dogfood

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Was war. KW#43

Things I did.

Winterschutz für die Himbeeren

Kommende Woche hat sich Frost angekündigt. Ich habe das Wochenende noch mal für einen Schwung an Gartenarbeit genutzt: Blumenzwiebeln gepflanzt, zwei Quadratmeter Bambus weggehackt, Laub gesammelt und mit Karniggeldraht einen Winterschutz für die Himbeeren und Rosen gebastelt und mit Laub gefüllt.

Apfelkuchen

Am Sonntag habe ich das Apfelkuchen-Rezept von letzter Woche von letzter Woche, für 2 Kilo Zwetschgen verwendet – ich fürchte das war too much und der Teig wird zu matschig sein. Ich habe ihn noch nicht probiert.

Beim t5-Projekt wurden einige Komponenten und Bugfixes umpriorisiert. Um eine Komponente gab es lange Diskussionen. Es ist das alte Thema: nur wenn Design/UX explizit über unterschiedliche Anwendungsfälle und Zustände nachdenkt und sie in seinen statischen Designvorlagen berücksichtigt, überleben diese Designentwürfe auch den ersten Kontakt mit der reelen Browserwelt.

Eine erste Sollbruchstelle ist meistens schon die Denke, Viewports (Browserbreiten) mit Geräte-Eigenschaften gleich zu setzen: alles was unter 1024px ist, sind Touch Devices und alles dadrüber „Desktop“ mit Maus-Trackpad-Steuerung.

Na ja, die iPad Pros starten im Querformat ab 1194px und das neueste iPad Air hat quer 1112px. Auf „Desktop“-Seite verschwimmen bei den Microsoft Surface und Lenovo Yoga-Geräten die Grenzen zwischen Pointer- und Touch-Steuerung derart, dass es nicht mehr opportun ist, den Viewport über so etwas entscheiden zu lassen.

Wg. Urlaub meiner Kollegin, werde ich die kommenden Wochen wieder auf fünf Tage/Woche hoch gehen, damit im Projekt die Frontend-Taktzahl hoch gehalten wird.

Things I watched.

The Beautiful World of Jeffree Star
„The Beautiful World of Jeffree Star” mit Jeffree Star und Shane Dawson

Am Samstagabend war mir nach etwas anderem, nicht kopflastiges. Unter der Woche hatte jemand in seinem Newsletter sein guilty pleasure genannt: die YouTube-Serie „The Beautiful World of Jeffree Star”. Shane Dawson, 31 Jahre alt, einer der bekanntesten YouTuber in den USA, begleitet einen der bekanntesten Beauty-YouTuber Jeffree Star.

Star ist, laut Forbes, auf Platz #5 der YouTuber mit den höchsten Einnahmen (18 Mio US$ in 2018) und seine Firma „Jeffree Star Cosmetics“ soll geschätzt 100 Mio US$ Jahresumsatz haben (Qu: Wikipedia).

Die erste, knapp einstündige Folge, machte nicht viel mehr als Agendasetting. Man erfährt eigentlich mehr über Dawson als über Star. Das ganze ist mit nur einer Kamera, im professionellen MTV-Look geschnitten.

Dawson besitzt in Kalifornien eine Villa und mehrere Autos. Wenn er mit seinen Hunden spielt, dann setzt er sich in seinen Golfwagen und fährt im Hof im Kreis um Bälle zu werfen. Das Ambiente ist artifiziell und trotzdem kommt Dawson mit all seinen Macken authentisch rüber.

Star strahlt auch ohne Hollywood-Pathos, Glamour-Pathos aus. Mit Erfolg: bei einer Boutique-Eröffnung in Sacramento, rasten im Einkaufszentrum Hunderte, wenn nicht sogar Tausende von Teens und Tweens, völlig aus. Die Limousine muss von Bodyguards begleitet werden, damit sie zum Privatflieger zurückfahren kann.

Es ist ein veritabler „Culture Clash“, ein Einblick in eine Parallelwelt, die so gar nix mit meiner Welt zu tun hat. Es fällt mir schwer eine Haltung zu dieser Welt zu bekommen, die etliche Punkte auf einer Antipathie-Liste erfüllt. Aber weder Star noch Dawson kommen als Antipathen oder Vollidioten rüber.

Spannend finde ich die Frage nach der Substanz von Dawsons und Stars Tun unterm Gesichtspunkt der Arbeits- und Wirtschaftswelt. Der Output beider, ist nur begrenzt ein YouTube-Video. Stattdessen wird eine Marke, auch mit Hilfe anderer Medienkanal-Beiboote wie Instagram, aufgebaut. Ist das eine neue Wirtschaftswelt oder eine Blase, die platzt? Wie abhängig sind beide vom Monopolisten YouTube? Was würde Dawson antworten, wenn man ihn fragt: „Was kannst du? Worin bist du gut?


Am Sonntagvormittag schaute ich mir zwei Vorträge von der „Fronteers“-Konferenz 2019 an.

Jeremy Keith und Rémy Sharp How We Built the World Wide Web in Five Days mit einem charmanten Vortrag, wie sie anläßlich des 30ten Geburtstags des World Wide Web im CERN anhand des Originalrechners und Originalcodes, in Javascript den ersten Web-Browser WorldWideWeb nachbauten.


Alex Russell The Mobile Web: MIA. Russell ist einer der Verantwortlicher beim Google Chrome-Projekt „Project Fugu“, das mit neuen Schnittstellen, Browser näher an nativen Apps bringen will.

Der Vortrag versammelt unter dem Dach „Responsive Web ist tot“ einige Ansätze, die ich aber nicht zu einem geschlossenen Weltbild zusammen bekomme. Ich habe das Gefühl, dass mir da mehr Wissen über die Person von Alex Russell fehlt.

Die Zustandsbeschreibung von Russell ist düster. Die Computer-Hardware (Desktop und Mobile) wird immer mächtiger. Aber die Entwicklung hat sich von der reinen Geschwindigkeitserhöhung, hin zu der Erhöhung der Zahl der Prozesskerne verlagert. Im Web-Bereich bringt aber Multi-Core wenig.

