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War war. KW#02, #03, 04

Der Kampf mit dem Bloggen geht weiter. Ich nehme mir zu viel zum Schreiben vor. Dann kommt irgendwas am Wochenende dazwischen. Und am Montag auch. Und schon wird das Bloggen um eine Woche verschoben. Damit nehme ich mir noch mehr zum Schreiben vor, usw. usf.

Things I worked on.

Beim Kundenprojekt „t5“ wurde und wird im Januar ohne Projektmanager gearbeitet – der sich mit Jahresurlaub etliche Längengrade weit weg aufhält. Für das Team ist „Selbstorganisation“ angesagt. Letzte Woche gingen zwei weitere Länderversionen der Website online.

Das Projekt hat nach etwas mehr als sechs Monaten den Zustand erreicht, wo die Entwicklung neuer Features sich im Wettstreit mit dem Thema „technische Schulden“ um wertvolle Entwickler-Ressourcen befindet. Ich selber, pendle derzeit zwischen Refactoring-Themen und Umsetzung weiterer UI-Elemente.

Eine Code-Review warf die Frage auf, was eigentlich Code-Frischlinge heutzutage auf den Höheren Bildungsinstitutionen mitgegeben wird. Konkret ging es um die Frage, wieviele abstrakte Prozesse rund um Projektarbeit, wie zB „Best Practices“, „Clean Code“, Aufbereitung von Code für ein größeres Projekt statt einem kleinen Hobby-Wochenende-Quickie, in solchen Schulen unterrichtet werden. Oder sind das Themen, die ausschließlich in der täglichen Praxis gemäß „learning by doing“ selbst aufgenommen werden müssen und die daher für alte Säcke wie mich ungleich höhere Priorität haben.

Selbst bei der Solo-Arbeit: je älter ich werde, desto weniger vertraue ich meinem Gedächtnis und desto mehr sichere ich mich über Kommentare, Namensgebung von Variablen/Methoden, Commit-Messages und Dokumentation ab.

Things I did.

Mehr Bewegung. Es geht mir auf den Sack, dass meine Klamotten wieder anfangen zu spannen. Ich achte wieder verstärkt auf die Aktivitätsringe (Schrittzahl etc…), Portionsgröße beim Essen und habe zuhause die Soft-Drinks reduziert.

Mehr Garten 1. Ich bin dem Bambus an der Stirnseite des Hauses an den Kragen gegangen. An etlichen Nachmittagen habe ich alles herunter geschnitten und auf ca. 25% der Fläche den Boden umgegraben und die Bambuswurzeln entfernt. Zirka 2–4 Wochen habe ich noch Zeit, bevor die Vegetationszeit wieder einsetzt und bis dahin zumindest rudimentär die Liguster-Steckhölzer an den kahlen Stellen eingepflanzt sein sollten.

Die Baustelle an der Stirnseite
Bambus-Triebe gegen das Haus gelehnt
Die größten Bambustriebe habe ich mir bis zum Schluss aufgespart: knapp anderthalb Stockwerke hoch.

Mehr Garten 2. Die Hasel blüht. Die Schneeglöckchen lassen sich nur noch wenige Tage bis zum Blühen Zeit – alles dank milden Winter zwei Wochen früher als usus. Das weckt Ambitionen, Lesehunger und Lust auf Planung. Das Problem für mich Garten-Anfänger, ist die „Asynchronität“. In den kommenden Wochen siehst du, was du im Herbst gepflanzt hast. Du bekommst also Feedback wie gut du die Zwiebeln verteilt hast, erst vier bis fünf Monate nach dem Vergraben und bekommst danach erst wieder sieben Monate später, die nächste Chance zum Pflanzen.

Hasel-Blütenkatze
Schneeglöckchen

Die Gartenzeitschriften (und Oh Boy, was kaufe ich für Gartenzeitschriften…) machen in ihren aktuellen Ausgaben mit Frühlingsblumen auf – fucking Frühlingsblumen, die ich im letzten Herbst oder Sommer hätte kaufen und pflanzen müssen, um sie wie in den Zeitschriften blühen zu sehen.

Als Laie wäre es hilfreicher, wenn die Zeitschriften im Februar mit ihren Spätsommer-Ausgaben erscheinen würden, ganz nach „und wenn Sie wollen, dass ihr Garten im September so aussieht, dann müssen Sie jetzt xyz pflanzen“.

Folgerichtig, habe ich mir einen eigenen Jahreskalender geschrieben, um im Auge zu behalten, wann welche Pflanzen besorgt und gepflanzt werden müssen (Große Windröschen & Gefingerte Lerchensporn, here I come…).

Mehr Garten 3. Ich habe den kleinen alten Apfelbaum geschnitten – diesmal hoffentlich intelligenter (a.k.a. nach „Schulbuch“) und vielleicht kriege ich ihn doch noch mal zum Blühen vitalisiert.

Taubnesseln
Taubnesseln sind auch früh dran

Reading List

  • Every Noise at Once – statistische Auswertung von Spotify-Daten, u.a. mit allen 3.865 auf Spotify vertretenen Musikrichtungen und den Tracks von 2019, gefiltert nach Land und/oder Musikrichtung
  • Project Art Cred – Kieron Gillen spendiert ein kleines Script und verschiedene Zeichner setzen dies in einer Comic-Seite um.
  • Testimony before the House Antitrust Subcommittee – Der CTO des Projekmanagement-Tools „Basecamp“ gab eine Erklärung vor der kartellrechtlichen Untersuchungskommission des US-Abgeordnetenhauses ab. Dabei geht es um die Monopolstellung von Google, Apple und Facebook.
    [The App Store] has allowed Apple to keep fees on payment processing for application makers like us exorbitantly high. Whereas a competitive market like that for credit-card processing is only able to sustain around a 2% fee for merchants, Apple, along with Google, has been able to charge an outrageous 30% for years on end.
    Bonus: wer sich über die Probleme von Entwicklern für Apple-Anwendungen auf dem Laufenden halten will, dem empfehle ich MJ Tsais Blog, der viele Probleme aggregiert

Things I read.

Ich komm‘ zu nix. Die ungelesenen Links stauen sich und ich habe dieses Jahr bislang mehr Bücher gekauft als gelesen.

Things I watched.

Grosso modo: Sport, Impeachment-Verfahren und Gaming-Streams.

Bonus 1: „Star Trek: Picard“. Folge 1 war nicht weltbewegend, aber die Zeit verging wie im Flug. Und bitte, bitte, bitte: Patrick Stewart nie wieder französisch sprechen lassen.

Bonus 2: „Maschek“ ist im neuen Jahr wieder in Höchstform.

Reading List 2020.01.17

  • WebDev: Promiscuous Cookies and Their Impending Death via the SameSite Policy Troy Hunt, 3.1.2020.

    Der Blogeintrag verdeutlicht vor allem die Komplexität des Themas „Drittpartei-Cookies“, die mit den anstehenden Umstellungen in Chrome eskalieren werden.

    Ich gebe zu, dass ich nicht viel mehr verstanden habe, als ab Februar das Gehör für etwaige Kundenprobleme mit Tracking und anderen Cookies-Nutzungsformen zu sensibilisieren. Der Text von Hunt legt nahe, dass man selber mal einen Tag zum Austesten der unterschiedlichen Szenarien auf einer eigenen Website nutzen sollte.

  • WebDev: Effective Mental Models for Code and Systems, Cindy Sridharan, 30.12.2018

    Sridharan geht einen anderer Weg für eine Art „Clean Code“. Ihr geht es um die Bekämpfung des Erzfeindes von fehlerfreien Code: die Komplexität des Codes.

    Halte deinen Code lesbar und erleichtere dadurch anderen Codern den Einstieg ins Projekt, damit diese ihr mentales Modell der Problemlösung, auf jenen, bereits vorhandenen Code anwenden können.

    Lesbarer Code ist einfach zu Debuggen. Einfach zu debuggender Code ist einfach zu Testen. Einfach zu testender Code ist einfach zu Erweitern. Einfach zu erweiternder Code ist einfach zu unterhalten.

    Sridharan bricht mit dem Uncle Bob‘schen Dogma des Clean Codes, wo es das Paradigma des „sich selbst dokumentierenden Code“ geht, weil es mentale Modelle (das „Warum“) nicht abbildet. Da bin ich bei ihr. Den Weg über Kommentare halte ich aber für unbrauchbar, weil Kommentare schnell veralten, wenn sich der Code verändert.

    Passender finde ich die Vorgehensweise, die ich im Oktober entdeckte: extensives Beschreiben in den Commit-Messages, was wiederum im Coding-Werkzeug der Wahl, über die Annotations einsehbar ist und aufgrund des Commits auch fest in einer Timeline und mit einer konkreten Umsetzung verankert ist.

  • Science/UI: Navy-Schiff-Kollision durch schlechte UI, Twitter-Thread von ProPublica, 28.12.2019

    Anhand zahlreicher Grafiken zeichnet ProPublica nach, wie es 2017 zu einer Schiffskollision kam, bei der zehn Seemänner ums Leben kamen: eine schlechte, missverständliche Benutzeroberfläche der Steuerung, führte dazu, dass keiner mehr wusste, welche der Stationen nun eigentlich Kontrolle über das Ruder hatte.

  • Science: Finding new physics will require a new particle collider, Economist ($?), 2.1.2020

    Artikel über die Ratlosigkeit der Wissenschaftler, in welche Richtung die Elementarteilchen-Forschung gehen soll. Man hoffte nach dem Higgs boson mit dem Genfer Teilchenbeschleuniger LHC weitere fehlende Puzzleteile zu finden. Stattdessen herrscht seit 2012 Stagnation. Damit sind die fehlende Erklärungen für Gravität, Dark Matter, Dark Energy und den geringen Anteil an Anti-Materie inzwischen zu Problemen der etablierten Elementarteilchen-Modelle geworden.

    Man weiß noch nicht einmal, ob das Higgs boson selber ein Elementarteilchen ist oder sich weiter zerlegen kann oder ob das Higgs boson wirklich das vorausberechnete Higgs boson ist oder nur einfach etwas anderes, was nur zufällig die gleiche Masse hat.

    Das ist auch ein finanzielles Problem, weil langsam milliardenschwere Planungen für die nächste Generation der Teilchenbeschleuniger starten muss, aber „die Wissenschaft“ sich nicht auf den nächsten Typen einigen kann.

  • Science: A Burning Nation, Led By Cowards, Angus Hervey, 10.1.2020

    Ein wütendes Pamphlet des australischen Wissenschaft-Journalisten Harvey („Future Crunch“) über die Brände in Australien und der konservativen Regierung um Scott Morrison. Es macht den Disconnect der Klimakatastrophen-Leugner deutlich.

