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Cover des Trade Paperbacks

Injection“ ist eine Comic-Serie, geschrieben von Warren Ellis, gezeichnet von Declan Shalvey und koloriert von Jordie Bellaire. Zwischen 2015 und 2017 erschienen 15 Hefte, ehe die Serie vorerst auf Eis gelegt wurde und bis heute auf eine Fortsetzung wartet.

Die Serie wirkt als wäre Ellis durch seinen Zettelkasten gegangen und hätte aus einer Handvoll von Notizen eine Serie konstruiert. Ellis besetzt einige seiner Dauerthemen der letzten Jahre: Mystik, Mythologie, supranationale Geheimorganisationen und -behörden, Internet und künstliche Intelligenz.

Der rote Faden durch die fünfzehn Hefte ist sehr lose und die Plots der drei Storybögen schlingern gewaltig. Die britische Regierung baut eine Abteilung „Cultural Cross-Contamination Unit“ auf. Die Leiterin Maria Kilbride scharrt vier weitere Spezialisten um sich. Der Auftrag der Abteilung: sich Gedanken darüber machen, wie sich die Menschheit in Zukunft weiter entwickelt. Nach sechs Monaten kommt die Abteilung zum Schluss, dass jedwede Entwicklung stagniert.

Die Abteilung kommt zum Schluss, dass die Welt „Accelerationism“ braucht und beschließt insgeheim eine AI ins Internet zu „injizieren“ (yup, daher der Titel). Die Abteilung wird danach aufgelöst … und Dinge fangen an schief zu gehen…

Ellis ist mit „Accelerationism“, das nach 2016 einen Hype erfuhr, früh dran. Der Wikipedia-Eintrag zu „Accelerationism“ lässt dabei seine Inspiration erahnen: die Universität Warwick hatte von 1995 bis 2003 ein Kollektiv namens „Cybernetic Culture Research Unit“, Ähnlichkeiten zu „Cultural Cross-Contamination Unit“ zufällig? Das Universitäts-Kollektiv gilt als Katalysatoren für die Diskussion von „Accelerationism” in den letzten 2–3 Jahrzehnten.

Es ist nicht uninteressant, aber Ellis macht Lesenden das Leben nicht einfach. Der erste Sammelband springt brutal in der Timeline hin- und her. Nicht immer wird deutlich, in welcher Zeit man sich befindet. Damit wird aber das Fundament, auf dass „Injection“ basiert, nicht klar gesetzt und auch nicht großartig diskutiert.

In der Folge fehlt den Heften der Zusammenhalt und stellt die Frage nach dem Endgame von Warren Ellis.

Der Reigen von Protagonisten ist sehr heterogen – von anfassbaren Menschen bis hin zu artifiziell konstruierten Charakteren, die aus jeder Pore nach Konzept riechen.

Die Zeichnungen von Declan Shalvey sind okay. Es sind immer wieder unbeholfene Details dabei, aber die Zeichnungen haben Herz – auch durch den Mut des sparsamen Striches, unterstützt durch eine exzellente Kolorierung.

Was am Ende aber von „Injection“ hängen bleiben wird, sind die Löcher, die von Ellis nicht ausformuliert wurden. Das kann man den ein oder zwei noch geplanten, aber derzeit noch fehlenden Storybögen anhängen. Oder man kann sich fragen, ob dies ein grundsätzliches Problem eines Warren Ellis in den letzten Jahren geworden ist.

3 von 5 Sternen.

Ich bin in letzter Zeit wieder stärker unrund gelaufen. Es spielten verschiedene Faktoren mit rein, die letztendlich zu einem Zustand des Dauer-Gepestet-Seins führten. In der vergangenen Woche habe ich deswegen an allen Strippen gezogen, um mich abends vom Rechner wegzutreiben und die Birne durchzulüften – auch weil das Wetter auch endlich wieder brauchbar war. Nichts gegen Radfahren im Regen, aber ein Kino- oder Ausstellungsbesuch ist halt nicht ganz so geil, wenn du eine Fahrradtasche voller triefend nasser Klamotten mitschleppen musst.