Zusätzlich wird die Spanne der Mobile Devices immer größer. Während Top-Geräte von Apple mit immer mehr Kernen und Cache-Speicher arbeiten, schlägt sich technischer Fortschritt am unteren Ende nicht in „mehr Leistung“, sondern günstigeren Preisen nieder. Die Leistung des unteren Preissegmentes stagniert – es ist der der Preis selber, der runterrutscht und damit für eine immer weitere Verbreitung von Mobile Devices sorgt. Web-Technologien bekommen aber immer schlechter diese Bandbreite an unterschiedlichen Devices unter einem Hut gebracht.

Kein Wunder, dass die Nutzungszahlen für Webbrowser stagnieren bzw sinken: im Mobile-Bereich nutzen laut Russel nur noch 13% der User den Browser. Im Desktop-Bereich wären es sogar nur 7%. Russell weist in diesem Kontext darauf hin, dass Unternehmen in Technologien mit einer Verbreitung von unter 10% eigentlich nicht mehr investieren.

Russell nennt den Webentwicklern zwei Hebel, um diese Entwicklung zu stoppen. Der erste Hebel hat mit dem Project Fugu zu tun: der Browser muss mächtigere Schnittstellen bekommen, zB. Gesichtserkennung zur Authentifizierung, Mobile Payment etc… dabei sieht er aber das größte Problem in Apple: Apple investiert nicht ausreichend in Webkit/Safari. Apple ist aber, u.a. durch die Monopolstellung des Browsers unter iOS/iPadOS, der einflußreichste Player. Russell konstatiert: solange das Web von Apple abhängt, kann es nicht gewinnen.

Russells zweiter Hebel ist hingegen problematisch. Nicht weil die Benennung der Ursache, zu fetter Javascript-Code (im Schnitt 400 KB JS/GZIP) verlangsamt Websites bis zur Unbrauchbarkeit, falsch wäre (eine ähnliche Stossrichtung, umfassender formuliert, hat Russel im Sommer 2018 in einem Blogeintrag aufgeschrieben). Sondern weil sie zu kurz greift. Weil es preaching to the choir ist.

Russells Stossrichtung suggeriert, der Frontend-Entwickler wäre in Projekten die entscheidende Instanz, mit Richtlinienkompetenz in der Umsetzung. Vor allem in Projekten mit hausinternen Teams, glaube ich das gerne. Aber zumindest meine berufliche Realität sieht i.d.R. anders aus: wenn ich rein komme, ist das Konzept fertig und mindestens erste Entwürfe des Designs schon abgestimmt.

Großprojekte sind häufig ein Konkurrenzkampf von verschiedenen Abteilungen um den Platz auf den Screen. Jeder will „above the fold“ sein. Und wenn er nicht mit einem Teaser im oberen Seitenbereich ist, dann will er wenigstens über eine ein-/ausklappbare Javascript-Lasche am rechten Rand präsent sein. Ein Javascript-Slider auf der Startseite, erhöht die Chance, mit einem Teaser in den oberen Bereich reinzukommen, etc… Bis sowas dann auf die Ebene des Frontend-Entwicklers ankommt, sind die Entscheidungen längst gefällt.

Things I read.

Ein weiteres semi-berufliches Thema, an das ich zu kauen habe, ist der Abschied von einfachen UX-Schemen. Anstatt UX weiterhin „entdeckbar“ und „erkennbar“ zu halten, wird immer mehr auf eigene UX-Schemen gesetzt oder das Wissen um UX-Schemen vorausgesetzt und auf „Entdeckbarkeit“ und „Erkennbarkeit“ verzichtet, weil sie aus gestalterischer Sicht ein häßliches und „überflüssiges“ Artefakt darstellen. (Alleine was für Abartigkeiten Zeitungswebsites sich inzwischen für das Eingabefeld der Suche einfallen lassen…)

In the early era of GUI design, we celebrated affordances. Any view that was scrollable was very clearly scrollable. We, as an industry, got away from that as the basic concepts of using a GUI became part of daily life for everyone. In the post-iOS 7 era, though, Apple seems outright opposed to affordances. Hall’s wife’s assumption that she was looking at the entire share sheet — that it ended with the “Copy” button at the bottom, was perfectly reasonable. Just by looking at it, there’s no reason to think there’s more. But “just by looking at it” is the way user interfaces should be designed.


Jacob Lund Fisker gilt als Auslöser der ERE- („Early Retirement Extreme“) bzw FIRE- („Financial Independence, Retire Early“)Bewegung. Lebe frugal, lege 25–50% deines Einkommen als Spargroschen beiseite und dann kannst du mit 40 aufhören zu Arbeiten.

Fisk beendete sogar schon mit 33 Jahren seine Astrophysiker-Karriere und lebt seitdem mit seiner Frau vor sich hin. Beide haben jeweils 7.000 US$ Ausgaben pro Jahr.

Fisk hat nun in einem Gast-Blogeintrag eine Bilanz seiner ersten zehn Jahre Ruhestand geschrieben: Early Retirement Extreme: The ten-year update


Auch gelesen: „My Heroes have always been Junkies“, Crime Noir-Comic von Ed Brubaker und Sean Phillips. Zur Rezension im Blog hier entlang.

Things I listened to.

Ich bin weiter auf dem Chilly Gonzales-Trip. Hier ein knapp einstündiges Konzert in einer kleinen Butze auf dem Jazz Festival in Montreux von 2017 – als Zugabe mit einer wunderbaren Version von Soundgardens „Black Hole Sun

Comic: „My Heroes have always been Junkies“

Cover „My Heroes have always been Junkies“

Ed Brubaker schreibt seit den 90er Jahren Comics. Nach dem er sich lange Jahre an Superhelden abarbeitete (u.a. bei Marvel für den grandiosen „Winter Soldier“-Zyklus bei Captain America und einem nicht minder grandiosen Daredevil-Zyklus verantwortlich), ist Brubaker seit drei Jahren in einer Position, in der sich auf sein Lieblingsgenre konzentrieren kann: Crime Comics – mehr die Noir-Richtung als „der Plot nimmt eine überraschende Wendung für eine Schlusspointe“.