  • Städtebau: Woven City, Toyota’s Prototype City of the Future, Kottke, 9.1.2020

    Toyota hat auf der CES die Vision einer Stadt der Zukunft vorgestellt. Diese Form der Idealisierung lässt mich immer glauben, dass die Planer nicht ernsthaft über „Stadt“ nachdenken, sondern nur ein riesiges Sim City spielen.

    Keiner hat es eilig. Es gibt keine Dienstleister, nur irgendwelche Roboter. Der enorme Flächenbedarf für die drei unterschiedlichen Verkehrsmodi: kein Problem. Lufttaxis und Kurier-Drohnen fliegen mit zirka zehn Km/h durch die Lüfte. Keine Papierkörbe, keine kackenden Hunde. ÖPNV findet in Form von autonomen Autos und Bussen statt – was nicht viel mit den realen Problemen einer Metropole zu tun hat. Stadtentwicklung wird zu einem rein technologischen Problemen und soziologische Probleme klein gehalten – weswegen die Entwicklung auf der grünen Wiese bevorzugt wird, statt sich an real existierenden Städten zu versuchen.

    Es wirkt wie eine Ansammlung von Bullshit-Bingo, wie schon Googles Waterfront-Projekt in Toronto.

  • Kultur: Asimov‘s Empire, Asimov‘s Wall, Alec Nevala-Lee, 7.1.2020

    Und wenn du glaubst, du hättest im Rahmen von #MeToo schon alle Verhaltensstörungen überwiegend männlicher Provenienz, kennengelernt, kommt ein Artikel über Isaac Asimov, der dich in den Browsern brechen lässt. Jener Asimov, der (so meine Erinnerung) komplett keimfreie Bücher schrieb, legte über Jahrzehnten gegenüber Frauen ein Verhalten an den Tag, bei dem man(n) sich fragt, warum er mit so eine Nummer in den 50ern durchgekommen ist und warum erst jetzt darüber geschrieben wird.

  • Business: „10/01/20: Finleap Connect, Finanz Informatik, XPay, FI-TS, Maple Bank“, Finanz-Szene.de, 10.1.2020

    Anlässlich eines kleinen Reigen von IT-Pannen der „Finanz Informatik“ (FI-TS), dem IT-Dienstleister der den Sparkassen nahe steht, schreibt Finanz-Szene: „[Die FI-TS-Kunden sind…] eben doch nicht so eng verbandelt, als dass man sich im Zweifel nicht auch mal nach einem anderen (zumal preiswerteren?) Dienstleister umsehen könnte. Die Wut auf die FI-TS jedenfalls ist groß dieser Tage. Und die Kunden geben sich – was ein Alarmsignal ist – keinerlei Mühe, diese Wut zu verbergen.

    Ohne die Expertise des Branchendienstes anzweifeln zu wollen, aber in meinen Ohren hört sich das nach einem Unterschätzen der Aufwände für eine Migration des Bankensystems an. Z.B. im Falle der Hamburger Sparkasse, die 2019 von einer Eigenentwicklung auf die FI-TS gewechselt ist. Was war dass da noch gleich? Drei Jahre Planung mit zwei Jahren Umsetzung für die Migration, Kosten in dreistelliger Millionenhöhe?

    Wie es halt so bei alten Software-Systemen ist: du schleppst Daten etlicher Jahrzehnte mit dir mit und im Laufe der Zeit geht dir mit jedem verrenteten Mitarbeiter, das Know How flöten.

    Know-How-Management ist eines der grundsätzlichen Probleme unserer Gesellschaft. Keiner dokumentiert gerne. Keiner dokumentiert vollständig. Keiner liest gerne Dokumentation. Keiner geht weitere Wege, wenn er nicht auf Anhieb in der Dokumentation fündig wird.

Weiter gegen den Bambus.

Comic: „Peter Cannon: Thunderbolt”

Alternativ-Cover des ersten Peter Cannon: Thunderbolt-Heftes
Alternativ-Cover von Peter Cannon: Thunderbolt #1

Peter Cannon: Thunderbolt“ (PC-T) ist eine fünf Hefte umfassende Storyline von Gillen und Wijngaard (Hardcover-TPB erscheint Januar 2020).

Drei Anmerkungen zum Einstieg:

  • Die Storyline funktioniert nur als Ganzes. Es macht keinen Sinn, die Hefte einzeln zu betrachten.
  • Zum Genuss der vollen Dimension (no pun indended) der Storyline sollte man „The Watchmen“ von Alan Moore/Dave Gibbons kennen
  • Man beraubt sich der Hälfte des Spaßes, wenn man nicht die korrekte Anordnung der Doppelseiten hat. In der Comixology-Variante sind die falschen Seitenpaare als Doppelseite zusammengebündelt und man muss sich auf dem iPad mit dem Finger behelfen, um jeweils die richtigen Seitenpaare auf dem Screen zu haben.

Peter Cannon gehörte zum Superhelden-Kanon des Verlages Charlton Comics. Moore/Gibbons wollten 1986 ursprünglich Charlton-Superhelden für DCs „Watchmen“ verwenden. Doch DC, zwischenzeitlich im Besitz der Charlton-Lizenzen, wollte die Figuren nicht dafür freigeben. Moore/Gibbons mussten sich neue Figuren ausdenken und nahm u.a. Peter Cannon als Vorlage für Ozymandias.

Der Ausgangspunkt von PC-T ist eine Übernahme des „Watchmen“-Plots: eine vorgetäuschte Invasion von Außerirdischen. Diese übermächtige Schein-Bedrohung soll die zerstrittene Welt einen und damit für Wohlstand und Frieden sorgen. Cannon erkennt anhand des Studiums von alten Schriftrollen, dass der Drahtzieher niemand anderes als er selbst ist: ein Peter Cannon („Thunderbolt“) in einer Parallelwelt. Cannon geht mit Superhelden-Kollegen auf die Reise durch die Dimensionen.

Ohne „The Watchmen“ zu kennen, bekommt man eine Story, die clever mit Comic-Stereotypen und gestalterischen Formalitäten spielt. Weil Story, Layout, Zeichnung, Kolorierung und Lettering so clever ineinander spielen, bekommt man bereits auf dieser ersten Ebene, ein gutes Paket zusammengeschnürt. Inhaltlich dürften er/sie/es aber ähnlich ratlos davor stehen, wie vor den ersten Bänden von Grant Morrisons „Doom Patrol“.

Beim Versuch sich PC-T anzunähern, passiert schnell das, was im Englischen als „going down the rabbit hole“ bezeichnet wird – man steigt immer tiefer ein, entdeckt immer Neues und sucht nach immer mehr Anspielungen und Metaphern.

Gillen spielt mit dem Medium. Das ist zuvorderst bei den Zeichnungen zu erkennen. Die Grenze zwischen Medium und Leser*in, die Fourth Wall, wird aufgehoben.

Die folgende Doppelseite zeigt wie fünf Superhelden und Cannon am Boden liegen, innerhalb von aufgemalten Bodenmarkierungen, bevor sie die Reise durch die Parallelwelten antreten. Die sechs Superhelden angeordnet wie auf sechs Panels, die wiederum Bestandteil eines Panels werden, welches Thunderbolt um die Ohren fliegt.

Doppelseite von PC-T mit zwei 9-Panel-Raster
Wie PC-T auf einer Doppelseite mit dem 9-Panel-Raster spielt

Die Superkraft mit der Cannon sich und seine Kompagnons durch die unterschiedlichen Parallelwelten bringt, ist der „Formalismus“ (yep, I shit you not). Bei dem Einsatz von „Formalismus“, durchbricht Gillen/Cannon den Comic-Formalismus des strengen Layout-Rasters und wechselt die Zeichenstile.

Eine Doppelseite mit der Reise durch Parallelwelten
Eine Doppelseite mit der Reise durch Parallelwelten. Mit sechs Zellen eines 9-Panel-Rasters durch ein 9-Panel-Raster fliegen

Das strenge Layout-Raster in eines der Erkennungsmerkmale von „The Watchmen“, welches fast komplett in einem 9-Panel-Seitenraster gezeichnet ist.

Eine Doppelseite mit der Reise durch Parallelwelten
Klassisches 9-Panel-Raster von Watchmen

Wo in Watchmen Ozymandias vor einer Monitorwand sitzt, wird in PC-T die Monitorwand selber zum 9-Panel-Raster und es ist Thunderbolt, der dieses Raster durchbricht.

Panel mit Ozymandias vor einer Monitorwand
Ozymandias vor einer Monitorwand
Seite mit Thunderbolt vor einer Monitorwand
Thunderbolt, außerhalb des 9-Panel-Rasters, vor seiner Monitorwand

Man kann es als grundsätzliche Prämisse von PC-T bezeichnen, dem Medium Comic anhand von „ Watchmen“ den Spiegel vor zuhalten – „Watchmen“, im gleichen Jahr wie Frank Millers „The Dark Knight Returns“ erschienen und markiert mit Dark Knight einen Meilenstein in der US-Comic- und Superhelden-Landschaft.

Gillens PC-T zollt Watchmen nicht nur seinen Tribut. Das ganze Spiel mit der Superkraft „Formalismus“ ist auch eine Aufforderung, sich durch Watchmen die nächsten Fesseln auferlegen zu lassen. Und so wechseln sich in der Storyline Anspielungen auf Watchmen mit der bewussten Antithese ab.

Letzte Bildzeile von Watchmen
Letzte Bildzeile in „Watchmen“: „I leave it entirely in your hands…“ sagt der Redakteur zum Verschwörungstheoretiker, der in die Leserpost greift, wo u.a. die explosiven Tagebuchaufzeichnungen von „Rorschach“ liegen
Vorletzte Seite von PC-T
Vorletzte Seite von „Peter Cannon: Thunderbolt“: „I leave it entirely in your hands…“ sagt Cannon nach dem Kuss.

Thunderbolt ist in PC-T zwar eine Variante von Peter Cannon in seiner eigenen Dimension und seine Kleidung erinnert stark an Watchmens Ozymandias. Aber Thunderbolts Palast mit seiner Uhrmechanik-Ästhetik und das Symbol auf seiner Stirn, erinnern eher an Watchmens blauen Dr. Manhattan.