Things I worked on.

Im „Projekt A“ gab es die Entscheidung das weiteres Aussetzen der Frontend-Entwicklungsarbeit aufgrund fehlender Zuarbeiten nicht weiter hinzunehmen. Die Arbeiten haben wieder begonnen.

Im „Projekt B“ habe ich einen Sprint ohne reguläres Ticket und es trotzdem geschafft, jede Woche in den hohen 30er-Stundenzahlen zu kommen, dank eines extrem hohen Anteils an Telkos, Stichwort: Onboarding neuer Mitarbeitenden, Evaluierung von Anforderungen durch neue Drittanbieter und viel „Projektsteuerung“.

Am späten Freitagnachmittag gab es dann noch einen „Überfall“ eines Bekannten. Da sollen für eine Website neue Teilbereiche entstehen. Dabei handelt es sich um eine Nutzeroberfläche für eine Bilddatenbank. Durch ein Kommunikations-Fuck-Up hat der Designer zwar ein Layout geliefert, aber kein pfannenfertiges HTML/CSS etc…-Gedöns … jenes Gedöns, dass am Montag dem Bilddatenbank-Menschen übern Zaun geworfen werden müsste.

Ich habe es am bis Samstagvormittag fertig bekommen. Es war, aus Legacy-Gründen, ein Abstieg in längst vergangene Katakomben der Web-Entwicklung: Bootstrap, jQuery yaddayadda.

Das Basteln von formularlastigen Seiten mit Bootstrap ist kein Spaß. Bootstrap haut häßlich viele unnötige Wrapper und Utility-CSS-Klassen rein. Ich habe mich in meinen Aversionen gegen Utility-CSS (Tailwind, I’m looking at you) bestätigt gefühlt.

Things I did.

Montag: am späten Nachmittag zum Doc in die Hoheluft gefahren.

Danach bin ich die Hoheluftchaussee hoch geschlendert. Ich habe 23 Jahre lang in drei Wohnungen quasi einen Steinwurf entfernt gewohnt und später noch einmal ein halbes Jahr in einer Agentur dort gearbeitet. Ich war über die Gentrifizierung der Hoheluftchaussee erstaunt. Welche Läden es dort nicht mehr gibt, welche dort neu reingekommen sind und wie viele Liefer- und Lebensmittelbringdienste inzwischen abends unterwegs sind.

Danach für sogenannte „Indian Street Kitchen“ ins SVAAdish gefahren. Man macht dort auf authentisches, indisches Essen. Aber es fühlt sich nach Systemrestauration an, die vor allem auf hohen Durchsatz optimiert ist – bei einem Preisniveau, das vergleichbar mit einem klassischen indischen Restaurant ist. Der Hauptraum ist groß und es waren zirka 6 x 5 quadratische Tische aufgestellt. An den Rändern gab es zusätzlich Wandtische und Lounge-Ecken.

Die Vegetable Pakora schienen wie Kugeln aus einem Gemüse-Mix zu sein, die frittiert wurden. Das in den Kugeln verarbeitete Gemüse war nicht mehr identifizierbar – zumindest so lange man nicht auf einen Ingwerstreifen biss. Als Dip gab es Tamarinde Chutney, was ich ketzerisch & ahnungslos als „fruchtige Bratensosse“ beschreiben würde.

Danach nahm ich Chicken Jalfrezi. Das Curry war zwar nicht tomatenlos, aber weiter von cremigen Tomaten weg, als ich es erwartet hatte. Die Hähnchenstücke machten mir nicht den Eindruck, als ob sie mariniert gewesen wären.

Unterm Strich: für diesen Preis darf es gerne restaurantiger und weniger Massenabfertigung sein.

Danach brav mein Leucht-Shirt übergezogen und durch Eimsbüttel, das Niendorfer Gehege und entlang des Flughafens 15,9km mit dem Rad nach Hause gefahren.


Am Dienstag aufgrund eines kolossalen Terminkalender-Fuck-Ups meinerseits, mittags anderthalb Stunden zu früh zu einem Termin in Altona aufgeschlagen und die Zeit mit dem Schlendern durch Ottensen tot geschlagen – und gestaunt über die kurze Halbwertzeit etlicher Läden.