Die Ich-Erzählerin der Story ist Ellie, roundabout 20 Jahre alt. In der Eingangsszene steht sie am Strand und blickt ins Meer. Auf der letzten Seite werden wir sie wieder gen Meer blickend, sehen. Dazwischen liegt der Plot, erzählt in Rückblenden.

Ellie ist in einer teuren privaten Entziehungsklinik, wo sie im Gesprächskreis einen gleichaltrigen jungen Typen, Skip kennen lernt. Er flirtet, sie flirtet. Nach Einbruch der Dunkelheit klopft Ellie ans Fenster von Skips Klinikzimmer und bietet Menthol-Zigaretten an, geklaut aus dem Zimmer der Anstaltsdirektorin.

Ellies Story wird von weiteren Rückblenden durchbrochen, in der Episoden aus ihrer Kindheit auftauchen. Ellie hat eine brutale Kindheit gehabt: Vater im Gefängnis, Mutter Diebin und drogenabhängig. Mutter stirbt früh und sie wächst bei einem anderen Mann auf.

Drogen sind der rote Faden in Ellies Leben. Es ist nicht so sehr der eigene Drogenkonsum, über den wir nicht viel erfahren, sondern die Prägung durch die Mutter. Die Mutter stirbt zwar früh, aber die Musik ist aus der Zeit übrig geblieben. Für Ellie werden Musik und Drogen eins. Billie Holidays „Carnegie Hall“-Album wecken bei ihr Erinnerungen, wie ihre Mutter dieses Album hört und dabei traurig aus dem Fenster blickt. Holiday, von ihren Dämonen gejagt und an Drogen verreckt – wie ihre Mutter. Als Kind liest sie sich in etliche Drogen-Storys von Musikern ein, will im Joshua Tree Inn mit ihrem Stiefvater in Zimmer #8 schlafen, weil dort Gram Parsons starb.

Die neckische Story zwischen Ellie und Skip besitzt eine unschuldige Leichtigkeit. Doch die Rückblenden aus ihrer Kindheit hängen wie ein schwerer Schatten über Ellie.

Der weitere Plot ist banal. Die Zeichen sind früh zu deuten. Doch die Story des Buchs ist nicht der Plot – sondern Ellie. Es kommt, wie es kommen muss. Doch trotz der Vorhersehbarkeit und der Kürze des Buches (72 Seiten) nimmt einem das Schicksal von Ellie mit. Eigentlich möchte man weiter bei Ellie bleiben.

Der Comic steht auf zwei kraftvollen Säule: die bedrückenden Fetzen aus Ellies Kindheit und die Zeichnungen von Sean Phillips. Sean Phillips zeichnet sehr statisch. Jedes Bild wirkt wie ein Photo. Die Bilder leben durch Komposition – und die Gesichter. Das Mienenspiel überstrahlt alles, inklusive kleinere Unsicherheiten in Gesten und Körperproportionen. Der komplette Comic lässt sich auch ausschließlich anhand der Gesichter erleben – was für eine emotional derart schwere Story eine Kunst ist.

Es muss auch das Coloring von Seans Bruder Jacob erwähnt werden, dass sehr frei neben dem Inking von Sean co-existiert und den Zeichnungen eine weitere Ebene gibt. Mehr über das Coloring von Sean Phillips‘ Zeichnungen gibt es in einem achtminütigen YouTube-Video von „Strip Panel Naked“.

Der Plot wird von Ellies Lebensgeschichte in den Hintergrund gerückt. Wenn man sich darauf einlässt, lässt einem Ellie nicht mehr los. Das dies auf nur 72 Seiten passiert, ist Brubaker und Phillips hoch anzurechnen.

5 von 5 Sternen.

Was war. KW#42

Things I did.

Das Projekt t5 ging letzte Woche nach zwei Wochen Quasi-Pause dann auch für mich wieder weiter. Nach dem Livegang in der vorletzte Woche und dem Aufschalten eines ersten Zusatzpaketes in der letzten Woche, gab es den ersten Teil einer Retro und als Startschuss für den zweiten Abschnitt des Projektes ein kleineres, frontendlastiges Briefing.

Die ersten Stunden am Ticket verbrachte ich mit dem Abgleich der Spezifikationen, der Ticket-Beschreibung und den impliziten Anforderungen, die durch die Integration eines bereits umgesetzten Features entstehen. Daraus ergaben sich ein Dutzend offene Fragen.

In der Umsetzung der Komponente, bin ich jetzt irgendwo bei 80%, aber die restlichen 20% werden noch ein ziemlichen Brocken darstellen. Ich musste erst einmal auf einem Stück Papier alle potentiellen Zustände dieser Komponente aufschreiben, um den Überblick zu behalten. Und diese muss ich alle noch verbauen…

In der vergangenen Woche wurde auch die weitere Beauftragung geklärt: bis Jahresende voraussichtlich zwei Tage die Woche. Es wird auch 2020 eine Beauftragung für das Projekt geben, deren Umfang und Timing allerdings noch fluide sind.

Dass dadurch entstehende Zeitreservoir will ich für eigene Projekte nutzen. Es gibt eine Menge von Sachen, die ich tun will. Ich muss aufpassen, meine Interesse nicht per Schrotflinte auf zu viele Dinge zu verballern und nirgends richtig voranzukommen.

In Sachen Code habe ich bereits vor zwei Wochen das Projekt „Neon“ gestartet, das auf der Basis von altem Code für allesaussersport aufsetzen wird und dessen Endziel eine React-Applikation werden wird – um diese gähnende Lücke in meinem Know-How-Portfolio geschlossen zu bekommen.

Das Wochenende blieb komplett Code-frei. Am Samstag bin ich stattdessen dreimal Einkaufen gefahren – meine Morgenrunde um sieben Uhr die Tarpenbek hoch, zum Edeka in Norderstedt. Um acht Uhr die Runde zum Bäcker auf dem Wochenmarkt in Langenhorn. Und irgendwann am späten Nachmittag, vor dem BBL-Spiel der Towers, nochmal Einkaufen beim REWE am Ochsenzoll. Das erste Produkt dieser Einkaufsrunde war am Sonntag eine Linsensuppe von Nigel Slater – auch um den Mangold aus dem Garten, zu verarbeiten.