Panel mit Thunderbolt in seinem Palast
Thunderbolt und sein Palast
Panels mit Dr. Manhattans Atom-Symbol auf der Stirn
Dr. Manhattan brennt sich sein „Atom“-Symbol auf die Stirn
Panel mit Dr. Manhattan auf dem Mars
Dr. Manhattans Uhrwerks-Palast auf seinem Mars-Exil

Gillen und Wijngaard übernehmen nicht nur Bildelemente, sondern gleich ganze Bildzitate. Der Rausschmiss von Peter Cannon durch Peter Cannon/Thunderbolt ist eine komprimierte Version der legendären Bildsequenz zu Beginn der Watchmen, als der Watchmen Edward Blake/The Comedian aus seinem Penthouse geschmissen wird und zu Tode stürzt.

Seite in der Peter Cannon von Thunderbolt in die Tiefe geschmissen wird
Der Sturz von Peter Cannon in einer 5-Panel-Sequenz.
”Excess brutality“ von Rorschach
”Excess brutality“ von Rorschach
”Excess brutality“ von Rorschach
”Excess brutality“ von Rorschach
Die drei Panels, verteilt auf einer Seite, mit dem Todessturz von Edward Blake

Etliche Seiten später ist auch das Pendant, die Rückkehr von Peter Cannon, ein Bildzitat. Diesmal sogar mit identischer Panelaufteilung und ähnlichen oder gleichen Panel-Inhalten, wie das Pendant von Watchmen, wo Rorschach in das Appartement von Edward Blake einsteigt, um zu seinem Tod zu ermitteln.

Seite mit der Rückkehr von Peter Cannon in den Palast von Thunderbold
Peter Cannons Rückkehr und die Balance einerseits die Vorlage zu zitieren, andererseits den eigenen Zeichen- und Kolorierungsstil beizubehalten
Rorschach steigt durch das Fenster in das Penthouse von Edwards Blake ein
Gleiche Panelaufteilung 33 Jahre vorher, in Watchmen.

Etwas abstrakter wird die Formsprache von Watchmen Rorschach aufgegriffen – so benannt nach der Maske die er trägt und an den Rorschach-Test erinnert. Gillen/Wijngaard greifen die Formsprache von Rorschach-Muster auf ihrer Art auf…

Panel mit Watchmen Rorschach
Die Muster auf Rorschachs Maske sind stets in Bewegung, bleiben aber symetrisch.
Panel mit den Resten von „The Test“: Blutspritzer angeordnet in einem Rorschach-Muster
Ein Superheld weniger.

Teilweise werden auch nur kleine Handlungsmuster genommen, um an Watchmen zu erinnern, wie z.B. Rorschachs sadistischen Verhörmethoden…

”Excess brutality“ von Rorschach
Rorschach und seine Verhörmethoden zu Beginn von Watchmen
„Excess brutality“ von Thunderbolt
Thunderbolt: „Excess brutality – I invented it“ und schon geht der erste von zehn Fingern dahin.

So kopflastig PC-T konstruiert ist, so kann man sich schon an dem Offensichtlichen ergötzen: das ausgefeilte Layout, die Zeichnungen, die Kolorierung und das Lettering. Die Perfektion und die Sensibilität erschließt sich auch ohne das Wissen um die Meta-Ebene. Aber mit der Meta-Ebene, wird man ein zweites und ein drittes Mal zu PC-T zurückkehren, möglicherweise auch im Doppelpass mit „Watchmen“, um all die Seitenpfade zu entdecken und zu verstehen.
Es ist wieder ein Computerspiel, dass man nach dem ersten Durchspielen, weitere Male spielt, um alle Nebenquests aufzulösen.

4 von 5 Sternen.

Was war. KW#01

Things I did.

Nach meiner Tagesfahrt an Heiligabend, habe ich Silvestern so ziemlich genau nüscht gemacht. Abends gab es eine Kartoffelsuppe nach einem Rezept von Lafer und ich habe mich dem US-Sport-Programm mit College Football und College Basketball hingegeben.

Nach dem Wegzug einer Familie vor einigen Wichen, ist in der Reihenhauszeile die Knallerei völlig ausgeblieben. In den anderen Zügen ist es etwas stärker als letztes Jahr gewesen, aber um kurz vor Eins war dann überall finito.

Der Neujahrstag war dank eines Unfalls bei der Gartenarbeit ziemlich gebraucht. Beim Wegpacken von ausgerissenen Bambus’, schlug ein kleines Bambus-Zweiglein wie ein Peitsche, unter meiner Brille durch, gegen mein offenes rechtes Auge. Fünf Minuten lang tat es höllisch weh und ich torkelte zurück ins Haus. Dann fing das große Tränen an. Ich konnte das rechte Auge immer wieder nur für kurze Zeit öffnen. Anscheinend war irgendwas im Auge. Ich legte mich auf die Couch und döste vor mich hin. Ich ging unter die Dusche um mein Auge auszuwaschen. Alles ohne Erfolg und gegen Ende des Nachmittags, hatte auch mein linkes Auge kein Bock mehr und ich musste die Wohnung fast komplett abdunkeln. Ich entschied mich gegen einen Gang in die Notaufnahme – will man am Neujahrstag wirklich in die Notaufnahme? – und für ins Bett gehen.

Und siehe da. Elfeinhalb Stunden später aufgestanden. Ein ganz klein bisschen Kruste vom rechten Auge entfernt und alles war wieder hergestellt. Die Magie des Schlafens – hilft gegen Erkältung, Magenprobleme und andere Zipperlein.

Wetter ist wieder ein großes Thema. Immer nach längeren Regenfällen, wie sie aktuell vorkommen, sind einige essentielle Wege für mich mit dem Rad nicht mehr gut befahrbar. Teils nehme ich dann andere Supermärkte, teils nehme ich Bus/U-Bahn/Füße. Aber derzeit ist für meine Planung der abendliche Blick auf die Wetterkarte essentiell.

Things I worked on.

Für eine Bekannte habe ich eine Einladungskarte gestaltet. Es war mein erster Einsatz von „Affinity Publisher“, die Alternative zu Adobe Indesign. Das Programm scheint ausreichend gut zu sein (mal gucken wie das Druckergebnis aussieht).

Ähnlich wie bei Photoshop/Photo und Illustrator/Design, sind InDesign/Publisher zwar im Workflow nahe beieinander, aber in den Details gibt es doch immer wieder kleinere Unterschiede, die für Zeitverlust durch Googlen sorgen. Das Handling von Bildern in Rahmen (Skalierung/Transformierung) fand ich im Publisher ungelenk, aber gut, ich hatte nur zwei solcher Rahmen.


Beim Kundenprojekt „t5“ ging es wieder los. Zuerst mit zwei Pull-Requests und Code-Reviews und dann mit der Fortsetzung eines eigenen Tickets. Jenes Ticket erfordert das Refactoring einer recht grundsätzlichen Komponente, weswegen Step 1 erst einmal dem Einziehen von Regressionstest galt und Step 2 das Zusammensammeln von Anwendungen der Komponente, um den „Ist“-Zustand der Komponente als Referenz festhalten zu können. Erst in der kommenden Woche wird es mit dem eigentlichen Refactoring losgehen.


Am Wochenende habe ich ein privates Code-Projekt gestartet. Über einen Cron-Job will ich mir täglich die Zahl der Items auf meiner „Reading List“ ausgeben lassen.

Dafür hatte ich mal ein AppleScript geschrieben. Das funktioniert aber seit geraumer Zeit nicht mehr. Die entsprechende .plist-Datei kann nicht mehr eingelesen werden.

Ich habe jetzt eine Implementierung über NodeJS gestartet und es hat mich eine Stunde gekostet, bis ich verstanden hatte, dass die Bookmarks.plist keine normale Property List-Datei (= XML), sondern eine binary Property List ist – nicht auf Anhieb zu erkennen, weil BBEdit die binäre PList automatisch zu einer normalen PList-Datei konvertiert und die NodeJS-Fehlermeldung eigentlich auf fehlerhafte Auswertung des Encodings hin deutet.

Jetzt bin ich immerhin so weit, dass ich einen PoC zur Extrahierung der Anzahl habe.

Things I read.

Getriggert durch einen Hinweis in dem Newsletter des Comic-Autors Kieron Gillen, habe ich mir Ende der Woche die derzeit vergünstigten Ausgaben von „Peter Cannon: Thunderbold“ geholt.

Alternativ-Cover Peter Cannon: Thunderbolt #1

Mehr dazu, in einem eigenen Blogeintrag.


Im gleichen Maße, in dem ich mich aus Facebook und Twitter zurückziehe (Facebook seit Monaten nicht eingeloggt, Twitter-Gebrauch reduziert), habe ich nach Jahren der Abstinenz wieder mit RSS-Feed-Reader angefangen.

Es ist Konsequenz des immer stärker um-sich-greifenden Clickbaitings und Adrenalin-geschwängerten Schreibens, das längst von den kommerziellen Medien auch auf private Social Media-Accounts übergegriffen hat. Es gibt diesen Drang zur sofortigen Positionierung, ungeachtet des Wissensstand oder des Entwicklungsstands des Sujets und des Permanent-Aufregens.

Der Comic-Autor Warren Ellis ist seit mehreren Jahren der Ansicht, dass anregendere Kommunikation inzwischen über Newsletter und persönliche Blogs stattfindet.

Yancey Strickler hat für „OneZero“ dazu den Begriff des „Dark Forest“ des Internets entwickelt.

Imagine a dark forest at night. It’s deathly quiet. Nothing moves. Nothing stirs. This could lead one to assume that the forest is devoid of life. But of course, it’s not. The dark forest is full of life. It’s quiet because night is when the predators come out. To survive, the animals stay silent […]

In response to the ads, the tracking, the trolling, the hype, and other predatory behaviors, we’re retreating to our dark forests of the internet, and away from the mainstream […]

Dark forests like newsletters and podcasts are growing areas of activity. As are other dark forests, like Slack channels, private Instagrams, invite-only message boards, text groups, Snapchat, WeChat, and on and on […]

These are all spaces where depressurized conversation is possible because of their non-indexed, non-optimized, and non-gamified environments. The cultures of those spaces have more in common with the physical world than the internet.

The internet of today is a battleground. The idealism of the ’90s web is gone. The web 2.0 utopia — where we all lived in rounded filter bubbles of happiness — ended with the 2016 Presidential election when we learned that the tools we thought were only life-giving could be weaponized too. The public and semi-public spaces we created to develop our identities, cultivate communities, and gain knowledge were overtaken by forces using them to gain power of various kinds (market, political, social, and so on).

This is the atmosphere of the mainstream web today: a relentless competition for power. As this competition has grown in size and ferocity, an increasing number of the population has scurried into their dark forests to avoid the fray.