Dann war der Termin und danach durch Altona, Stellingen, Eimsbüttel, das Niendorfer Gehege und entlang des Flughafens 17,6km mit dem Rad nach Hause gefahren.

Am Abend ging es ins Taj Mahal in Langenhorn. Dort nahm ich die gleiche Kombi wie am Montag: Vegetable Pakora und Chicken Jalfrezi. Es war qualitativ weitaus besser und sogar noch einen Hauch günstiger als im SVAAdish.

Die Vegetable Pakora waren feiner frittiert und das Gemüse auch identifizierbar und unterscheidbar. Das Chicken Jalfrezi hatte ein Curry, dass nicht nur dem Namen nach, Tomaten als Basis hatte. Die Hühnchenstücke waren mariniert.

Der einzige Haken am Taj Mahal: man muss Zeit mitbringen. Eine Person in der Küche und eine Person in der Bedienung – macht zwei Stunden.


Am Mittwoch war der vorerst letzte Tag des Films Die Frau im Nebel in den Zeise Kinos in Altona. Also nach Feierabend erst einmal zum Essen ins Salibaba in Eimsbüttel gefahren. Das Salibaba wäre meine Definition von Street Kitchen: gemütlich, aber gleichzeitig unterhalb der Fallhöhe eines veritablen Restaurants, aber oberhalb eines Imbisses.

Der Falafel-Teller war gut. Die Granatapfel-Vinaigrette war auch gut, hat aber viel Säure, auf die meine Zunge nach ca. 80% der Salibaba-Salatmenge, allergisch reagiert.

So gut das Essen war: es ist eine Schande, dass um die Zeit (19 Uhr) sich niemand sonst im Salibaba aufhielt. Stattdessen kamen im 3-Minuten-Rhythmus Lieferbringdienste vorbei, um Essen abzuholen. Das empfand ich in dieser Menge als ziemlich bitter. Kein Wunder, dass Dark Kitchens zunehmen.

„Die Frau im Nebel“ wurde im kleinen Zeise-Kino gezeigt. Filmstart 20h30. Wir waren sieben Personen im Saal. Der Film endete kurz vor 23 Uhr. Danach brav mein Leucht-Shirt übergezogen und durch Altona, Stellingen, Eimsbüttel, das Niendorfer Gehege und entlang des Flughafens 17,2km mit dem Rad nach Hause gefahren. Passend zum Film „Die Frau im Nebel“: im dichter werdenden Nebel.

War es die Kälte in Kombination mit der Feuchtigkeit? Die Fahrt hat mich fertig gemacht. Zuhause musste ich mich auch erst noch runter fahren – es wurde also eine kurze Nacht und den Donnerstag war ich recht alle – auch bedingt durch eine anspruchsvolle Telko, von der ich erst eine halbe Stunde vor Beginn erfuhr.


Und so kamen zwischen Montag und Freitag 104 Kilometer auf dem Rad zusammen.


Things I read.

Die

Ich habe angefangen, den über 650 Seiten starken Hardcover-Band zu lesen, der die zwanzig „Die“-Hefte von Kieron Gillen/Stephanie Hans zusammen bündelt.

Erste Eindrücke: ich lese es sehr gerne, weil sich im Laufe der Hefte ein interessantes, ambivalentes Beziehungs-Geflecht zwischen den Protagonisten offenbart. Ich bin fasziniert, vom Gewicht, das auf den Schultern der Zeichnerin Stephanie Hans lastet, um die abstrakten Kulissen auf Papier zu bringen und wie sie damit farblich umgeht.

Derzeit nimmt die Bewertung Kurs auf vier oder fünf Sterne.


Things I watched.

Die Frau im Nebel

… ist ein ästhetisch sehr ansprechender Film vom „Oldboy“-Regisseur Park Chan-wook. Er kommt hier ohne jene größeren physische Grausamkeiten oder andere Ekeligkeiten aus, die ich wg „Oldboy“ befürchtet hatte.

