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Category: Gesehen

Was war. KW#51

Joa. Ich kriege das regelmäßige Blogschreiben immer noch nicht hin. Nun gut. Mein Recap der letzten drei Wochen.

Things I worked on.

Frisch aus dem Urlaub zurückgekehrt, fing es für mich beim Kundenprojekt „t5“ wieder an. Die drei Wochen standen bereits im Zeichen des Jahresabschlusses und des Januars. Es gab viel Stundenzettel-Voodoo, wie er leider bei Konzernen inzwischen usus ist (inkl. Buchungs-Deadline alle Dezember-Stunden bereits Mitte Dezember). Dazu Vorausplanung für den Januar wg. Urlaub des Projektmanagers.

Eine Eigenart des Projektes sind die mitunter frugalen Spezifikationen – ablesbar an Tickets, bei denen ich im ersten Step eine sechszeilige Aufgabenbeschreibung auf über 100 Zeilen aufblähe. Bei Tickets mit größerem Scope, habe ich es mir angewöhnt, erst einmal im Kopf alle Edge Cases durchzuspielen. Und Edge Cases eskalieren schnell, wenn man drei unterschiedliche Breakpoints, Touch- und No-Touch-Devices und unterschiedliche Content-Mengen berücksichtigen muss.


In diesen drei Wochen und jetzt „zwischen den Jahren“ arbeite ich meine Liste an Kunden-Websites ab, in denen ich Adobe Typekit-Webfonts verarbeitet hatte, um sie nun gegen selbstgehostete Fonts zu ersetzen. Sechs Sites sind bereits angepasst. Vier sind noch auf der Liste.

Während ich bei Groteskschriften zahlreiche Alternativ-Fonts habe, ist das Angebot bei Antiquas deutlich dünner. Die Garamond Pro werde ich nicht annähernd nahtlos austauschen können.

Was mich aber beim Schriftenvergleich sehr geflasht hat: das große „W“ der Garamond und seinen überkreuzenden Diagonalen, die es wie zwei große „V“s wirken lassen. Verglichen mit der Darstellung anderer gewöhnlicher Antiquas, ist es eine komplexe Verzierung, die aber trotzdem nicht überladen wirkt. Wie aufwändig diese Form ist, fällt nicht nur im Vergleich zu anderen Antiquas, sondern auch im Vergleich zum kleinen „w“ auf. Das kommt im normalen Schriftschnitt gewöhnlich daher, während es im kursiven Schnitt den Garamond-typischen, schreibschrift-ähnlichen Schwung hat.

Der Buchstabe „W“ in der Garamond

Die Projekte habe ich zum Anlass genommen, mein Frontend-Boilertemplate, mit dem ich Projekte beginne, zu überarbeiten. Grunt habe ich rausgeschmissen und durch npm-Skripts ersetzt. Bei Sass kommt jetzt Dart-Sass zum Einsatz.


Mein drittes Projekt der drei Wochen war eine Website-Aktualisierung beim Projekt „Grün-Blau“. Einmal im Jahr wird eine Art Jahresabschluss-Statistik sowie eine Gebührentafel für das kommende Jahr veröffentlicht. Aus Zeitgründen habe ich hier jegliche Umbauten unterlassen und 1:1 den aus den Vorjahren etablierten Workflow durchgezogen.

Things I did.

Im Haus habe ich mich dieser Tage verstärkt um das Thema Licht gekümmert. Ich habe drei Stehlampen gegen eine Steh- und eine Tischlampe ausgetauscht – ich bin lichtempfindlich und daher immer noch ein sehr großer Freund von indirekter Beleuchtung.

In der Küche habe ich mit einem LED-Strip ein Defizit kompensiert, das seit dem Bau der Einbauküche (also dem Bezug des Hauses) vorhanden war. Eigentlich ist unter den Oberschränken eine LED-Leiste verbaut und es führen auch Stromkabel an den Übergabepunkt. Faktisch funktioniert sie nicht, was ich Trottel erst nach einigen Wochen überprüft habe. Ich hatte keinen Bock auf Schuldzuweisungen zwischen Elektriker und Küchenmonteure. Ich habe den Elektriker in Verdacht, dass er da einige Kabel verwechselt bzw falsch verlegt hat. Hatte ich letztes Jahr, einen Monat nach Bezug, Lust gehabt, mit dem Elektriker zu diskutieren und ggf. eine Wand aufstemmen zu lassen? Nope.

