachsenden Mädchens den Alltags-Sexismus und die Veränderung der Person spüren.

Eine andere Form des Perspektivwechsels geschieht durch Sprache. Jason Arnopp in „The Nothing Men“ entwirft eine Zukunft die nur noch aus Social Media, Influencern, YouTubern und virtuellen Wellten besteht – aus der Perspektive eines aufstrebenden Influencers, in einer kalten, aggressive, menschenverachtenden Sprache, die aber aus der gleichen DNA besteht, die sich bereits heute in viel besuchten Foren und Kommentarsträngen auf YouTube oder Facebook lesen lässt.

Die gute, klassische Kurzgeschichte entwickelt in der Exposition ein Szenario, um dann elegant aus der Hintertür zu verschwinden und den Leser mit der impliziten Aufforderung des Weiterspinnens, alleine zu lassen – so wie der SF-Bestsellerautor John Scalzi in „The Tale of the Wicked“: kann AI eine Religion entwickeln? Wann wird das Streben nach gemeinsamen Zielen einer Gruppe, zur Religion? Zwei Geschichten später zeigt Laura Hudson in „The Well“ auf, wie Religion als Werkzeug für Diktaturen eingesetzt werden können – und Diktaturen auch als Werkzeug von Religion dienen können.

Wie man zu dieser Anthologie als Ganzes steht, ist eine Frage, inwieweit man willens ist, sich durch 27 Kurzgeschichten zu lesen, um eine Handvoll von Nuggets herauszufischen. Gerade in der Retrospektive, wenn die Erinnerungen an das harzige erste Buchdrittel verflogen ist, überwiegen die Gedanken an diese Nuggets. Aber das funktioniert auch nur mit Hilfe von Notizen und einem späteren Rückblick, um diese Nuggets herauszufischen.

Vier von fünf Sternen.

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