Linsensuppe von Nigel Slater

Heute wird vermutlich ein Apfelkuchen folgen.

Things I watched.

Unter der Woche habe ich nix gezielt angeguckt, sondern nur maximal als Grundrauschen laufen lassen. Das Wochenende war überwiegend durch Sport (Rugby, Basketball, Football, Eishockey) und Brexit geprägt.

Things I read.

Umso mehr habe ich gelesen. Nachklapp vom TV, Teil 1: ich habe den ersten Omnibus der Grant Morrison-Ära von Doom Patrol gelesen… Das ist so gar nicht mein Ding. Der Comic noch weniger als die TV-Serie, die wenigstens quer durch die Episoden und Staffel versucht, eine Struktur aufzubauen. The Brotherhood of Dada als einer der Endgegner, trifft es schon ganz gut.

Gestern Abend habe ich mich durch das erste Tradepaperback von „The Boys“ gelesen. Auch dies eine Serie, die ich zuerst als TV-Serie kennen lernte. Auch hier konstatiere ich: die TV-Umsetzung ist besser als der Comic. Die erste Staffel ist inhaltlich kohärenter als das Comic-Pendant. Die Protagonisten sind in der TV-Serie differenzierter und selbst die Optik ist im TV ausgefeilter, als die teilweise unglückliche Panelaufteilung im Comic.

Passend zu „The Boys“ und Optik: The Boys in the boardroom ist ein Artikel von Matt Cole, der sich mit dem Set-Design des Tagungssaals der „Vought Seven“ beschäftigt:

Dave Blass told me that building a real world for corporate Superheroes begins with the humble boardroom chair: “How do you sit down when you have a cape? It seems a simple thing. Sitting, but when you have a long flowing cape, it becomes so much more challenging, and it also becomes a treasure hunt through cinema to see how other designers and actors dealt with the problem. Did you ever see Batman, Superman, or Darth Vader for that matter sit, or were they always standing or sitting? This cape issue partly explains the most recent Batmobiles all have Batman entering from the top.”


Ich weiß nicht mehr die Quelle, aber am Freitag kam ein Link auf eine Guardian-Fotogalerie zu einer Ausstellung von Brassaï rein: The City of Light and its shadows: Brassaï’s Paris – in pictures.

Ich bin derzeit sehr leicht zu triggern. Mir juckt es dann in den Fingern, zum Zeichenstift zu greifen (nur um schnell genug zu realisieren, wieviel ich inzwischen verlernt habe). Brassaï fotografierte das Nachtleben Paris‘ in den 20er und 30er Jahren. Den Glamour ebenso wie die Puffs, Transvestiten-Tanzsäle und Arbeiter der Markthalle.

Dabei sind Portraits entstanden, deren Gesichter, Bekleidung und Setting von alleine Geschichten zu schreiben scheinen. Die Portraits dieser Zeit machen auch deutlich, dass das „Gender“-Thema keine Erfindung des 21ten Jahrhunderts ist und schon in den „Roaring Twenties“ das Geschlecht kein binärer Zustand war.

Die Bilder in der Foto-Galerie veranlassten mich, gleich einen Fotoband von Brassaï zu kaufen.


Etwas, was mich visuell schon seit einigen Monaten beschäftigt, sind die Proteste in Hongkong (Beispiel: CNN-Bildergalerie).

Die in Hongkong entstehenden Bilder, die Neonfarben der Stadt, die Jugendkultur, die agile Protestbewegung und die chinesischen Schriftzeichen, schaffen eine abstrakte Bildsprache, die aus einem dystopischen Science-Fiction-Roman zu stammen scheinen. Es wirkt, als ob man in die eigene Zukunft sehen würde.

Hinter den faszinierenden Bildern steckt eine Generation, die um ihre Zukunft, um ihren verfassungsrechtlichen Spielraum kämpft, den China bei der Übernahme von Hongkong zugestanden hat, aber nun nach und nach zu reduzieren scheint. Es ist eine Generation, die darum kämpft, dass auch nach Auslaufen der Autonomie 2047, das Prinzip „ein Land, zwei Systeme“ erhalten bleibt. Die Financial Times hat hinter der Paywall Portraits einiger Protestler geschrieben, die seit Monaten bis zum Rande der Erschöpfung versuchen, die Proteste am Leben zu erhalten: Inside the battle for Hong Kong ($).

Things I listened to.

Die YouTube-Musikkanäle von „Chilled Cow, die sich wunderbar als Hintergrundmusik zum Lesen eignen.

Was war. KW#41

Things I did.

Die Planungen der Woche mussten umgeschmissen werden, nachdem ein für Mittwoch geplantes Briefing von Kundenseite aus, um eine Woche verschoben werden musste und ich damit kurzfristig 2–3 Tage zur fast freien Verfügung hatte.

Einen Tag schmiss ich gepflegt weg, als ich mich um fehlenden Festplatten-Platz meines Desktop-Macs kümmerte (nur noch 18GB frei), um das XCode-Update (7GB) zu installieren.

Das Problem ist das völlig verkorkste Festplatten-Management unter OS X:

  • Der Finder zeigt unter „xxx GB verfügbar“ irrerweise nicht den tatsächlich verfügbaren Festplattenplatz an, sondern eine Zahl, die belegten, aber „löschbaren“ Festplattenplatz dazu addiert. Bei diesem “löschbaren” („cancellable“) Platz scheint sich um Backups, Caches und iCloud-Dateien zu handeln. Einen „Knopf“ zum Löschen gibt es nicht. Angeblich soll sich das System selber darum kümmern.

    Die tatsächliche Größe des freien Festplattenplatz erfährt man nur durch andere Tools oder per Kopfrechnen bei den Festplatteninfos: Festplattenkapazität minus Benutzter Platz.

  • Selbst nach „harten“ Löschen (am Papierkorb vorbei) zB. der 60GB Musik, wurde der unbelegte Festplattenplatz nicht größer. Nach einem Neustart schrumpfte der freie Festplattenplatz gar auf 7GB, ehe er im Laufe von 5 Minuten wieder auf 18 GB anwuchs – bar jeder Logik.