Es ist die Geschichte eines Kommissars, der in einer Fernbeziehung lebt, und der Ehefrau eines Mordopfers. Die Witwe, ein chinesischer Flüchtling, wird zwar anfänglich verdächtigt, kann aber ein Alibi vorweisen. Der Kommissar observiert die Frau, fängt aber im Laufe der Beschattung an, sich in die Frau zu verlieben.

Aufgrund des Alibis werden die Ermittlungen beendet und der Kommissar trifft sich mit der Frau. Durch einen Zufall kommt der Kommissar darauf, dass das Alibi der Witwe falsch war und sie letztendlich den Mord begangen hat – zu spät: alle Beweismittel sind vernichtet und seine Gefühle für die Frau sind zu groß. Er ist zerstört, wird depressiv und lässt sich in die Stadt seiner Fernbeziehung versetzen.

Ein Jahr später taucht die Frau in dieser Stadt auf. Mit einem neuen Ehemann. Und jener Ehemann wird einige Tage später tot im Swimmingpool aufgefunden…

Der Film „funktioniert“ auf zwei Ebenen. Ästhetisch ist der Film fantastisch fotografiert und es ist sehenswert, wie Park Chan-wook die Szenen visuell miteinander verwebt.

Die zweite Ebene wird durch die Schauspielerin Tang Wei geprägt, die Schauspielerin der Ehefrau/Witwe, die es schafft, das (Männer?)Herz zu erweichen und sehr empathisch zu wirken, aber gleichzeitig auch über zwei Stunden die Ambivalenz aufrecht hält: Hat sie nun? Ist sie nun? Wird sie nun?

Ich habe den Film und seine Perma-Melancholie sehr gemocht – aber gleichzeitig ist es wie ein Duft gewesen, der am nächsten Morgen wieder verflogen war. Ich habe den Film so sehr gemocht, dass ich ihm vier von fünf Sterne geben würde. Aber gleichzeitig hat der Film keine tiefen Spuren hinterlassen, so dass es eigentlich nur drei von fünf Sternen wären.


Ant-Man

Ant-Man“ ist so ein Film, der nicht wirklich schlecht gemacht ist, aber vermutlich exakt dem Feindbild entspricht, das Leute vor ihren Augen haben, wenn sie verächtlich von den ganzen Marvel-Filmen sprechen.

Der Film ist einer weitere Iteration des hinlänglich bekannten Marvel-Filme-Kochrezeptes. Eine Person wird unfreiwillig ein Superheld (hier: Einbrecher entdeckt im Tresor einen Superhelden-Anzug). Person ist ungläubig, widerwillig und bis zum Anschlag selbstironisch, besitzt aber einen guten Kern und wird daher zum Retter.

Dazu fügt man noch einige Mentoren und Buddys und machtbesessene Bösewichter in den Brei. Fertig ist der Film.

Kannste halt gucken, während du den Haushalt machst, weil der Film völlig überraschungs- und nuancenfrei ist. Als Anbieter wie Marvel musst du dich aber auch fragen, inwieweit du dein Angebot mit solcher Dutzendware verwässerst?

Zwei von fünf Sternen.


Thor

Vier Jahre älter als „Ant-Man“ ist der erste Marvel-Film zu Thor. Im Vergleich zu „Ant-Man“ nutzt er die Chancen seiner Vorlage, um öfters aus dem Marvel-Einheitsbrei auszubrechen. Selbst wenn nicht alles gelungen ist, sorgten alleine die „Ausbruchsversuche“ dafür, dass man öfters hinguckte.

Da ein Teil der Handlung auf Ebene der nordischen Götter respektive Asgard, spielte, konnten die gängigen Erzählmuster verlassen werden. Optisch bot Asgard ein aufwändiges, neues Set-Design, das teilweise speierbrechend kitschig war, teilweise schon in Game of Thrones durchgespielt wurde. Aber immerhin konnte man sich angucken, wie denn die Regenbogenbrücke Bifröst aussieht (wie in einer funky 70er-Jahre Disco… nun ja).

Erzählerisch durchaus spannend waren die Familienkonflikte der nordischen Götter. Insbesondere Loki/Tom Hiddleston brachte da Subtilität rein.