Essay: Can technology plan economies and destroy democracy?, Economist, Weihnachtsausgabe 2019 – Die Freie Marktwirtschaft galt als überlegen, weil sie die in Angebot und Nachfrage verarbeiteten Informationen als Korrektiv verwendete und sich anpasste. Was passiert aber, wenn AI/Algorithmen in dieser Informationsverarbeitung dem Markt überlegen sind?

If markets are a success because of the way they process information, the fact that the other ways of processing information developed over recent decades are now so incredibly powerful must surely have implications for their role in the future […]

As Jack Ma, until recently the executive chairman of Alibaba, a Chinese online conglomerate, put it at a conference in 2017: “Over the past 100 years, we have come to believe that the market economy is the best system.” But in the next three decades, “because of access to all kinds of data, we may be able to find the invisible hand of the market.” Find it and help it? Anticipate it? Disable it? That was not clear […]

Das Essay mäandert sich weiter durch das Thema geplante Wirtschaft, Planwirtschaft, Diktaturen und Datenqualität.

Zwar stehen inzwischen mehr Daten und bessere Mittel der Datenverarbeitung zur Verfügung. Dem stehen aber zwei Probleme gegenüber: der „Bias“ in Datensammlung und Datenverarbeitung und das mathematische Konzept, dass mehr Datenverarbeitung auch mehr Datensammlung mit sich bringt und damit die höhere Geschwindigkeit der Datenverarbeitung wieder zunichte gemacht wird.

If the role of ai within the economy increases, so will the economy’s complexity. As Alex Tabarrok, an economist at George Mason University, puts it: “The problem of perfectly organising an economy does not become easier with greater computing power precisely because greater computing power also makes the economy more complex.”

Reading List

  • WebDev: Delivering on an architecture strategy, Pete Hodgson, 9.12.2019 – Ein Blogeintrag, der sich mit dem Spagat zwischen „Arbeit an Features, die für den Projektmanager offensichtlichen Business Value haben“ und „technische Arbeiten, die nicht direkt auf Features einzahlen“ beschäftigt.
    Hodgson vermeidet dabei den gängigen Begriff der „technischen Schulden“ und unterscheidet stattdessen zwischen „Feature Work“ und „Architectural Work“. Und um „Architectural Work“ näher an „Feature Work“ zu bringen (a.k.a.: besser verkaufbar zu machen), spricht er von „Strategic Architectural Initiatives“: einer Definition des Ist-Zustands, des Ziel-Zustands und die konkrete Definition des nächsten Schrittes um sich dem Zielzustand zu nähern.

Was war. KW#52

Es war eine merkwürdige Weihnachtswoche. Ich kann da noch nicht so richtig den Finger drauf legen, aber ich ahne, dass es damit zu tun hat, dass ich als Single, kinderlos und ohne in Deutschland ansässiger Verwandtschaft zwischen der Weihnachtszeit und dem Neujahrstag in einer Parallelwelt lebe, die wenig Berührung mit dem Rest meiner Umgebung hat. Ich bin für knapp zehn Tage Tourist in einer Weihnachtswelt- und Silvesterwelt anderer Leute.

Things I did.

Die Metapher des „Touristen“ ist mir eigentlich erst jetzt aufgegangen, aber tatsächlich habe ich sie diesen Heiligabend konsequent verfolgt und habe einen Tagesausflug nach Keitum auf Sylt gemacht.

Ich war vor Jahren, zusammen mit Anke, zwei-dreimal in Keitum, an der östlichen, windabgewandten Küste von Sylt.

Es gibt bei mir einige emotionale Trigger, die lösen bei mir im Hirn was aus und verselbständigen sich in der Erinnerungen. Es hat auch viel mit der Suche einer Heimeligkeit, einer idealisierten Vorstellung von Wohlfühlen zu tun. Schnee ist ein solcher Trigger. Das kitschige Skandinavien. Oder im Falle von Keitum: Nordfriesland, Friesenwälle, Reetdachhäuser, die nordfriesischen Städtenamen an den Bahnhofsschildern, Meer, Wind.

Keitum ist ein exzellentes Beispiel dafür, wie es bei mir etliche Knöpfe drückt und ich in der Lage zur selektiven Wahrnehmung bin. Ich kann recht gut ausblenden, das Keitum einer ober-posche Stadt ist, die auch Konkurrenz mit Münchner und Hamburger Edelviertel machen kann. An der Hauptstraße reihen sich Boutiquen der Preisklasse Bogner und Ralph Lauren aneinander. An den Straßen parken durchweg Autos oberhalb der 100.000-Euro-Klasse.

Ich blende es aus, denn ich habe nur Augen für die Friesenhäuser. Ich stelle mir das 18te Jahrhundert vor und Walfangkapitäne, die ihren Lebensabend in diesen alten Reetdachhäusern verbringen. Vor den Häusern einen Vorgarten mit alten, knorrigen Bäumen, ehe mit einem sanften Schwung die Rasenfläche gen Straße zum Friesenwall hoch steigt und ihn oben abdeckt. Große Findlinge, irgendwo gefunden und mühselig hierher transportiert.

Zu Heiligabend wollte ich mich triggern lassen.


Die Reisekosten sind dank des Schleswig-Holstein-Tagesticket der Bahn mit 30,– Euro sehr überschaubar.

Streckenplan der Fahrt nach Sylt
Hinfahrt nach Sylt

Die reine Bahn-Reisezeit zwischen Altona und Sylt liegt bei knapp drei Stunden. Ich wohne aber im Norden Hamburgs, Hamburg ist groß und so kommen noch einmal 70 Minuten Reisezeit bis ich überhaupt am Bahnhof Altona bin (plus 20 Minuten Puffer um das Ticket zu kaufen). Also Abmarsch von zuhause kurz nach 7 Uhr. 20 Minuten zu Fuß bis Langenhorn Markt, 25 Minuten U1 bis Jungfernstieg, zehn Minuten S3 bis Altona plus Umsteigezeiten an den Bahnhöfen.

Das Wetter war grau in grau, ehe es nördlich von Husum anfing aufzureißen. Ab Niebüll starre ich aus dem Zugfenster hinaus und versuche den letzten Damm vor der Nordsee zu erkennen. Dann fährt der Zug durch und von links und rechts kommt die Nordsee dem Bahndamm immer näher. Auf halber Strecke über den Hindenburgdamm scheint die Sonne durch ein Wolkenloch durch und hüllt einen kleinen Fleck in der Nordsee in gleißendes Licht, während der Rest der See mehr oder weniger übergangslos in den grauen Horizont über geht.

In Keitum bin ich zum ersten Mal die Ostküste entlang gelaufen. Abgesehen von den vielen Spaziergängern, ein ruhiger, aber auch sehr schmaler Strich an Heide- und Dünenlandschaft zum Land und Salzwiese zur See hin. Die Schilder sind vergilbt und kaum lesbar. Im Vergleich zu Sankt Peter-Ording fällt ganz Sylt durch ein sehr viel größeres Desinteresse an der Pflege seiner Naturlandschaft auf.

In Braderup bog ich dann landeinwärts ab, vorbei an fassungslos mondäne Interpretationen von Friesenhäuser. Der Himmel hat längst wieder dicht gemacht. Auf dem Weg zur Westküste, an landwirtschaftlichen Wegen entlang, setzte der Nieselregen ein und das Grau des Himmels schien sich schon auf die Dämmerung vorzubereiten.

Wenningstedt an der Westküste hörst du zuerst, dank der Umgehungsstraße, die du zehn Minuten später an einer Fußgängerbrücke überquerst. Der Weg durch Wenningstedt Richtung Meer, läuft entlang einer nicht enden wollende Kette von Ferienhäusern und Appartements, ohne jedwede Kohärenz, sondern einfach nur hingebaut. Jedes Gebäude zu weit auseinander um eine Gemeinschaft zu bilden, aber doch so dicht beieinander, dass du im Garten nicht anders kannst, als in Wohnzimmer anderer Leute reinzuschauen. Durch die letzte große Düne durch, dann am Strand angekommen.

Es herrschte eine stärkere Brise und Brandung als zuletzt in Sankt Peter-Ording. Allerdings war ich inzwischen schon dezent durchgefroren. Der Sand war fies und nicht gut zum Spazierengehen geeignet und Migräne setzte bei mir ein. Aus dem Nieselregen wurde normaler Regen.

Aus der Ferne ist Westerland mit seinen monströsen Bettenburgen zu erkennen. Eine halbe Stunde später, gegen halb Vier, erreichte ich die Strandpromenade von Sylt. Der „Weihnachtsmarkt“ lag in den letzten Zügen. Vier Stände hatten noch offen: ein Bratwurststand und drei gut besuchte Glühwein-Stände.

Entlang der poschen Haupteinkaufsstraße, der Friedrichstraße, hatten noch einige Cafés offen, die aber hoffnungslos überlaufen waren. Ich ging direkt zum Bahnhof und nahm einen Zug früher als ich dachte, 16h22 ab Westerland. Minuten vor uns, fuhr ein komplett leerer Autozug Richtung Festland.

Streckenplan des Rückwegs
Rückfahrt von Sylt

Im Zug versuchte ich die Migräne wegzupennen, als kurz vor Husum die Durchsage vom Zugführer kam, dass der Zug bereits in Husum enden würde, da die Strecke zwischen Husum und Heide aufgrund eines Verkehrsunfalls in Lunden gesperrt sei.

Nun besitzt Schleswig-Holstein alles andere als ein dichtes Streckennetz. Aber wenn alles fährt, ist die Taktung in Schleswig-Holstein (aus Hamburger Perspektive) super. Am Ende des Tages war ich aber überrascht wie geschmeidig ich trotz fünfmaligen Umsteigens nach Hause gekommen bin und wie wenig Zeit ich länger gebraucht habe (von „Haustür“ zu „Haustür“ 4:40 statt 4:20). Da ich im Norden Hamburgs wohne, bin ich einfach auch über den Norden reinzufahren, statt den Bogen über die Hamburger Innenstadt zu machen.

In Husum fuhr fünf Minuten später eine Regionalbahn nach Kiel. Zwei Stationen weiter hieß es in Schleswig eine halbe Stunde auf den Regionalexpress aus Flensburg zum Hamburger Hauptbahnhof zu warten. Ich bin schon in Neumünster aus dem Regionalexpress gestiegen, um zehn Minuten später mit der Privatbahn AKN gen Hamburg zu fahren. Nach Umsteigen in Ulzburg Süd in eine andere Linie der AKN, die auf der gegenüberliegenden Seite des Bahnsteigs wartete, erreichte ich in Norderstedt Mitte das Hamburger U-Bahn-Netz, wo es auf der anderen Bahnsteigseite eine Minute später los ging.