  • Der eigentliche Übeltäter ist die Time Machine, Apples Backup-System. Auch wenn er angeblich nur 7GB „backupen“ wollte – einige Minuten nach Ende des Backups waren dann plötzlich 150GB Festplatte frei.


Donnerstag, Freitag, Samstag habe ich mit Lesen von „Fachartikeln“ verbracht. Siehe unten.

Am Freitag habe ich für ein privates Projekt mit dem Endziel „React“ mal in die Themen MariaDB, ORM und Node.js reingeschnuppert und einen ersten Durchstich gemacht. Beim Evaluierung des Node.js-ORMs „Sequelize“ tauchte „LoopBack“ auf dem Radar auf und lockte mit großer Mächtigkeit und den magischen Worten „API-Endpoints“ auf – eine Evaluierung am Montag zeigte aber die Unbrauchbarkeit. LoopBack 4 sollte realistischerweiser nur mit TypeScript verwendet werden, und das ist mir im Kontext meines Endziels, zu weit aus dem Fokus raus.

Things I read.

Bereits am Donnerstag verbloggt, aber es treibt mich immer noch herum: Programming as Theory Building, ein Papier von Peter Naur von 1985. Demnach ist Code von Software nur ein „Artefakt“ der eigentlichen Arbeit eines Programmierers: dem Aufbau eines Verständnisses für die zu bewältigenden Problemen, den Anforderungen, den erforderlichen Funktionen und den Weg, den man beschreitet, kurz: dem Aufbau eines theoretischen Verständnisses der zu bauenden Software.

Dieser Blickwinkel hat Konsequenzen wie man mit Teammitgliedern/Kunden über das Software-Produkt spricht und wie man es dokumentiert. Anstatt sich in der Kleinteiligkeit von Code-Zeilen zu verlieren, gilt es Ideen, Ansätze und Motivation zu beschreiben.

1985 geschrieben, trifft er aber genau einer der Schmerzpunkte die ich als Frontendler mit der Zusammenarbeit von Designern habe, die auch 2019, kein „Theory Building“ entwickeln, sondern Photoshop- oder Sketch-Dateien liefern. Ich darf dann raten, ob die 512px breite Spalte fix 512px oder 50% der Viewportbreite eines Tablets breit sein soll – weil des Designers Liefergegenstand nur eine Zustandsbeschreibung eines Viewports liefert, aber nicht die übergeordnete Idee des Designers vermittelt, was er sich dabei gedacht hat.


Zu meiner Überraschung schneite in meiner Twitter-Timeline der Hinweis rein, dass Sass, der CSS-Transpilator, in der ersten Oktober-Woche das einschneidendste Update der letzten fünf Jahre erfuhr – und keiner meiner abonnierten Frontend-Mailinglisten hielt es bis heute für nötig darauf hinzuweisen.

Sass hat sich in seiner neuesten Version ein Modul-System angelacht – vorerst nur auf der „führenden“ Sass-Implementierung Dart-Sass (Libsass und damit Node-Sass hinken hinterher).

Dies wird IMHO das Arbeiten mit Sass auf komplett neue Beine stellen – aber zu meiner Überraschung herrscht in der Frontend-Szene Schweigen im Walde. Ein Artikel bei css-tricks.com mit schlappen 5 Kommentaren. Totentanz dagegen bei Reddit und Stackoverflow.

Mit dem neuen Modul-System über den Befehl @use will Sass Partials bzw Module so kapseln, wie man es von JS-Modulen gewohnt ist – also kein globaler Zugriff auf Dinge die in den Partials stattfinden, sondern nur explizit deklarierter Zugriff.

Per Bauchgefühl bin ich recht begeistert, denn mein Gros an Bezahlarbeit findet in sehr großen Projekten statt und der Einzug eines Scopes für Sass, hört sich auf dem Papier gut an. Aber nach Lesen der Dokumentation habe ich exakt null Gefühl für die tatsächliche Implementierung (wie verändern sich Projektstrukturen?) und den tatsächlich relevanten Vorteilen.

Macht JS-artiges Scoping Sinn für CSS und dem „scope-losen“ HTML-Markup? Was macht SCSS-Scoping mit custom properties oder Scopes wie Shadow DOM und <style scoped>? Da hätte ich mir vom Sass-Team etwas mehr Hinweise auf sinnvolle Anwendungen in der freien Wildbahn gewünscht – man komme mir bitte nicht mit „Theming“.

Things I watched.

Am Samstag lief den ganzen Tag der Stream des japanischen Auslandssender „NHK World“, die die Taifun Hagibis-Sondersendungen aus dem Inlandsfernsehen übernahmen und auf englisch simultan übersetzten.

Ich habe mir On-Air-Designs angesehen und einige Übersetzungs-App angesehen, die über die Handy-Kamera eingeblendete japanische Schriftzeichen „live“ ins Deutsche übersetzten.

  • In Japan ist der Farbcode für höchste Gefahrenstufe nicht Rot, sondern Violett und dann Schwarz.
  • Japanische Moderatoren tragen fast ausnahmslos Nadelstreifenanzüge.
  • Wenn ein*e Moderator*in auf etwas an einer Videowall zeigen will, dann wird nicht ein normaler Zeigestab genommen, sondern ein Stab mit einem dicken Bommel am Ende.
  • Das japanische Schriftsystem wird problemlos sowohl horizontal als auch vertikal eingesetzt – ein Traum für das Screendesign.

Am Sonntag habe ich die erste Folge von „Doom Patrol“ auf Amazon gesehen – nach der gleichnamigen Comic-Serie von DC. Heute habe ich die Folgen 2+3 gesehen. Ich denke, man tut gut daran, die ersten drei Folgen am Stück zu sehen, da erst die dritte Folge den vorherigen Folgen einen Zusammenhalt gibt. Auf der anderen Seite ist es eine Form der Vergeudung (oder Minutenschinderei) für jenen Zusammenhalt fucking drei Stunden zu brauchen.