Das Geschehen auf der Erde wirkte dagegen vergleichsweise banal und fiel ab.

Was mir inhaltlich aufstösst, ist die krasse Abweichung von der originären Herkunftsgeschichte Thors, Stichwort gehbehinderter Arzt Dr. Don Blake. Aber da bin ich vielleicht zu sehr Traditionalist.

Drei von fünf Sternen.


Coming up

Es ist die Sprint-Übergangswoche in „Projekt B“, weswegen einige längere Telkos anfallen und andere, kürzere Telkos entfallen. Morgen werde ich für den Sprintwechsel Ticketpflege machen.

Ich muss in einem Pro-Bono-Projekt vorwärts kommen.

Ich habe mir grob einen Ausstellungsbesuch ausgeguckt und versuche Urlaubsplanungen für März/April aufzugleisen.

Buch: Sequoia Nagamatsu, „How High We Go in the Dark“

Ich bin lost, was das Buch mir sagen will.

Es sind zwar 14 Kurzgeschichten. 14 Puzzle-Teile, die zusammenpassen und eine… ja, was eigentlich… eine Story erzählen? Das trifft es irgendwie nicht. Wir erfahren das Was und das Wieso und dazwischen was „Das“ mit Menschen anstellt. Aber dieses „Dazwischen“, dass die eigentliche raison d‘être des Buchs zu sein scheint, sind nicht viel mehr, als nur kurze, bewertungsfreie Beobachtungen, die über das episodenhafte nicht hinaus gehen.

Das Buch beginnt mit der Fahrt eines älteren Forschers zu einer sibirischen Forschungsstation. Dort wurden prähistorische Funde untersucht, die das durch den Klimawandel aufgetaute Tiefland freigegeben hat. Bei der Untersuchung eines toten Mädchens aus der Eiszeit, ist seine Tochter Clara tödlich verunglückt. Und sehr bald zeigt sich, dass bei den Ausgrabungen der Eiszeit-Menschen ein tödlicher Virus freigesetzt wurde.

In den ersten Kurzgeschichten nimmt das Buch Kurs auf die immense Tragödie mit zig Millionen Toten, insbesondere Kinder. Was macht es mit der individuellen Trauer? Wie geht eine Gesellschaft mit dieser schieren Menge an Tod um, Stichwort: organisierte Euthanasie und Beerdigungen als Massenbetrieb.

Im Laufe des Buches wird die Seuche unter Kontrolle gebracht und was bleibt, ist die nicht bewältigte Trauerarbeit der Menschen. Aber mit jeder Kurzgeschichte mehr, wirkt das, was da nicht bewältigt wurde, weniger wie ein Artefakt der Seuche und mehr wie ein Artefakt unserer heutigen Gesellschaft, Artefakt einer zunehmenden Distanzierung und Individualisierung. Die Auflösung von „Familie“. Und so hätte man vermutlich ein Drittel der Kurzgeschichten auch ohne das Setting der Seuche schreiben können.

Und mittendrin eingestreut, fallen einige Kurzgeschichten aus dem Rahmen. So erzählt eine Kurzgeschichte was jemand während seines Komas in der Zwischenwelt erlebt. Eine weitere Kurzgeschichte erzählt von der Reise eines „Generations-Raumschiff“ auf der Suche nach einer zweiten Erde.


Da schwingt bei mir eine gewisse Enttäuschung mit. Eine bloße Nacherzählung der Kapitel beschreibt nicht die Wucht, mit der die ersten Kurzgeschichten einschlagen. Die Zärtlichkeit der Protagonisten geht Hand-in-Hand mit den Schlägen, die der Tod von geliebten Menschen und der Ungeheuerlichkeit einer industrialisierten Euthanasie verursacht. Das Buch zieht eine/n runter. Man schläft schlecht, wacht beschissen auf und muss am nächsten Vormittag noch daran denken, wie der kleine Junge in die Euthanesie-Achterbahn geführt wird.