Nun habe ich einen LED-Strip gekauft und unter die Oberschränke geklebt. Im Schlafzimmer habe ich endlich eine brauchbare Nachttischlampe, die weder das ganze Stockwerk taghell illuminiert, noch ein derart funzeliges Licht liefert, dass ich keine Comics lesen kann. Im Wohnzimmer sind zwei sehr fette Stehlampen gegen gegen eine stabähnliche Stehleuchte ersetzt worden, die viel weniger Platz einnimmt.


Anderthalb Tage mit Magenverstimmung krank gewesen. Hat sich nicht schlimm angefühlt, aber dass ich dann in einem Rutsch elf Stunden durchschlief, ist für mich schon ein Zeichen, dass es mich etwas heftiger erwischt hat.


Endlich die Bremsbeläge am Fahrrad ausgetauscht, nachdem die Beläge vorne schon fast komplett ausgelutscht waren.


Unter der Woche einen der letzten sonnigen Nachmittag ausgenutzt und runter an die Elbe gefahren, um von Teufelsbrück gen Sonnenuntergang ins Treppenviertel zu laufen. Der Himmel so klar, dass man den von Fuhlsbüttel nach Süden gestarteten Fliegern minutenlang nachgucken konnte, bis sie nur noch ein Punkt im Himmel waren. Das Treppenviertel und die Haupteinkaufsstraße von Blankenese schon komplett im Weihnachtsmodus.


Es drängt es mich gerade wieder verstärkt in Richtung Zeichnen. Ich habe ja einen Studienabschluss „Illustration“. Nach dem ich aber anfangs meiner beruflichen Laufbahn, Mitte der 90er Jahre, noch viel mit Animation und Phasenzeichnungen zu tun hatte, ist das Zeichnen inzwischen komplett eingeschlafen und verkümmert.

Ich habe wieder verstärkt Lust, mich ans Zeichnen zu setzen. Dabei gab es zu „Black Friday“ noch einmal einen Schub, als das Standard-Programm für Illustratoren und Zeichner, „Clip Studio Paint“ (auch als „Manga Studio“ bekannt) zum halben Preis, für 22 Euro, vertickt wurde.

Ich habe mein altes Wacom-Zeichentablett heraus gekramt und sogar noch einen funktionsfähigen Treiber gefunden (ich fürchte mit Mac OS Catalina nicht mehr kompatibel). Und ich hatte durchaus viel Spaß. Am Bild zu Death Stranding sass ich die Feiertage über, mehrere Stunden.

Ich muss mich erst wieder aufbauen. Das Finden zu seinen eigenen Stilen passiert im Studium erst im Laufe der etlichen Semester und nach dem man 2–3 Jahre mit Aktzeichnungen und Stilleben Routine gewonnen und einiges ausprobiert hat.

Nach 20 Jahren Pause, muss ich mich wieder in das Zeichnen hinein finden. Das Auge trainieren. Den Kopf das Gesehene filtern und interpretieren lassen. Und das in die Hand einfließen und den Zeichenstift übertragen lassen.

Auch wenn du als Zeichner es mit einem flachen Medium zu tun hast, so hast du es doch mit einer Skulptur zu tun. Deine Hand und dein Stift müssen spüren, was du zeichnest, damit es sich auf den Strich oder die Farbfläche überträgt.

Wenn du mit Vorlagen (wie bei „Parasite“ oder „Death Stranding“) arbeitest, zeichnest du nicht einfach die Striche der Vorlage durch. Du lässt den ganzen Film oder den ganzen Norman Reedus einfließen. Der Fusselbart von Reedus ist auf der Vorlage nicht deutlich zu erkennen. Aber weil du Reedus in Aktion gesehen hast, weißt du, dass dieser Bart ein Schlüssel für seine Optik ist. Reedus‘ zärtliches Verhältnis zu seinem BB, wird nicht in der Vorlage erkennbar. Dies sind Projektionen und Interpretationen, die der Zeichner selbst beim einfachen „Durchpausen“ in die Zeichnung einbringen muss.

Auf dem Weg zurück zum Zeichnen muss ich versuchen all dies, was ich in den letzten 20 Jahren verloren habe, wieder zu finden.