Abschließendes Urteil steht noch aus – ich habe parallel mir das erste Trade-Paperback der Serie aus der Grant Morrison-Ära geholt, auf die sich auch die TV-Serie beziehen soll. Inhaltlich fängt es noch wüster an und zeichnerisch ist das dunkelstes US-Comic-Mittelalter.

Things I listened to.

Hinter der Paywall, hat die „Financial Times“ eine schöne Serie: „Life of a Song“, in der die FT auf die Geschichte eines Lieds und seiner Cover-Versionen eingehen. Diesmal ist es Sittin’ On The Dock of the Bay“ von Otis Redding.

Der Artikel hat mir noch stärker die Größe dieses Titels offenbart. Otis Redding verstarb bei einem Flugzeugunglück kurz bevor er die Produktion von „The Dock of the Bay“ abschließen konnte. Es war Steve Cropper, der aus den einzelnen Aufnahmen, den Song zusammen bastelte. Das ikonische Pfeifen am Ende war nur ein Improvisorium von Redding, der für diese Stelle später noch einen Text schreiben wollte.

Wie perfekt das Original, mit seinem depressiven Text ist, erkennt man an den zahlreichen zerschellten Cover-Versionen. Die blutleere Version von Willie Nelson und Waylong Jennings, die Kasperle-Version von T-Rex und Gloria Jones, die mit Rod-Stewart-Mayonaise zugekleisterte Variante oder die Vergewaltigung durch das Tom Jones-Vibrato (Props für die Einbindung von Steve Cropper) oder das testosteron-getriebene, bemühte „Method Acting“-Cover von Justin Timberlake (auch hier Props für die Einbindung von Steve Cropper).


Zur Entgiftung von den ganzen katastrophalen Cover-Versionen, hier eines der besten Cover der Musikgeschichte überhaupt: Tom Petty und Freunde mit „While My Guitar Gently Weeps“ bei der posthumen Aufnahme von George Harrison in die Rock & Roll Hall of Fame. Der schüchterne Junge an der Gitarre neben Tom Petty ist Dhani Harrison, der Sohn von George. Im hinteren Teil des Covers rückt dann Prince in den Vordergrund, der eines meiner Lieblings-Gitarren-Solos derart abfackelt, dass dem Harrison-Sohn die Freunde nur so aus den Augen sprüht. (Und Tom Petty ist sowieso die Idealbesetzung für den Gesang)

Watching: “A Branch in Time – a story about revision histories”

Gesehen: der Vortrag von der RubyConf.au „A Branch in Time – a story about revision histories“ von Tekon Süleyman.

Auf der Basis einer fiktiven Geschichte einer Entwicklerin, verdeutlicht Süleyman, welche zentrale Rolle Git in Projekten einnimmt – nicht nur als bloßes Source-Verwaltungs-Werkzeug, sondern idealerweise als Dokumentation, warum bestimmte Dinge im Code so umgesetzt worden sind, wie sie umgesetzt wurden. Das ist eine weitaus weniger banale Frage, als es sich für Außenstehende anhört.

Süleyman dockt seine Geschichte und Vorschläge an ein Thesenpapier von Peter Naur an: „Programming as Theory Building“ (PDF).

Programmieren ist demnach nicht die Produktion von Code, sondern der Aufbau einer Theorie oder eines Gedankenmodells, wie die Software zu arbeiten hat. Code ist demnach nur ein Artefakt/Ausdruck dieser Denkprozesse.

Software-Projekte werden fast nur noch iterativ (in kleinen Schritten) entwickelt. Schritt für Schritt wird innerhalb des Teams das oder die Gedanken-Modelle entwickelt. Aber es gibt keine Prozesse und kein Format, um die entwickelten Modelle expressis verbis niederzuschreiben und dann weiter zu entwickeln. Stattdessen handelt es sich um „institutional knowledge“, also eine Art kollektives Wissen, dass sich entwickelt.

An dieser Stelle ist Code der Ausdruck für eine konkrete Umsetzung: “was ist wie umgesetzt worden”. Git kann und sollte an dieser Stelle die Rolle spielen, die Motivation und Abwägungen, also das „warum ist es so umgesetzt worden“, zu dokumentieren. Für Git Commits gilt daher der Leitsatz: „Capture the why, not the what“.

Naur geht in seinem Papier so weit, und spricht von einem Sterben der Software, wenn das Entwicklungsteam aufgelöst wird. Mit dem Verschwinden des kollektiven Wissens, schwindet auch die Wartbarkeit der Software.


IMHO setzt der Zerfall von Software schon sehr viel früher ein: wenn unter Zeitdruck und/oder Komfort Abkürzungen genommen werden. Das Wissen wird statt eines „nachschlagbaren“ (dokumentierten) Kollektiv-Wissens, zu einem individuellen Wissen, zu einem Herrschafts-Wissen.

Es fängt mit Petitessen an. Aber wenn der Damm löchrig ist, ist der Dammbruch nicht weit.

Code-Reviews können nicht mehr sauber geführt werden, weil der zu prüfende „Soll-Zustand“ für den Reviewer nicht mehr nachzuvollziehen ist. Die Code-Review verkommt zu einem menschlichen Linting-Prozess.

Es schleichen sich immer stärkere Inkonsistenzen ins Projekt rein, weil es keine eindeutige Referenz mehr gibt, sondern mehrere entstanden sind. Es gibt mangels eindeutiger Referenz keinen Konsens mehr, was richtig oder falsch ist, sondern nur noch mehr oder weniger kompetente Interpretationen.

Das Entwicklungstempo wird abnehmen. Entwickler, die einen anderen Teilausschnitt des „kollektiven Wissens“ haben, werden den Code falsch interpretieren oder andere Rahmenbedingungen bzw. Maßstäbe anlegen und Probleme mit dem Bestandscode bekommen.

Ich weiß nicht, wie dieser Kreislauf rückgängig zu machen ist.

Was war. KW#40

Sechs Wochen Pause im Blog, weil…

Things I did.