Aber irgendwann stumpft man als Leser/in ab. Das Buch zeigt über die 14 Kurzgeschichten und 300 Seiten hinweg, zu wenig Dynamik und bietet zu viel same/same. Die Wucht der ersten Geschichten verfliegt und die Auflösung in der letzten Kurzgeschichte, stellt leider einen großen Disconnect zum Beginn des Buches dar.

Ach, hätte ich das Buch doch bloß nach einhundert Seiten weggelegt.

Was am Ende bleibt, ist kein Plot, sondern der tiefe Einschlag, den die ersten fünf, sechs Kurzgeschichten hinterlassen. Das hätte eigentlich schon gereicht.

3 von 5 Sternen.

Im Blog habe ich in den letzten Jahren einige OPs erwähnt. Die OPs waren Teil einer grundsätzlichen Geschichte die ich fixen wollte (und wie sich später herausstellte: musste). Das habe ich im Sommer 2020 losgetreten und in der abgelaufenen Woche begann die letzte Phase, mit einem Abschluss voraussichtlich im Herbst des Jahres. Ich wurde letzte Woche zunehmend nervös, aber die letzte Phase ist besser gelaufen, als ich es erwartet hatte – auch wenn noch viel Arbeit bevorsteht. Als Nachklapp der letzten OP wird aufgrund einer kleinen Komplikation auch noch mal eine kleine Extraschleife gedreht werden müssen.

Things I did.

Nach dem Dauerfrost und Dauerregen, den es seit gefühlt letzten November gab, betrat ich unter der Woche erstmals wieder den Garten. In der ersten Runde musste ich erst mal den ganzen Crap aufsammeln, der von der Straße rein geweht wurde, inklusive Böllerüberreste von Silvester.

Alles sah ätzend aus. Der Rasen war entweder vermoost oder durch die (zu vielen) Pflanztöpfe vom letzten Jahr übersät mit kahlen Stellen. Einmal mehr, habe ich keinen Plan zur Strukturierung des Gartens und Vordergarten. Bah.

Erst einmal die Hasel und den Feldahorn gestutzt und das Schnittgut auf den Totholzhaufen geschmissen.

Things I worked on.

Im Projekt A ist die Frontend-Entwicklungsarbeit größtenteils zum Erliegen gekommen. Das Designsystem wurde bei der Umstellung von Sketch auf Figma gegen die Wand gefahren (Pro-Tipp: man stellt kein Layoutraster ohne Rücksprache um). Seit drei Wochen sind Rettungsversuche im Gang.

Projekt B ist mit der Aufteilung der Entwicklungsarbeit in zwei Teilteams beschäftigt. Dabei ist das Wahren der teamübergreifenden Kohärenz ein ziemlicher Schmerzpunkt. An etlichen Punkten prallt hier unterschiedliches Verständnis aufeinander – von Kundenseite über Teamleiter bis runter zu den Entwicklern.

Nicht direkt mit der Projektarbeit, hat aber ein derzeit großes Thema rund um die Webentwicklung zu tun: die aufkeimende „Anti-Framework“-Diskussion, die sich zum zehnjährigen Jubiläum von React entzündet. Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich kein großer Freund von React und seinem großen Zusammenpanschen von Markup, Styling und Javascript oder seinem wechselnden Scope (von „eigentlich machen wir nur DOM-Diffs“ über „Wir können alles“ bis hin zu „Server-Side-Rendering wär’ eigentlich scho’ besser“) bin.

Oxford Harrison hat in einem Pamphlet eine Haltung veröffentlicht, mit der ich mich identifizieren kann: Rethinking the Modern Web.

Da wo es „projekt-relevant“ wird, ist für mich die Frage, ob sich hier ein Generationskonflikt wiederspiegelt, zwischen älteren Entwickler:innen („moi“), die mit Web Standards, Separation of Concerns, Kompatibilität und Einfachheit groß geworden sind, und den „Kiddos“, die Frameworks bereits mit der Muttermilch aufgesogen haben und für die Natives keine Qualität ist.