Die 1-2 sonnigen und frostfreien Tage genutzt, um weiter gehen den Bambus vorzugehen. Ab jetzt wird es kompliziert, weil es in die Liguster-Hecke reingeht, wo der Bambus sich ebenfalls ausgebreitet hat. Aber aktuell habe ich wieder mehr Bock auf Garten.

Es sind derzeit teilweise anstrengende Tage und ich bin froh für jede Stunde Sonne.

Things I worked on.

Das große Kundenprojekt „t5“ ruhte. Stattdessen habe ich weiter bei den kleinen Kunden- und Bekannten-Websites die Typekit-Fonts gegen selbstgehostete Schriften ausgetauscht. Anderthalb Projekte sind jetzt noch umzustellen.


Kollateralfolge aus dieser Typekit-Geschichte: ich habe mich in das Thema „font-weight“ eingelesen. Es gibt keine festgeschriebenen Zuordnungen zwischen Schriftschnitt („Light“, „Bold“, „UltraBlack“ etc…) und font-weight-Wert („100“, „700“, „900“).

Es gibt eine Art „Best Practice“, wie er im W3C niedergeschrieben wurde. Aber tatsächlich ist es eher eine Unterscheidung, die individuell für die einzelnen Schriften gefällt werden muss. So gibt es beispielsweise Fälle in denen die „Book“ identisch mit der „Regular“, also „400“, ist und andere Fälle in denen sie dezent leichter ist: „300“ oder, auch das war mir neu, die krumme Zahl „350“.

Things I read.

Nichts großartiges gelesen. Die doppelt so dicke Jahresend-Ausgabe des „Economists“ fordert ihren zeitlichen Tribut.

  • WebDev: iPhone 11, iPadOS and iOS 13 for PWAs and web development, Maximiliano Firtman, Medium, 20.9.2019 – Frontend-Entwicklungs-relevante Änderungen in iOS 13. Überraschung: Safari für iPadOS 13 führt zwei unterschiedliche „Content-Modi“ ein, die teilweise recht gravierende Unterschiede im Umgang mit Hover(!), der Skalierung im Viewport und dem User-Agent besitzen.
  • WebDev: „StateOfJS 2019“ – Auswertung einer Umfrage zum Stand der JavaScript-Entwickler-Landschaft. Leider nur quantitative Aussagen, aber keine Analysen oder Bewertungen.
    „Brave“ hat inzwischen fast an „Microsoft Edge“ (3,8%) aufschließen können.
    Weiterhin gilt für React: „Die Flut hebt alle Boote“, wie z.B. die Test-Frameworks Jest und Storybook.
    Vue hat viel Momentum verloren. Angular und Ember scheinen jenseits des Zenits zu sein.
  • Feature: Why the ‘Queen of Shitty Robots’ Renounced Her Crown, Lauren Goode, WIRED 12.10.2019 – Portrait von Simone Giertz, die versucht, sich neu zu erfinden.
  • Feature: Jeff Bezos’s Master Plan, Franklin Foer, The Atlantic, November 2019 – Der Versuch Jeff Bezos Visionen zu erklären. Abgesehen vom ersten Teil, in denen es um die Raumfahrt-Affinität von Bezos geht, gibt es rund um Amazon, Amazon Prime, AWS und der Washington Post, viele altbekannte Versatzstücke rund um Bezos, wie z.B. ein Intellekt, der mitunter die Empathie zu verdrängen scheint.
  • Politik: Xinjiang security crackdown sparks Han Chinese exodus, Yuan Yang, Financial Times/$, 22.12.2019 – Der Überwachungsstaat zur Verfolgung von Moslems im Westen Chinas und die Repressalien gegen diese Uiguren zeitigen einen bislang kaum beachteten Nebeneffekt: die Han-Chinesen, teilweise durch Subventionen zur Übersiedlung nach Yinjiang gebracht, fliehen in den Osten zurück, weil sie keinen Bock haben, an jeder Supermarktkasse ihre Gesicht für eine biometrische Kontrolle hinzuhalten.
    Laut inoffiziellen Schätzungen hat sich im Laufe der letzten zwei Jahre hat sich die Bevölkerung in der zweitgrößten Stadt Korla auf 250.000 Einwohner halbiert(!)
  • Business: Fintech: the rise of the Asian ‘super app’, Mercedes Ruehl + James Kynge, Financial Times/$, 12.12.2019 – Apps versuchen weiter zu wachsen, in dem sie immer weitere Dienstleistungen anbieten.
    Der Essens-Bringdienst GrabFood bietet in Indonesien mit GrabPay Payment- und Buchhaltungs-Dienstleistungen, mit Ovo Kredite und mit ZhongAn Versicherungen für Kleinunternehmen an. Asien sei bei Mobile Services dem Rest der Welt zwölf Jahre voraus. – auch wenn noch keines dieser Unternehmen derzeit schwarze Zahlen schreibt.
  • Business: Why the global telecoms dream turned sour, Nic Fildes, Financial Times/$, 30.12.2019 – Vor 20 Jahren wähnten sich globale Telekommunikationskonzerne noch als kommende Herrscher der Welt. Inzwischen sind sie geschrumpft und zu austauschbaren Infrastruktur-Dienstleister verkommen, weil sie es nie geschafft haben, ihre Unternehmenskultur an den Konsumenten anzupassen.

Things I played.

Mit den traditionellen Weihnachts-Sonderangebote habe ich einige Spiele erworben.

Screenshot
Screenshot Meeple Station

Meeple Station ist „Dwarf Fortress meets RimWorld“ – der Aufbau einer Raumstation durch Spielfiguren, die ein gewisses Eigenleben führen. Dieses „Early Access“-Spiel hat sehr viel Charme, ist aber bezüglich der implementierten Spielmechanismen noch höllisch unausgewogen. Alles was du zu Beginn, beim initialen Aufbau der Station, vergisst, kannst du IMHO später nicht mehr kompensieren. Das Spiel kippt m.E. viel zu schnell in eine unrettbar negative Entwicklung, weil etliche Dinge bzgl. Ressourcen und Entwicklungsbaum viel zu weit weg sind. Nach dem das Spiel schon zwei Jahre in der Entwicklung ist, bin ich mir nicht sicher, ob die Entwickler dass noch hingebogen bekommen.

7 Days to Die – Mac-User haben nur eine sehr eingeschränkte Auswahl an 3D-lastigen Open World-Spielen. „7 Days to Die”, mit seiner sehr kruden Grafik, ist eine der wenige Optionen und „Die Prototypen” haben mich mit einem ihrer Videos damit angefixt. Allerdings bin ich noch nicht wirklich dazu gekommen, es zu spielen. Ich war nun 10 Minuten auf meinem Desktop-Mac, dem alten Staubsauger-Mac Pro, unterwegs und das Ergebnis war okay, aber nicht wachsweich animiert. Zudem hatte ich mit der Steuerung zu kämpfen. Ich will mal gucken, was mein neueres MacBook Pro daraus macht…

Things I listened to.

Bonnie Raitt. Inzwischen 70jährige Folk-, Blues- und Country-Sängerin bzw. exzellente Gitarristin. Raitt ist so ein Name, der im Laufe der letzten Jahrzehnte in den einschlägigen Musiksendungen immer wieder mal gespielt wurde, den ich aber nie wirklich bewusst wahrgenommen habe.

Ich weiß nicht mehr wie, aber auf YouTube bin ich auf ein Duett von Norah Jones und Bonnie Raitt, „Tennessee Waltz gestossen. Und mit dem ersten Gesangseinsatz von Raitt war ich hin und weg. Zumal sie auch eine sehr gepflegte Saite zupft. Beste Slide Guitar, die ich seit Ry Cooder gehört habe: Raitt im Duett mit John Lee Hooker. Hier Raitt mit einem kurzen Konzert bei der BBC.

Was war. KW#51

Joa. Ich kriege das regelmäßige Blogschreiben immer noch nicht hin. Nun gut. Mein Recap der letzten drei Wochen.

Things I worked on.

Frisch aus dem Urlaub zurückgekehrt, fing es für mich beim Kundenprojekt „t5“ wieder an. Die drei Wochen standen bereits im Zeichen des Jahresabschlusses und des Januars. Es gab viel Stundenzettel-Voodoo, wie er leider bei Konzernen inzwischen usus ist (inkl. Buchungs-Deadline alle Dezember-Stunden bereits Mitte Dezember). Dazu Vorausplanung für den Januar wg. Urlaub des Projektmanagers.

Eine Eigenart des Projektes sind die mitunter frugalen Spezifikationen – ablesbar an Tickets, bei denen ich im ersten Step eine sechszeilige Aufgabenbeschreibung auf über 100 Zeilen aufblähe. Bei Tickets mit größerem Scope, habe ich es mir angewöhnt, erst einmal im Kopf alle Edge Cases durchzuspielen. Und Edge Cases eskalieren schnell, wenn man drei unterschiedliche Breakpoints, Touch- und No-Touch-Devices und unterschiedliche Content-Mengen berücksichtigen muss.


In diesen drei Wochen und jetzt „zwischen den Jahren“ arbeite ich meine Liste an Kunden-Websites ab, in denen ich Adobe Typekit-Webfonts verarbeitet hatte, um sie nun gegen selbstgehostete Fonts zu ersetzen. Sechs Sites sind bereits angepasst. Vier sind noch auf der Liste.

Während ich bei Groteskschriften zahlreiche Alternativ-Fonts habe, ist das Angebot bei Antiquas deutlich dünner. Die Garamond Pro werde ich nicht annähernd nahtlos austauschen können.

Was mich aber beim Schriftenvergleich sehr geflasht hat: das große „W“ der Garamond und seinen überkreuzenden Diagonalen, die es wie zwei große „V“s wirken lassen. Verglichen mit der Darstellung anderer gewöhnlicher Antiquas, ist es eine komplexe Verzierung, die aber trotzdem nicht überladen wirkt. Wie aufwändig diese Form ist, fällt nicht nur im Vergleich zu anderen Antiquas, sondern auch im Vergleich zum kleinen „w“ auf. Das kommt im normalen Schriftschnitt gewöhnlich daher, während es im kursiven Schnitt den Garamond-typischen, schreibschrift-ähnlichen Schwung hat.

Der Buchstabe „W“ in der Garamond

Die Projekte habe ich zum Anlass genommen, mein Frontend-Boilertemplate, mit dem ich Projekte beginne, zu überarbeiten. Grunt habe ich rausgeschmissen und durch npm-Skripts ersetzt. Bei Sass kommt jetzt Dart-Sass zum Einsatz.