Reading List

  • WebDev: Six Web Performance Technologies to Watch in 2020, Simon Hearne – Static Website-Generatoren in unterschiedlichen Ausprägungen, u.a. auch in Verbindung mit Headless CMS, WASM, Edge Compute (Code-Ausführung nicht vom Server oder Client, sondern Netzwerk-Dienstleister der dazwischen sitzt), Observability (mehr und bessere Metriken zur Performance-Messung), Platform improvements (Performance-Optimierungstechniken werden bereits pfannenfertig im Browser eingebaut, zB Lazy Loading), Web monetisation (geschmeidigeres Bezahlen durch standardisierte Web-APIs), Verbesserungen der DSGVO durch clientseitige Implementierungen.
  • WebDev: Tracking HTTP/2 Prioritization Issues – die unterschiedlichen Interpretationen der Priorisierung von Requests im HTTP/2-Standard scheint dermaßen verzwickt zu sein, dass man sich erst mit HTTP/3 Abhilfe erhofft.
  • Comics: Eine 16seitige Comic-Fassung der griechischen Sage „Illias
  • Politik: „PISA results can lead policymakers astray“, Economist vom 5.12.2019 – Schwankungen im PISA-Score sollten Politiker vor voreilige Schlüsse warnen.
  • Politik: „After half a century of success, the Asian tigers must reinvent themselves“, Economist-Special Report vom 5.12.2019 – Die Asian Tigers sind immer noch vom Export abhängig. Schwächen im Service-Bereich. Gleiche Altersprobleme wie Japan, weil ähnlich starke Geburtenrückgänge.
  • Science: “This 3D-printed Stanford bunny also holds the data for its own reproduction” – Wissenschaftler haben die Druckpläne für einen 3D-Objekt in Mikrokapseln integriert, die wiederum Teil der Druckflüssigkeit für den 3D-Printer sind, dass das 3D-Objekt ausdruckt. Man kann also ein Stück des Objektes abknapsen, eine der Mikrokapseln extrahieren und den enthaltenen Druckplan auswerten, um das Objekt „nachzudrucken“.
  • Science: Ein Browser-Spiel, dass die Basics der „Game Theory“ erklärt … und zwar auf eine Art und Weise, die bzgl. ihrer Lehren für das Leben, durchaus frustrierend ist.
  • Economics: „Reality and hype in satellite constellations…“, 12.12.2019, TMF Associates blog – Tim Farrar zerlegt das Geschäftsmodell von Starlink.

Things I watched.

  • YouTube-Kanal: The Modern Rogue – Professioneller YouTube-Kanal aus den USA mit gemischten Themen, die sich am ehesten mit „zwei Buddies probieren Dinge aus“ subsummieren lassen. Wie kann man Schlösser knacken, der Effekt von Miraculin, wie arbeiten Taschendiebe etc…
  • Sport: etliche Championship-Spiele auf Sportdigital angeguckt. Das Streamabo kostet nur 50,– Euro/Jahr und funktioniert live und on demand. DAZN hat inzwischen sein Fußballangebot aus den Sportdigital-Ligen mehr als halbiert (ca. 1–2 Championship-Spiele/Woche, 1x Eredivisie, 1x A-League) – was wiederum das Sportdigital-Stream-Abo lohnenswert macht.
  • Sport: Einige Rugby-Europapokal-Spiele gesehen und sehr von Leinster und Clermont beeindruckt gewesen.

Things I listened to.

1ter Dezember heißt: von jetzt bis Weihnachten landet Soma FMs „Christmas Lounge in die Heavy Rotation.

Games: „Death Stranding“

Sam Porter Bridges aus dem Spiel „Death Stranding“
Norman Reedus als Sam Porter Bridges

Anfang November ist nach viereinhalb Jahren Produktion, „Death Stranding“ für die PlayStation 4 erschienen, das lang erwartete erste Spiel vom Spieldesigner Hideo Kojima nach seiner Trennung von Konami und der „Metal Gear Solid“-Franchise. Die lange Wartezeit, die Verwendung namhafter Schauspieler und Sonys Marketing-Maschine sorgten für einen Hype, mit dem das Spiel beim Erscheinen über die Mediengrenzen hinweg, auch in TV und Print-Medien Wellen schlug.

Ich habe das Spiel nicht gekauft und nicht gespielt, aber dafür das komplette 27stündige „Let’s play“ vom YouTube-Kanal „Die Prototypen“ gesehen. Ich bereue es, das Spiel nicht gekauft zu haben. Aber ich hatte im Vorfeld anhand der veröffentlichten Trailer kein Vertrauen, dass der zur Selbstverliebtheit neigende Kojima ein brauchbares Spiel produzieren wird.

