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Tag: Filme

Filmposter

Als der Film nach 140 Minuten Bilderflut zu Ende war, verließ ich benommen das Kino, in den Nieselregen von Altona. Was hatte ich da gerade gesehen? Wie kann ich es mit Worten beschreiben? Wird es dem Film überhaupt gerecht, wenn ich versuche, mich der Handlung anzunähern? Vermutlich kann das Filmplakat die Facetten des Films sehr viel besser als jede Zusammenfassung abzubilden.

Der Film spielt mit verschiedenen Realitätsebenen, neudeutsch „Multiversen“ genannt. Stell’ dir vor, wie „The Matrix“, nur sich für nicht so wichtig nehmend.

Der Ausgangspunkt, a.k.a. die ersten zehn Minuten, zeigen eine chinesische Einwandererfamilie in den USA, die einen Waschsalon besitzen. Evelyn Wang, gespielt von der 59jährigen Michelle Yeoh, die hier ihr Opus Magnum gefunden hat, hält alles am Laufen: den Waschsalon, die Buchhaltung und das Abendessen für den Vater und die Tochter. Tochter eröffnet ihrer Mutter, dass sie eine lesbische Beziehung angefangen hat. Der Ehemann Waymond legt die Scheidungspapiere vor. Der Vater bekommt nicht rechtzeitig sein Essen und geht runter in den Salon. Das chinesische Neujahrsfest für den Waschsalon will vorbereitet werden. Und Evelyn muss wegen Unregelmäßigkeiten bei den eingereichten Belegen, beim Finanzamt vorsprechen. Der Alltag als sensorischer Overload.

Im Fahrstuhl verändert sich ihr Ehemann und eröffnet Evelyn, dass er eigentlich aus einem anderen Universum kommt und es viele Paralleluniversen gibt, und sie, Evelyn, die einzige ist, die die Universen vor der Bedrohung von Jobu Tupaki retten kann. Es folgen knapp zwei Stunden irre Reisen durch die Multiversen, in denen Evelyn immer wieder neue Eigenschaften annimmt, um im Kampf gegen Jobu Tupaki zu bestehen. Es ist ein wahnsinnig gut choreographierter und origineller Bildertrip, der in Sachen Phantasie mal eben die letzten Jahrgänge Marvel-Filme, komplett an die Wand spielt (was auch für die komplette Schauspiel-Crew des Films gilt).

Ohne zu spoilern wie, bekommt der Film in seiner Schlussphase noch einen zweiten, melancholischeren Grundton. Und es ist jener Grundton der das Finale bestimmt und die eigentliche raison d’être des Films darstellt.

Diese Wandlung sollte man mit dem Film selber mitmachen, statt sie durch Rezensionen vorwegzunehmen. Am Ende des Films ist man in der Realität wieder zurück. Im Falle von Evelyn, als anderer Mensch und als eine Befreiung von den Zwängen des Umfeldes.

Dank der Bildgewalt bietet der Film genügend Material um jedwede Metapher herauszulesen zu können (bis hin zu Ying/Yang, verkörpert durch einen Donut und Wackelaugen – don’t ask, watch the film…)

Eintrittkarte

Ein einzigartiger Film, wie man ihn vermutlich nur einmal im Leben erlebt. Und doch bin ich mir nicht sicher, ob diese Flut an Sinnesendrücken nicht auch dazu beiträgt, dass die Substanz des Filmes nur von kurzer Halbwertszeit ist.

4 von 5 Sternen.

Film: „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“

Filmplakat

Gleich eingangs eine semantische Bemerkung zu diesem 2017er-Science Fiction-Film von Luc Besson: obwohl die Comic-VorlageValerien und Veronique“ (bzw „Valerian and Laureline“) heißt, steht im Filmtitel, egal ob im englischen Original, der französischen oder deutschen Version nur der männliche Held im Titel. WTF?

Der französische Regisseur Luc Besson hat sich an der filmischen Umsetzung der zwischen 1967 und 2010 erschienenen französischen Comic-Serie versucht und dabei ist ein typischer Besson-Film herausgekommen: optisch interessant, aber ansonsten… („La femme Nikita“ und „Léon, the Professional“ nehme ich hierbei ausdrücklich aus).

Valerian und Veronique sind Raum-/Zeit-Agenten der „United Human Federation“. Sie werden beauftragt auf einem Schwarzmarkt-Planeten das letzte noch lebende Exemplar eines „Transmutators“ zu holen. Nach diesem Auftrag kehren sie zur Raumstation Alpha zurück. Alpha ist im Laufe von mehreren hundert Jahren die größte Raumstation des Universums geworden, mit einer Ansammlung von tausende von unterschiedlichen Völkern, die mit ihren Bauten an die Raumstation andockten.

Bei ihrer Rückkehr erfahren Valerian und Veronique, dass es inzwischen im Kern der Raumstation eine „Rote Zone“ mit Radioaktivität und tödlicher Atmosphäre gibt, die sich ausbreitet. Sensoren sind nicht in der Lage zu erkennen, was in dieser Zone vor sich geht und alles was an Spähtrupps ausgeschickt worden ist, ist nicht wieder zurückgekehrt.