Mein drittes Projekt der drei Wochen war eine Website-Aktualisierung beim Projekt „Grün-Blau“. Einmal im Jahr wird eine Art Jahresabschluss-Statistik sowie eine Gebührentafel für das kommende Jahr veröffentlicht. Aus Zeitgründen habe ich hier jegliche Umbauten unterlassen und 1:1 den aus den Vorjahren etablierten Workflow durchgezogen.

Things I did.

Im Haus habe ich mich dieser Tage verstärkt um das Thema Licht gekümmert. Ich habe drei Stehlampen gegen eine Steh- und eine Tischlampe ausgetauscht – ich bin lichtempfindlich und daher immer noch ein sehr großer Freund von indirekter Beleuchtung.

In der Küche habe ich mit einem LED-Strip ein Defizit kompensiert, das seit dem Bau der Einbauküche (also dem Bezug des Hauses) vorhanden war. Eigentlich ist unter den Oberschränken eine LED-Leiste verbaut und es führen auch Stromkabel an den Übergabepunkt. Faktisch funktioniert sie nicht, was ich Trottel erst nach einigen Wochen überprüft habe. Ich hatte keinen Bock auf Schuldzuweisungen zwischen Elektriker und Küchenmonteure. Ich habe den Elektriker in Verdacht, dass er da einige Kabel verwechselt bzw falsch verlegt hat. Hatte ich letztes Jahr, einen Monat nach Bezug, Lust gehabt, mit dem Elektriker zu diskutieren und ggf. eine Wand aufstemmen zu lassen? Nope.

Nun habe ich einen LED-Strip gekauft und unter die Oberschränke geklebt. Im Schlafzimmer habe ich endlich eine brauchbare Nachttischlampe, die weder das ganze Stockwerk taghell illuminiert, noch ein derart funzeliges Licht liefert, dass ich keine Comics lesen kann. Im Wohnzimmer sind zwei sehr fette Stehlampen gegen gegen eine stabähnliche Stehleuchte ersetzt worden, die viel weniger Platz einnimmt.


Anderthalb Tage mit Magenverstimmung krank gewesen. Hat sich nicht schlimm angefühlt, aber dass ich dann in einem Rutsch elf Stunden durchschlief, ist für mich schon ein Zeichen, dass es mich etwas heftiger erwischt hat.


Endlich die Bremsbeläge am Fahrrad ausgetauscht, nachdem die Beläge vorne schon fast komplett ausgelutscht waren.


Unter der Woche einen der letzten sonnigen Nachmittag ausgenutzt und runter an die Elbe gefahren, um von Teufelsbrück gen Sonnenuntergang ins Treppenviertel zu laufen. Der Himmel so klar, dass man den von Fuhlsbüttel nach Süden gestarteten Fliegern minutenlang nachgucken konnte, bis sie nur noch ein Punkt im Himmel waren. Das Treppenviertel und die Haupteinkaufsstraße von Blankenese schon komplett im Weihnachtsmodus.


Es drängt es mich gerade wieder verstärkt in Richtung Zeichnen. Ich habe ja einen Studienabschluss „Illustration“. Nach dem ich aber anfangs meiner beruflichen Laufbahn, Mitte der 90er Jahre, noch viel mit Animation und Phasenzeichnungen zu tun hatte, ist das Zeichnen inzwischen komplett eingeschlafen und verkümmert.

Ich habe wieder verstärkt Lust, mich ans Zeichnen zu setzen. Dabei gab es zu „Black Friday“ noch einmal einen Schub, als das Standard-Programm für Illustratoren und Zeichner, „Clip Studio Paint“ (auch als „Manga Studio“ bekannt) zum halben Preis, für 22 Euro, vertickt wurde.

Ich habe mein altes Wacom-Zeichentablett heraus gekramt und sogar noch einen funktionsfähigen Treiber gefunden (ich fürchte mit Mac OS Catalina nicht mehr kompatibel). Und ich hatte durchaus viel Spaß. Am Bild zu Death Stranding sass ich die Feiertage über, mehrere Stunden.

Ich muss mich erst wieder aufbauen. Das Finden zu seinen eigenen Stilen passiert im Studium erst im Laufe der etlichen Semester und nach dem man 2–3 Jahre mit Aktzeichnungen und Stilleben Routine gewonnen und einiges ausprobiert hat.

Nach 20 Jahren Pause, muss ich mich wieder in das Zeichnen hinein finden. Das Auge trainieren. Den Kopf das Gesehene filtern und interpretieren lassen. Und das in die Hand einfließen und den Zeichenstift übertragen lassen.

Auch wenn du als Zeichner es mit einem flachen Medium zu tun hast, so hast du es doch mit einer Skulptur zu tun. Deine Hand und dein Stift müssen spüren, was du zeichnest, damit es sich auf den Strich oder die Farbfläche überträgt.

Wenn du mit Vorlagen (wie bei „Parasite“ oder „Death Stranding“) arbeitest, zeichnest du nicht einfach die Striche der Vorlage durch. Du lässt den ganzen Film oder den ganzen Norman Reedus einfließen. Der Fusselbart von Reedus ist auf der Vorlage nicht deutlich zu erkennen. Aber weil du Reedus in Aktion gesehen hast, weißt du, dass dieser Bart ein Schlüssel für seine Optik ist. Reedus‘ zärtliches Verhältnis zu seinem BB, wird nicht in der Vorlage erkennbar. Dies sind Projektionen und Interpretationen, die der Zeichner selbst beim einfachen „Durchpausen“ in die Zeichnung einbringen muss.

Auf dem Weg zurück zum Zeichnen muss ich versuchen all dies, was ich in den letzten 20 Jahren verloren habe, wieder zu finden.

Reading List

  • WebDev: Six Web Performance Technologies to Watch in 2020, Simon Hearne – Static Website-Generatoren in unterschiedlichen Ausprägungen, u.a. auch in Verbindung mit Headless CMS, WASM, Edge Compute (Code-Ausführung nicht vom Server oder Client, sondern Netzwerk-Dienstleister der dazwischen sitzt), Observability (mehr und bessere Metriken zur Performance-Messung), Platform improvements (Performance-Optimierungstechniken werden bereits pfannenfertig im Browser eingebaut, zB Lazy Loading), Web monetisation (geschmeidigeres Bezahlen durch standardisierte Web-APIs), Verbesserungen der DSGVO durch clientseitige Implementierungen.
  • WebDev: Tracking HTTP/2 Prioritization Issues – die unterschiedlichen Interpretationen der Priorisierung von Requests im HTTP/2-Standard scheint dermaßen verzwickt zu sein, dass man sich erst mit HTTP/3 Abhilfe erhofft.
  • Comics: Eine 16seitige Comic-Fassung der griechischen Sage „Illias
  • Politik: „PISA results can lead policymakers astray“, Economist vom 5.12.2019 – Schwankungen im PISA-Score sollten Politiker vor voreilige Schlüsse warnen.
  • Politik: „After half a century of success, the Asian tigers must reinvent themselves“, Economist-Special Report vom 5.12.2019 – Die Asian Tigers sind immer noch vom Export abhängig. Schwächen im Service-Bereich. Gleiche Altersprobleme wie Japan, weil ähnlich starke Geburtenrückgänge.
  • Science: “This 3D-printed Stanford bunny also holds the data for its own reproduction” – Wissenschaftler haben die Druckpläne für einen 3D-Objekt in Mikrokapseln integriert, die wiederum Teil der Druckflüssigkeit für den 3D-Printer sind, dass das 3D-Objekt ausdruckt. Man kann also ein Stück des Objektes abknapsen, eine der Mikrokapseln extrahieren und den enthaltenen Druckplan auswerten, um das Objekt „nachzudrucken“.
  • Science: Ein Browser-Spiel, dass die Basics der „Game Theory“ erklärt … und zwar auf eine Art und Weise, die bzgl. ihrer Lehren für das Leben, durchaus frustrierend ist.
  • Economics: „Reality and hype in satellite constellations…“, 12.12.2019, TMF Associates blog – Tim Farrar zerlegt das Geschäftsmodell von Starlink.

Things I watched.

  • YouTube-Kanal: The Modern Rogue – Professioneller YouTube-Kanal aus den USA mit gemischten Themen, die sich am ehesten mit „zwei Buddies probieren Dinge aus“ subsummieren lassen. Wie kann man Schlösser knacken, der Effekt von Miraculin, wie arbeiten Taschendiebe etc…
  • Sport: etliche Championship-Spiele auf Sportdigital angeguckt. Das Streamabo kostet nur 50,– Euro/Jahr und funktioniert live und on demand. DAZN hat inzwischen sein Fußballangebot aus den Sportdigital-Ligen mehr als halbiert (ca. 1–2 Championship-Spiele/Woche, 1x Eredivisie, 1x A-League) – was wiederum das Sportdigital-Stream-Abo lohnenswert macht.
  • Sport: Einige Rugby-Europapokal-Spiele gesehen und sehr von Leinster und Clermont beeindruckt gewesen.

Things I listened to.

1ter Dezember heißt: von jetzt bis Weihnachten landet Soma FMs „Christmas Lounge in die Heavy Rotation.

Games: „Death Stranding“

Sam Porter Bridges aus dem Spiel „Death Stranding“
Norman Reedus als Sam Porter Bridges

Anfang November ist nach viereinhalb Jahren Produktion, „Death Stranding“ für die PlayStation 4 erschienen, das lang erwartete erste Spiel vom Spieldesigner Hideo Kojima nach seiner Trennung von Konami und der „Metal Gear Solid“-Franchise. Die lange Wartezeit, die Verwendung namhafter Schauspieler und Sonys Marketing-Maschine sorgten für einen Hype, mit dem das Spiel beim Erscheinen über die Mediengrenzen hinweg, auch in TV und Print-Medien Wellen schlug.

Ich habe das Spiel nicht gekauft und nicht gespielt, aber dafür das komplette 27stündige „Let’s play“ vom YouTube-Kanal „Die Prototypen“ gesehen. Ich bereue es, das Spiel nicht gekauft zu haben. Aber ich hatte im Vorfeld anhand der veröffentlichten Trailer kein Vertrauen, dass der zur Selbstverliebtheit neigende Kojima ein brauchbares Spiel produzieren wird.

Herausgekommen ist aber etwas, bei dem zwar die Einzelteile kritikwürdig sind, aber was als Ganzes einen Eindruck hinterlässt, wie nur ganz wenige Spiele im Laufe einer Konsolenära.