… es in der abgelaufenen Woche den Launch der Website t5 gab. Es wurde eng. Der Launch wurde kurzfristig dann noch um einen Tag, auf Dienstag, geschoben. Mein Werk war bereits aber am Montag getan. Die restliche Zeit verbrachte ich mit auf „Stand-By“-Stehen, falls Bugs auftauchen sollten, respektive Überstunden-Abbau.

Der Dauerregen ließ bis Donnerstag nicht all zu viele Alternativen zur Stubenhockerei zu. Also nutzte ich die Zeit um meine Mailbox wieder gen Null gehen zu lassen und meine Leseliste abzubauen.

Ab Donnerstag war das Wetter dann auch kompatibel mit Outdoor-Aktivitäten. Das Fahrrad wurde geputzt und geölt. Ich habe den Rasen ausgebessert und Rotklee als Gründüngung ausgesät. Heute kam meine neue Kreuzhacke zu ihrem Debüteinsatz im Krieg gegen den amokgelaufenen Bambus meines Vorgängers.

Gestern mit @nedfuller den Abend im Tati verbracht, mit normannischen Cidre („Cidre d’Anneville“) und bretonischen Galettes (herzhafte Buchweizen-Crepes).

Außerdem habe ich nach zirka anderthalb Jahren einige Dichtungen an meiner Pavoni ausgetauscht. An zwei Dichtungen bin ich aber nicht rangekommen. Hier braucht es zum einen einen Torx-Schraubendreher mit Mittelloch und zum anderen einen Dorn zum Rausschlagen eines Sicherungssplint. Also morgen zum Baumarkt.

Things I read.

Alles ist liegen geblieben. Bis auf tagesaktuelles in der FT und immer mehr werdenden Newslettern und meine Bookmark-Liste, nichts gelesen.

Aus meiner Reading-List:

  • Im Tech-Sektor platzen gerade einige Blasen. Nicht alle mit so einem lauten Knall wie „WeWork“ – einige glauben, dass „WeWork“ keine zwölf Monate mehr überleben wird – aber auch viele Sektoren, bei denen es sich zeigt, dass die Euphorie größer, als der reele heutige Nutzen war.

    Airware, the highest-funded startup to go under, initially developed cloud-based software and autopilot systems for drones. One early proposal was to fly over farmland collecting data on the status of crops, from moisture levels in fields to how much crops were being affected by pests and chemicals used to control them.

    But most farmers aren’t yet equipped to make use of that kind of information, said Wackwitz. That early interest in precision agriculture dimmed, forcing Airware to pivot to other applications, like consulting companies on drone use, before shutting down in September.

    Klammheimlich hat „Autonomes Fahren“ seinen Zeithorizont für Level-5-Fahrzeuge um 10–20 Jahre nach hinten geschoben.

    Etliches erinnert an die Tech-Blase zur Jahrtausendwende – aber auch das ist eine Erkenntnis aus der Zeit: das Platzen der Blase bedeutet nicht zwingend, dass die Dinge falsch waren. Häufig bedeutet es nur, dass die Zeit noch nicht reif war und sich diese Themen erst Jahre später, mit einer zweiten Welle durchsetzen.

    Erinnert sei z.B. an „NC“ (Network Computer) Ende der 90er Jahre, ein Computer mit einem Minimum an Hardware und Betriebssystem, der stattdessen seine Inhalte und Software aus dem Internet lädt – zwanzig Jahre später sind die Cloud und Thin Clients wie Chromebooks allgegenwärtig.

Things I watched.

Maschek“ ist seit geraumer Zeit aus der Sommerpause zurück und die Episode nach der Nationalratswahl ist wieder vom obersten Regal: „Das gestörte Klima“

Things I listened to.

Chilly Gonzales hat, basierend auf Material von „Solo Piano III“, FM4 eine zweite Radio Session gegeben. Das 98minütige Konzert gibt es bei YouTube.

Ich habe zwei Lieblingsstellen im Konzert. Im hinteren Drittel plaudert Chilly Gonzales wie aus Melodien Songs entstehen.

Aber vorne, nach dem Warmspielen, spricht Gonzales über den Entstehungsprozess von „Solo Piano III“. Nach 15 Jahren nahm Gonzales ein Sabbat-Jahr von Konzerten und öffentlichen Auftritten. „Without an audience, this entertainer became an artist“ – und Gonzales beginnt eine wunderbare Einleitung zu seinem nächsten Stück „Be natural.

Was war. KW#32

Things I did.

Im Job weiterhin von Projekt t5 vereinnahmt – u.a. auch mit Schmerzen bzgl. der unterschiedlichen Rechner der Entwickler (Mac, Windows, Unix). Shell-Skripte, die durch Git unter Windows aufgrund anderer Line-Endings mit Fehlern abbrechen und Grunt-Tasks, die bei Kopiervorgängen unter Windows Binärdateien korrumpieren.

Am Dienstag gab ich der Stream-Empfehlungsplattform Shelfd.com ein halbstündiges Interview für deren Podcast zum Thema „DAZN – das Netflix des Sports greift nach der Bundesliga“.

Im Garten sind meine Stockrosen zwar aufgegangen – aber zu meinem Entsetzen musste ich feststellen, dass die Stockrosen „gefüllte“ Blütten hatten. Also Züchtungen, bei denen alles was Bienen & Schmetterlinge lecker finden (Blütenstand), durch weitere Blütenblätter ersetzt wurden. Diese Pflanzen sind für Bienen & Co von null Interesse. Ich habe mich heute bei einer „ungefüllten“ Stockrose irgendwo am Erdkampsweg bedient und ein paar Samen abgegriffen und eingepflanzt.

Things I read.

Keine Comics, keine Belletristik, sondern überwiegend bei der „Financial Times“ und Bookmarks hängen geblieben – für mehr war diese Woche keine Zeit.

Jeff Jarvis: „Evidence, Please“ – Zuerst: ich bin kein Freund von Jarvis, dem ich „Armchair Quarterbacking“ vorwerfe. Aus der gemütlichen und gut bezahlten akademischen Ecke den Medien launige Ratschläge geben, wie sie viel besser sein könnten („Armchair Quarterback“ konnte ich bei allesaussersport auch gut, aber eben nur just for fun und nicht gegen Bezahlung).