Herausgekommen ist aber etwas, bei dem zwar die Einzelteile kritikwürdig sind, aber was als Ganzes einen Eindruck hinterlässt, wie nur ganz wenige Spiele im Laufe einer Konsolenära.

Die Science Fiction-Story ist völlig abstrus. Sam Porter Bridges streift durch die postapokalyptische USA und muss im Rahmen des Wiederaufbaus, Gegenstände an Stützpunkte ausliefern, damit diese wieder an ein landesweites Netzwerk angeschlossen werden. Die Apokalypse ist durch „Death Stranding“ verursacht worden und hat zur Folge, dass die Welt der Toten immer präsenter wird. Wenn es regnet, erscheinen die Toten als „GDs“ („Gestrandete Dinge“) in der Landschaft und können die wenigen noch draußen umherlaufenden Menschen töten. Porter Bridges trägt ein „BB“ („Bridge Baby“), ein speziell gezüchtetes Embryo in einer Schutzglocke, bei sich. Diese Embryos, weil sie in ihrem Zustand zwischen Tod und Leben stehen, sind in der Lage ihrem Träger die umherziehenden „GDs“ anzuzeigen.

Die Absurdität des Plots vergrößert sich im Laufe der Zeit, wenn eine Terrorgruppe mit übernatürlichen Kräften auftritt und eine Präsidentinnen-Tochter an der Westküste am „Strand“ auf Befreiung wartet – „Strand“ ist der Ort der Toten.

Kojima hat einen unhandlichen Plot geschrieben, der nur so vor abstrakten Metaphern und Abkürzungen wimmelt, der aber halbwegs einer inneren Logik folgt, weswegen man als Zuschauer gerade noch mit kommt. Ich hege sowieso den Verdacht, dass der Plot ein groß angelegter Rorschach-Test ist, in dem jeder das hinein interpretiert, was er sehen möchte.

Wo das Spiel seine Meisterschaft findet und die Zuschauer/Spieler wirklich einfängt, sind die Spielfiguren und Filmsequenzen. Ich habe noch nie, derart gute und echte 3D-Modelle von Spielfiguren in Computerspielen gesehen. Zuletzt 3D-Spielfiguren immer wieder an zwei Knackpunkten gescheitert: die tot wirkenden Augen und der Mund mit zu harten Übergängen zwischen Lippen, Zähnen und dem hinteren Mundraum. Nicht so hier.

Noch nie gab es in einem Computerspiel derart lebendig wirkende 3D-Modelle. Zusammen mit den langen, filmischen Videosequenzen, ist es das erste Spiel, dass die Grenzen zwischen Computerspiel und Realfilm verwischt – umso beeindruckender dass dies zuerst bei einem Konsolen- und nicht einem PC-Spiel passiert.

Die andere Seite der „Selbstverliebtheit“ von Kojima ist die Besessenheit und Detailliebe in der Umsetzung, die sich bei den Spielfiguren und den liebevoll gestalteten Landschaften zeigt. Das Spiel lebt von diesem „Drumherum“, denn das Spielprinzip selber, ist, abgesehen von einigen Kampfsequenzen, nicht viel anders als der „American Truck Simulator“: hole Dinge von A ab und such deinen Weg nach B, um dort die Dinge wieder abzugeben.

„Death Stranding“ zeigt: auf den Kontext kommt es an. Die Verpackung und das Feuerwerk drum herum, heben dieses Spiel auf ein ganz eigenes Niveau – sonst wäre ich kaum fast 30 Stunden bei einem „Let‘s play“ dran geblieben. Das Spiel hat eine derart eigene Handschrift, dass es zu den Spielen zählen wird, von denen man noch in zehn Jahren sprechen wird: „Weisste noch?“. Es ragt aus dem derzeitigen Einheitsbrei der Triple-A-Spielen heraus. Im laufenden Spiel will man Kojima öfters zurufen, ob er noch alle Kaffeebecher im Regal hat. Am Ende ist man aber dankbar, dass es noch solche Dickköpfe gibt, die gnadenlos ihre Vision umsetzen.

© 2020 Kai Pahl

Theme basiert auf „Lingonberry“ von Anders NorenNach Oben ↑