Die Science Fiction-Story ist völlig abstrus. Sam Porter Bridges streift durch die postapokalyptische USA und muss im Rahmen des Wiederaufbaus, Gegenstände an Stützpunkte ausliefern, damit diese wieder an ein landesweites Netzwerk angeschlossen werden. Die Apokalypse ist durch „Death Stranding“ verursacht worden und hat zur Folge, dass die Welt der Toten immer präsenter wird. Wenn es regnet, erscheinen die Toten als „GDs“ („Gestrandete Dinge“) in der Landschaft und können die wenigen noch draußen umherlaufenden Menschen töten. Porter Bridges trägt ein „BB“ („Bridge Baby“), ein speziell gezüchtetes Embryo in einer Schutzglocke, bei sich. Diese Embryos, weil sie in ihrem Zustand zwischen Tod und Leben stehen, sind in der Lage ihrem Träger die umherziehenden „GDs“ anzuzeigen.

Die Absurdität des Plots vergrößert sich im Laufe der Zeit, wenn eine Terrorgruppe mit übernatürlichen Kräften auftritt und eine Präsidentinnen-Tochter an der Westküste am „Strand“ auf Befreiung wartet – „Strand“ ist der Ort der Toten.

Kojima hat einen unhandlichen Plot geschrieben, der nur so vor abstrakten Metaphern und Abkürzungen wimmelt, der aber halbwegs einer inneren Logik folgt, weswegen man als Zuschauer gerade noch mit kommt. Ich hege sowieso den Verdacht, dass der Plot ein groß angelegter Rorschach-Test ist, in dem jeder das hinein interpretiert, was er sehen möchte.

Wo das Spiel seine Meisterschaft findet und die Zuschauer/Spieler wirklich einfängt, sind die Spielfiguren und Filmsequenzen. Ich habe noch nie, derart gute und echte 3D-Modelle von Spielfiguren in Computerspielen gesehen. Zuletzt 3D-Spielfiguren immer wieder an zwei Knackpunkten gescheitert: die tot wirkenden Augen und der Mund mit zu harten Übergängen zwischen Lippen, Zähnen und dem hinteren Mundraum. Nicht so hier.

Noch nie gab es in einem Computerspiel derart lebendig wirkende 3D-Modelle. Zusammen mit den langen, filmischen Videosequenzen, ist es das erste Spiel, dass die Grenzen zwischen Computerspiel und Realfilm verwischt – umso beeindruckender dass dies zuerst bei einem Konsolen- und nicht einem PC-Spiel passiert.

Die andere Seite der „Selbstverliebtheit“ von Kojima ist die Besessenheit und Detailliebe in der Umsetzung, die sich bei den Spielfiguren und den liebevoll gestalteten Landschaften zeigt. Das Spiel lebt von diesem „Drumherum“, denn das Spielprinzip selber, ist, abgesehen von einigen Kampfsequenzen, nicht viel anders als der „American Truck Simulator“: hole Dinge von A ab und such deinen Weg nach B, um dort die Dinge wieder abzugeben.

„Death Stranding“ zeigt: auf den Kontext kommt es an. Die Verpackung und das Feuerwerk drum herum, heben dieses Spiel auf ein ganz eigenes Niveau – sonst wäre ich kaum fast 30 Stunden bei einem „Let‘s play“ dran geblieben. Das Spiel hat eine derart eigene Handschrift, dass es zu den Spielen zählen wird, von denen man noch in zehn Jahren sprechen wird: „Weisste noch?“. Es ragt aus dem derzeitigen Einheitsbrei der Triple-A-Spielen heraus. Im laufenden Spiel will man Kojima öfters zurufen, ob er noch alle Kaffeebecher im Regal hat. Am Ende ist man aber dankbar, dass es noch solche Dickköpfe gibt, die gnadenlos ihre Vision umsetzen.

Was war. KW#48

Things I did.

Letzte Woche hatte ich Urlaub. Letzten Sonntag bin ich für drei Tage nach St. Peter-Ording (präziser: „Bad St. Peter“) gefahren, wo es mir vor zwei Jahren so gut gefallen hatte und was damals für meine „emotionale Hygiene“ so wichtig war. Diesmal bin ich nicht ganz so geflasht zurückgekommen.

  • Dieses Jahr lag der Urlaub ca. vier Wochen später. Diese vier Wochen zwischen Ende Oktober und Ende November machen bei den Läden/Restaurants vor Ort einen großen Unterschied. Viele Läden haben geschlossen oder ihre Öffnungszeiten verändert. Google Map is shit und die Websites der Geschäfte/Restaurants sind nur manchmal hilfreich.
  • Das Wetter war ein gelangweiltes Grau in Grau. So gut wie kein Wind – für Windstille bin ich eigentlich nicht an die Nordsee gefahren. So gut wie keine Sonne. Temperaturen im Niemandsland zwischen kalt und warm.
  • Drei Tage waren für Alltags-Detox zu wenig. Erst am dritten Tag fingen der Kopf an, den Alltag loszulassen – aber dann war auch schon Abfahrt. Mein Fehler.

Grundsätzlich bleibt aber die Landschaft geil – Spazierengehen durch die endlosen Weiten des Wattenmeers und Salzwiesen ohne eine Menschenseele zu treffen.

St. Peter Bad, Wattenmeer

Things I worked on.

Vor und nach dem Kurzurlaub hatte ich zwei Websites eines Kunden zu aktualisieren. Anlass war der Umzug des Geschäftssitzes. Für mich war das vor allem der Tritt in den Allerwertesten, endlich mit einem Vorhaben fortzufahren, was schon seit einem Jahr auf meiner To Do-Liste steht: das Umschwenken von (Kunden-)Websites weg von cloudbasierenden Webschriften von Typekit hin zu selbst gehosteten Schriften.

Typekit ist vor Jahren von Adobe übernommen worden. 2018 hat Adobe dann den Wechsel der Preisstruktur von Typekit weg, hin zu dem überteuerten Adobe Cloud-Rip-Off angekündigt, der für mich irgendwann 2020 in Kraft treten würde. Seit dem habe ich bei etlichen Schriftenbundles von „Design Cuts“ zugeschlagen, um ein Portfolio an Webfonts aufzubauen – nur für die Umstellung der Sites fand ich noch keine Zeit.

Die Umstellung der ersten Website nahm viel Zeit in Anspruch. Die Site ist 2004 entstanden und das Projekt wurde von mir fast auf den Tag genau, vor fünf Jahren, 2014, auf Grunt umgestellt – mit all den Problemen die es zB mit SCSS inzwischen macht. Grunt hat, ähnlich wie Gulp, inzwischen das Ende seiner Lebenszeit erreicht. Deswegen habe ich den Scope „Umstellung auf eigene Webfonts“ zu „Wechsel auf einen ’zukunftssicheren‘ (YMMV) Task-Runner“ aufgebohrt.

Als Frontend-Entwickler rauscht über Twitter und Newsletter immer eine gewisse Nachrichtenlage über angesagte Frontend-Dinge vorbei. Daraus entstand bei mir der Eindruck, dass WebPack in Sachen Task-Runner „state of the art“ sei und begann am Tag vor dem Urlaub, dieses mal anzutesten und Grunt raus- und Webpack rein zu schmeissen.

Am frühen Abend bekam ich dann die Kinnlade nicht mehr geschlossen – so erstaunt war ich über das Ergebnis, dass WebPack als Task Runner für Dinge jenseits eines JavaScript-Fokus im Grunde genommen nur ein notdürftiger Hack ist. Das für mich so offensichtliche Ergebnis, entsprach so gar nicht dem Bild, den viele Artikel im Frontend-Bereich vermitteln. Im Nachhinein erkläre ich es mir damit, dass viele Entwickler im Bereich der JS-Frameworks wie React, Vue, Angular & Co. mit WebPack einen Hammer bekommen haben und damit nur noch Nägel zum Reinschlagen sehen.

Meine Probleme mit der WebPack-Verwendung außerhalb der JS-Welt, zB für SCSS/CSS, Templating oder Assets-Verwaltung, erklären sich aus dem Aufbau von WebPack. Vereinfacht funktioniert WebPack so:

  1. WebPack arbeitet anhand einer selbst erstellten Konfigurationsdatei
  2. Dort werden Dateien werden als „Entrypoints“ eingetragen.
  3. Aus jeder als Entrypoint abgelegten Datei, extrahiert WebPack einen „Dependency Tree“ und holt sich alle weitere Dateien, die als „Abhängigkeit“ im Entrypoint verlinkt/importiert wurde. Diese Dateien werden in einem Workflow reingekippt. Je nach Dateinamen/-Endung/-Ort kann ein eigener Workflow aufgezogen werden.
  4. Der Workflow ist eine Abfolge von in der Konfiguration eingetragenen Modulen, die die reingekippten Dateien bearbeiten. Z.B. bei SCSS: mache aus SCSS-Inhalt einen CSS-Inhalt. Transformiere den CSS-Inhalt mit Autoprefixer.
  5. Das Endprodukt jedes Entrypoints ist eine JavaScript-Datei, die die Summe der durch den Workflow bearbeiteten, abhängigen Dateien enthält.

Die Betonung liegt auf: jede als Entrypoint abgelegte Datei produziert exakt eine Javascript-Datei. Ja, auch wenn ich eine SCSS-Datei als Entrypoint ablege und durch einen CSS-Workflow jage, ist das Endprodukt eine Javascript-Datei. Diese enthält CSS-Anweisungen, die in einem WebPack-Wrapper verpackt sind – wenig hilfreich.

Also muss am Ende des Workflows ein weiteres Modul eingehängt werden: MiniCssExtractor – der extrahiert aus der produzierten JS-Datei den CSS-Code und schreibt ihn in eine CSS-Datei.

Damit produziert WebPack also zwei Dateien: eine CSS-Datei und eine nutzlose JS-Datei. Um diese los zu werden, muss noch mal ein Modul am Ende des Workflows eingehängt werden, damit die nicht benötigte JS-Datei gelöscht wird – im Gegensatz zum MiniCssExtractor gibt es aber hier kein etabliertes Standard-Modul, sondern ein halbes Dutzend von irgendwelchen händisch zusammengeklöppelten WebPack-Modulen.

Genau diese Geschichte mit dem MiniCssExtractor und dem JS-File-Remove-Modul ist für mich die Quintessenz des WebPack-Missverständnisses. Es ist kein Task Runner, sondern ein JS-Module-Bundler. Fair enough, steht ja auch drauf. Aber das so viele das Ding als Task Runner vergewaltigen, hat mich schon verblüfft.