Jarvis legt den Medien nahe, in ihrer Berichterstattung sich mehr akademischen Erkenntnissen anzunähern und zu ihren Sujets gezielt Studien und Daten zu recherchieren. Der Aufhänger ist für Jarvis, die Behauptung zahlreicher Journalisten, die Polarisierung der Gesellschaft wäre eine Folge der Sozialen Medien und der Filter Bubble. Lt. Jarvis gibt es zahlreiche Studien, die die Existenz einer Filter Bubble widerlegen.

Der Text hinterlässt aber in Ton und Aufbau eher den Eindruck, als wäre der Trigger des Jarvis’schen Blogeintrag nicht die mangelnde Berücksichtigung akademischer Erkenntnisse in der journalistischen Arbeit, sondern dass jemand dem Internet und den Sozialen Medien mit dem Vorwurf von „Filter Bubble“ ans Bein pinkelt. Im Laufe seines Blogeintrags wird Jarvis selber unsachlich und verzichtet dann auf jegliche Daten um Medien unsachliche, dystopische Technik-Berichterstattung vorzuwerfen und ehemalige Facebook- und Twitter-Mitarbeiter abzukanzeln, weil sie inzwischen als Mahner auftreten. Die raison d’être des Blogeintrags scheint eher ein gepflegter Rant, als Aufklärungsarbeit zu sein.

Die von Jarvis gewünschte Integration von akademischen Resultaten als Bestandteil journalistischer Recherche, ist natürlich nicht unproblematisch – wie auch Jarvis‘ Blogeintrag selber zeigt. Jarvis serviert uns zwar einige Studien in Sachen „Filter Bubble“. Doch wie wollen wir, als Außenstehende beurteilen, dass Jarvis‘, hier immerhin eine interessierte Seite, nicht nur eine einseitige Auswahl an Studien vorgelegt hat? Wie sollen wir die Qualität der genannten Studien beurteilen? Wir können es nicht. Wir müssen da Jarvis vertrauen. Es bleibt weiterhin die wertvollste Währung in der Kommunikation zwischen Medium und Rezipient: Vertrauen.

Charlie Owen: „The Real Dark Web“ – Charlie Owen schreibt über die 99% an „real“ stattfindender Webentwicklung, die im Schatten einiger Leuchtturmprojekte wirklich stattfindet. Otto/Ottoline Normalwebentwickler*in kennt das: man steht staunend vor den fetten Vorträgen auf Konferenzen oder den Newslettern aus der Branche, in der Elite-Webentwickler*innen darüber schreiben, wie sie den letzten Webentwickler-Scheiß beruflich einsetzen, während unsereins sich immer noch mit IE11 und statischen Designvorlagen abplagen muss.

Perhaps the client-side framework developed by a multi-billion dollar company isn’t the one that you should be pushing into the browser of your local grocery website? Perhaps the buildchains that require ancient dark magick to invocate are not appropriate on a team that simply compiles some Sass to CSS?

Let’s appreciate what the 1% does. But let’s not allow the 1% to dominate the conversations and our collective headspace.

Things I watched.

Im Sport neben einem Grundrauschen an Fußball, der keine besondere Erinnerung hinterlassen hat, die letzten Spiele des Rugby-Pacific Nations Cup gesehen. Für die USA, Kanada, die kleinen Pazifik-Inseln und Japan war es der letzte WM-Test. Japan hat mich mit ihrem Rugby Sevens-artigen Spielstil umgehauen. Ich bin mir aber noch nicht sicher, ob die Defense auch dann so stehen kann, wenn die erfahrenen Nationen kommen, die ihre Physis mit Spielintelligenz verknüpfen können. Zumindest würde ich jetzt keine Wette mehr eingehen wollen, dass in Gruppe A wirklich Irland und Schottland als #1 und #2 durch kommen…

Die erste Staffel von „The Boys“ (Amazon Prime) heute zu Ende geguckt. Die Staffel ging mit einem interessanten Plot zu Ende, aber hinterließ trotzdem bei mir unbefriedigende Gefühle.

Die Serie hatte eine interessante Flugkurve, mit den Highlights in Ep05 und Ep06, als ich das Gefühl hatte, dass die Serie ihre Tonalität als moderne Interpretation von „The Watchmen“ gefunden hatte. Stattdessen schmiss man in den letzten beiden Folgen alle Ambitionen weg und packte etliches Füllmaterial rein. Das Tempo war merkwürdig. Die Postproduktion, die beide Folgen in einer sehr altbackenen Farbpalette tünchte, tat ihre Übriges, um die beiden letzten Episoden wie ein Fremdkörper wirken zu lassen.

Was bleibt, ist ein Plot, der, auf wikipedia-kompatible Länge heruntergebrochen, sich interessant liest. Aber angesichts des Castings und einiger Elemente aus Ep05 und Ep06, war in der Staffel mehr drin.

HidaMari Cooking: „No-Bake Peach Cheesecake“ – ein japanisches Video zum Backen einer Pfirsich-Cheesecake-Torte. Die Machart finde ich faszinierend. Es wird kein Wort gesprochen. Es gibt keine Musik. Es dominieren die Küchengeräusche: das Durchschneiden eines saftigen Pfirsichs, das Rauschen der Gasflamme. Visuell gibt es nur Großaufnahmen der Utensilien oder der Zutaten zu sehen. Das was zu sehen ist, ist perfekt: weiß, clean. Unaufgeregte Bewegungen. In seiner Reduktion, ist das Video sehr entspannend.

Things I listened to.

Unter der Woche aus dem Nichts heraus, eine Assoziation: „The Woodentops“, eine Band die ich Mitte der 80er Jahre gerne gehört habe und von der ich heute noch 2, 3 Platten besitze. Mein Highlight war die Liveplatte „Hypnobeat“ – ich sah sie auch einmal live in Hamburg. Ich hab Hypnobeat damals rauf und runter gehört und war jedesmal durchgeschwitzt. Die Woodentops spielten live einige bpm schneller als auf den Studioplatten – und nie schneller als bei „Love Train“ – und das ist fucking 32 Jahre her…

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