Wegen dieser „Roten Zone“ kommt es auf Alpha zu einer Sondersitzung des Sicherheitsrats. Diese wird von unbekannten Wesen gestürmt und ein Fünf-Sterne-General entführt. Bei einer wilden Verfolgungsjagd zerschellt Valerian in der „Roten Zone“. Veronique macht sich auf, Valerian aus der „Roten Zone“ zu bergen…

Zwei deutsche Cover der „Valerian & Veronique“-Comic-Serie
Die beiden Bände auf die sich der Film bezieht

Auch wenn der Filmtitel den zweiten Band von 1971 „Im Reich der tausend Planeten“ referenziert, basiert der Plot auf den 6ten Band von 1975 „Botschafter des Schatten“.

Dreizehn weitere Cover der „Valerian & Veronique“-Comic-Serie
Ausschnitt aus einer Doppelseite
Ausschnitt aus dem Band „Botschafter des Schatten

Und so ein bisschen ist dies Sinnbild für das Problem der Umsetzung einer Comic-Serie, die sich von 1967 bis 2010, also 43 Jahre, erstreckt und so fest an Autor Pierre Christin und Zeichner Jean-Claude Mézières gebunden ist. wie „Valerien und Veronique“: was bildest du eigentlich ab?

Die Stories, die Charaktere, die Zeichnungen und damit die Tonalität haben sich insbesondere Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre massiv geändert. Während die ersten Bände noch Abenteuer-Comics waren, rückten just ab dem 6ten/7ten Band zunehmend gesellschaftliche Themen in den Mittelpunkt und wurde die Comic-Serie „erwachsen“.

Die Comic-Serie wird vom Film in ihrer Tonalität überhaupt nicht getroffen. Besson schien dies komplett egal zu sein. Hauptsache Content für die Etablierung einer neuen Popkorn-Kino-Franchise.

Daraus ist nichts geworden. Der Film ist böse an den Kassen gefloppt. Geplante Fortsetzungen sind eingestampft worden.

Woran es nicht gelegen hat, ist die Optik. Das Bestiarium ist wirklich hervorragend aus dem Comic adaptiert. Man bekommt eine sehr „freshe“, weil ungewohnte Optik, die deutlich abseits der normalen US-Science-Fiction inspiriert ist.

Der Plot ist dagegen schon deutlich meh. Der Plot wirkt nicht kohärent und dreht einige Extraschleifen um den Film zu strecken (was soll bitte die ganze Episode rund um Rihanna/Bubble?).

Durch die Plotlöcher kannst du ganze Viehherden treiben. Die Schauspieler lassen einen kalt und die Charaktere sind vorhersehbare Genre-Abziehbilder. Eine Adaption der Comic-Serie wäre schon aufgrund der Entwicklung der Charaktere über die 43 Jahre hinweg, deutlich besser in einer Serien-Produktion statt eines/mehrerer Event-Filme aufgehoben gewesen.

Meine Wertung: 2 von 5 Sternen und dies auch nur aufgrund des Designs im Film.

Film: „The Inside Men“

Filmplakat „Inside Men“

„Inside Men“ ist ein südkoreanischer Polit-/Rachethriller von 2015 – derzeit bei Amazon Prime Video.

Im Mittelpunkt stehen An Sang-Goo, ein kleiner Gangster der Handlager-Jobs für Politiker durchführt, Woo Jang-Hoon, ein ebenso idealistischer Staatsanwalt und Lee Gang-Hee, einst ein Kämpfer der Demokratiebewegung und inzwischen Chefredakteur einer einflußreichen Zeitung.

Der Gangster An wird dabei erwischt, wie er dem Chefredakteur Lee eine Kopie einer Liste über Schmiergeldzahlungen des Konzerns Mirae Motors an den Präsidentschaftskandiaten Jang Pil-woo anvertraut. Kurze Zeit später wird An wird von Leuten Mirae Motors entführt. Als Warnung vor einer Veröffentlichung der Liste, sägen diese Ans rechte Hand ab.

Auch der Staatsanwalt Woo ist an dem Schwarzgeldkonto von Mirae Motors dran. Während eines Verhörs stürzt sich aber der Chefbuchhalter des Konzerns aus dem Hochhaus stürzt und Woo steht vor den Scherben seiner Untersuchung. Als Mann aus der Provinz und ohne Seilschaft, wird er innerhalb der Staatsanwaltschaft kalt gestellt. Woo ermittelt aber weiter.

Dabei taucht auf seinem Radar der Gangster An auf. Knapp zwei Jahre nach dem Verlust seiner Hand arbeitet er zum Schein als Toilettenmann in einer Disko. Unter diesem Deckmantel versucht er Beweismaterial gegen den Präsidentschaftskandidaten und Mirae Motors zu produzieren, in dem er Leute anheuert, um sie dort einzuschleusen.

Das zweite Drittel des Films schildert, wie Staatsanwalt Woo und Gangster An sich langsam näher kommen, weil sie erkennen, dass sie trotz ihrer gegensätzlichen Motivationen (Ideale vs Rache) letztendlich das gleiche Ziel haben und der eine nicht ohne den anderen auskommt.

Im letzten Filmdrittel versuchen sie den Korruptionsskandal an die Öffentlichkeit zu bringen. Der Plot vollführt dabei mehrere Wendungen, die die Protagonisten immer wieder in ein anderes Licht rücken.

Es ist ein sehr unterhaltsamer Thriller, der sowohl stark in der Charakterzeichnung als auch im Plot ist und bis kurz vor Ende mehrere Auflösungen offen lässt. Schnell war ich auch von den schauspielerischen Leistungen gefangen genommen.

Meine Wertung: 4 von 5 Sternen.

© 2022 Kai Pahl

Theme basiert auf „Lingonberry“ von Anders NorenNach Oben ↑