Selbst WebPack, 2012 gestartet, scheint das Task Runner-Thema erst jetzt auf den Schirm zu bekommen. Der MiniCssExtractor wurde im Mai 2019 Nachfolger des ExtractTextWebpack-Moduls, das im März 2018 durch Umstellungen in Webpack 4 gegen die Wand gefahren wurde. Das Problem mit der Produktion einer nicht benötigten JS-Datei soll irgendwann 2020 mit Webpack 5 behoben werden.

Aus Frontend-Sicht handelt man sich mit WebPack als Task Runner eine wackelige Plattform und eine hohe Abhängigkeit von der Weiterentwicklung notwendiger WebPack-Modulen ein (s.o., das Desaster rund um ExtractTextWebpack in WebPack 4). Man wechselt also seine Grunt-/Gulp-Abhängigkeit gegen WebPack-Fesseln ein.

An jenem Abend wurde mir dann klar, dass es nur einen Weg gibt, um die Abhängigkeiten zu reduzieren und flexibel zu bleiben: npm-Skripts.

npm basiert auf „pures“ NodeJS. Eingehängte Module können Shell- oder NodeJS-Skripts sein. Es werden keine speziellen Wrapper gebraucht, um sie für einen Grunt- oder Gulp-Task Runner lauffähig zu machen.

Dieser „Down to the Metal“-Ansatz stärkt zu dem das Kennenlernen der Shell und den grundlegenden NodeJS-Modules zB rund um das Datei-System.

Bookmarks

Was war. KW#46

Eine Woche übersprungen und jetzt in Kalenderwoche 46 gelandet. Ich kriege dieses neue Bloggen zeitlich noch nicht organisiert. Momentan steht und fällt es mit der Zeit die ich am Sonntag habe – die ist aber derzeit aufgrund der NFL-Spiele am Abend eh limitiert. Und wenn dann noch anderer Sport oder Arbeit dazu kommt…

Things I did.

Meine zwei bis drei Wochen Urlaubsvertretung meiner Frontend-Kollegin beim Kundenprojekt „t5“ ist abgeschlossen. Ich fahre in der kommenden Woche auf zwei Tage zurück, ehe ich selber für ein paar Tage in den Urlaub fahre.

Bei „t5“ sass ich jetzt über zwei Wochen an einer größeren Komponente, deren Entwicklung Spaß gemacht hatte. Mein kleines Highlight war die Verwendung von Array.reduce() um aus einem JSON-Array mit Daten für einen Haufen von Teasern, einen HTML-String zu generieren.

Nicht ganz so geil, waren Reibungsverlusten die zwischen UI, Design, Projektmanagement und Frontendumsetzung auftreten. UI entwickelt seine Wireframes in einem Mac-only Vektorgrafikprogramm namens Sketch. Design erweitert diese Datei um die finalen Designs. Projektmanagement und ein Teil der Frontendumsetzer arbeiten auf Windows-Kisten und verwenden einen inoffiziellen Sketch-Client namens „Lunacy“ und ein anderer Teil (me) hat Sketch. Ich stehe teilweise vor Inkonsistenzen zwischen Wireframes und Designs und frage mich: Absicht oder Bug. Die anderen stehen vor Lunacy und fragen sich: ist das vom Design so gewollt oder ist das wieder ein Konvertierungsproblem von Lunacy? Jeder Stakeholder bekommt so eine sehr eigene Perspektive auf die Vorlage.

Ich wiederhole mich an dem Punkt: es kann nicht sein, dass wir 12 Jahre nach „Erfindung“ von responsiven Webdesign immer noch mit solchen Krücken im Workflow arbeiten – mal so als genereller Vorwurfe an die Softwarelandschaft ausgeschrieben. Das Handoff an die Frontenwicklung besteht ausschließlich aus Grafikdateien. Der/Die Frontendler*in darf händisch abmessen und muss eigenständig ableiten, was für Designregeln in dynamischen Browsern, sich aus den statischen Designs ableiten lassen – für ein Content-Management-System, in das unterschiedlichste Inhalte reingekippt werden und dass auch noch in einem halben Dutzend Sprachen und unterschiedlichen Schriftsystemen.

Es gibt zahlreiche Details, weswegen ich Sketch nicht mag. Die Roadmap, beginnend mit Sketch 60, liest sich nicht schlecht (Stichwort: Web-Oberfläche als Handoff-Dokument, Annotations – wie man es seit geraumer Zeit schon von Adobes XD kennt). Die neue Umsetzung von Komponenten scheint aber die eh schon katastrophale (& nicht vorhandene) Übersichtlichkeit von Sketch verschlechtert zu haben. Die Verrisse in den Kommentaren sind so derbe, dass sich Sketch veranlasst sah, seinen Blogartikel zu aktualisieren und (mal wieder) Besserung zu geloben.

Ich muss mir dringend mal Figma und Invision angucken. Sketch traue ich Fortschritte nicht mehr zu (und ein reiner Mac-Client ist inzwischen auch ein Ausschlusskriterium) und die prohibitive Preispolitik lässt eine Verwendung von Adobe Software nicht zu.


Mittwochs ist immer der Tag des langen Wochenmeetings beim Kunden vor Ort. Vorletzter Woche bin ich nach dem Meeting mit dem Rad in die Stadt gefahren, um ins Savoy-Kino zu gehen. Ich hatte eine Stunde Zeit zum Totschlagen und bin durch die Lange Reihe und dem Lohmühlenpark spazieren gegangen. Ein Jahr „Abgeschiedenheit“ in Langenhorn haben ausgereicht, um die Wahrnehmung eines Stadtteils wie St. Georg zu verändern, wo viel Leben auf den schmalen Bürgersteigen herrscht, viele kleine Läden, Cafés und Restaurants sind und der Straßenverkehr sich durch die schmale Straße quält.

Im Lohmühlenpark habe ich mich hingesetzt, das Krankenhaus St. Georg im Rücken. Die Dunkelheit legte sich über den Park und ich habe versucht den Geräuschen zu lauschen. Der lauten Tür vom Abendgymnasium. Den Generatoren im Krankenhaus. Den Krankenwagen, die an der Alster entlang fuhren. Den Hunden auf der Hundewiese. Die Eindrücke aus der Langen Reihe setzten sich fort: das Einprasseln von optischen und akustischen Sinneseindrücken.


Sinnbild für meine „Entfernung“ aus den zentralen Vierteln Hamburgs (z.B. meinem früheren Wohnort in Eimsbüttel) war an jenem Abend die Fahrt zurück mit dem Rad über „meine“ Niendorfer Strecke. 16,5km vom Hauptbahnhof aus. Auf einer Hauptausfallstraße geht es raus. Zuerst durch das Univiertel. Dann an den Mehrfamilienhäusern Lokstedts vorbei. Auf halber Strecke, am Niendorf Markt geht es runter von der Hauptstraße durch das Wohngebiet parallel zum Flughafengelände, mit viel Grün und den Vorgärten der Einfamilienhäusern. Autos sieht man hier nach neun Uhr abends nicht mehr. Im Herbst fährt man hier durch erste Schwaden von Bodennebel, die so unvermittelt vor den Fahrradscheinwerfer auftauchen, dass man glaubt, man hätte einen Vogel angefahren. Hinter dem Krohnstiegtunnel geht es dann am Bornbach entlang weiter – dann auch ohne Straßenbeleuchtung und endgültig allein.

Diese Strecke auf dem Fahrrad fühlt sich wie eine physikalische Metapher für diesen neuen Wohnort an.

Things I watched.

Zeichnung nach dem Filmplakat
Frei nach dem Filmplakat

Der Film im Savoy war „Parasite“ von Bong Joon-ho. Gewinner des Cannes Filmfestivals und Kandidat für den Oscar.

Ich schwanke ob ich dem Film vier oder fünf von fünf Sternen gebe. Er ist sehr clever gemacht. Er ist cinematographisch aufregend und perfekt – wieviele Stills könnte man als Poster verwenden. Die Schauspieler sind grandios. Der Film ist intensiv. Und der Film ist so voll an Metaphern, dass vermutlich noch unendlich viel an Sekundärliteratur entstehen wird.

Man kann den Film schwer besprechen, ohne dass Dinge spoilert, die man nicht spoilern will oder sollte.

Hinreichend bekannt ist die Prämisse: der Film schildert das Leben zweier Familien. Die Kims, die in der Souterrain-Wohnung eines südkoreanischen Slums leben und die Parks, die im Villenviertel in einem luxuriösen, modernen, architektonischen Meisterwerk wohnen.

Der Sohn der Kims wird durch einen Kumpel als Englisch-Nachhilfelehrer für die Tochter der Parks eingeschleust. Dem Sohn gelingt es, unter falschen Namen, seine Schwester als Kunsttherapeutin für den kleinen Park-Sohn zu vermitteln und kurze Zeit später sind auch Mutter und Vater, jeweils mit falschen Namen, als Hausangestellte drin.

Als man den Film als rabenschwarze Screwball-Komödie wähnt, schleichen sich immer stärker eine andere Tonalitäten ein – ablesbar an Vater Kim, Kim Ki-taek, gespielt von Song Kang-ho, dessen Mimik zu einem Schlüssel im Film wird.

Einige Rezensionen sprechen von Kapitalismuskritik. Das geht IMHO dann doch zu weit. Bong Joon-hoi versteht sich nur als Beobachter. Deutschlandradio Kultur sagte er:

Glauben Sie mir, ich will keine Botschaften vermitteln. Film als Propaganda liegt mir fern. Ich möchte, dass meine Filme nur eins sind: unterhaltsam. Ich will, dass Kino Spaß macht. Das ist mein Antrieb. Aber natürlich bin sehr nah bei meinen Figuren. Ich mag meine Figuren. Und da ich ihre Lebensumstände recht real beschreibe, bekommt der Film etwas Politisches. Mir ist das bewusst. Ich kann dem nicht entkommen, obwohl ich das immer wieder probiere, indem ich explizite politische Bezüge und Dialoge rausstreiche. Das Medium Film ist ja vielleicht immer politisch, auch wenn ich nur unterhalten will.

Tatsächlich hat mich am Ende des Films die Frage beschäftigt, ob mir diese explizite Kritik, die ein Stück weiter auch immer besserwisserisch Lösungsvorschläge erbringt, mir gefehlt hat und es sich Bong Joon-ho ein Stück weit zu einfach gemacht hat. Aber Bong Joon-ho ist mit seiner Verweigerung die Parks als reine Karikaturen anzulegen und dafür auch den Kims negative Facetten zu geben, näher an der Wirklichkeit dran und differenzierter, als ideologisch geprägte Filme.

Geht‘s raus. Schaut euch diesen Film an. Schaut ihn ruhig in der Originalfassung mit englischen Untertiteln an. Die deutsche Synchro wirkte auf mich blass.

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