Mir fällt am Verhalten der „Kiddos“ Dinge auf, die mich ratlos hinterlassen. Eine stete Unruhe, fast so, als wäre die Beschäftigung mit nur einem Problem über längerer Zeit so langweilig, dass man sich mit dem ersten „jo, läuft“ zufrieden stellt und zum nächsten Problem rennt – ungeachtet, ob die erste Lösung qualitativ zufriedenstellend ist.

Es scheint, als würde man jede Problemlösung auf den Zustand „gelöst“ und „nicht gelöst“ herunter brechen, ungeachtet der weiteren Bewertungsvektoren, wie: Resilienz, Einfachheit, Wartbarkeit, Performanz, Integration im Gesamtprojekt.

Rennen wir in eine Generation rein, die eine Aufmerksamkeits-/Konzentrationsspanne von einem TikTok hat?

Dies macht mir nicht nur grundsätzlich Sorgen, sondern auch der Umstand, dass viele der „Kiddos“ sich an diesen Punkten nicht zu bewegen scheinen – und damit bei mir die Frage hinterlassen: was mache ich falsch, was muss ich ändern? I don’t know.

Jo, alles furchtbar pauschalisierend, I know, I know…

Things I read.

Die Trisolaris-Trilogie durchgelesen (okay, bis auf die letzten 50 Seiten) und es war unterm Strich enttäuschend. Siehe meine Rezension.

Was am Ende von den 1.500 Seiten für mich übrig bleibt, ist das Konzept des „Dunklen Walds“. Und ich bin eigentlich erst nach Schreibens meiner Rezension darauf gekommen, wie sehr dieses Konzept eigentlich den ersten Runden der Spiele aus der „Civilization“-Reihe entspricht (und perfekt-getimet kommt Stream daher und will mir Civ VI für sechs Euro hinterher schmeißen).

Ich frage mich, was ich in der Trilogie nicht gesehen habe, dass so ein massiver Hype darum entstanden ist. Was aber nicht als Referenz dienen kann, sind die Verfilmungen, die jetzt auf den Markt kommen. Die Trailer kondensieren den Stoff so immens, dass daraus wirklich etwas Ansprechendes wird. Das ist in der Buchvorlage einfach nicht gegeben gewesen. Was nicht ausschließt, dass die Bücher einen interessanten Rohstoff für eine Verfilmung hergeben – ähnlich wie Asimovs Foundation-Serie.

Things I watched.

Kommissar Wallander – Die Kenneth Branagh-Variante. Ich habe die englische Umsetzung bislang nicht angefasst, weil für mich der Wallander auf ewig mit Rolf Lassgård verbunden ist. Kenneth Branagh klingt dagegen für mich nach Star und einer der mit seinem Image die Figur überstrahlt…

Hoooh boy, wurde ich eines Besseren belehrt. Eine Folge hat gereicht, damit ich nicht mehr den Branagh in Wallander sehe, sondern den Wallander in Branagh. Lassgård mag ich zwar immer noch mehr, aber ich verneige mich wie Branagh mit dieser Rolle umgeht. („Kommissar Wallander“ – derzeit als ARD-Produktion bei Amazon Prime)

The Late Late Night Show with Craig Ferguson – Warum auch immer, ich habe auf YouTube mal wieder Craig Ferguson angesteuert und bin nach zwei Folgen wieder süchtig geworden.

Ferguson ist der Anarchist unter den Late Night Shows gewesen. Es spricht für Ferguson, dass es schwer fällt, zu sagen, was gescriptet und was Impro war (Beispiel).

Things I played.

Mitte der Woche wurde die (der?) Early Access von „The Last Starship“ freigeschaltet, dem neuesten Spiel von „Introversion Software“, den Machern u.a. von„Prison Architect“.

Die grundsätzliche Spielidee, das Aufbauen eines Raumschiffes, ist klar umrissen. Nicht ganz so klar, ist der „Flavour“, mit dem man sich von „Star Haven“ oder „Stardeus“ absetzen will. Die Rede ist von Spurenelementen von „FTL“, „Elite“ und „Factorio“.

Diese Spurenelemente lassen sich erkennen. Aber ich bin enttäuscht über den aktuellen Stand – gemessen am Status, der im letzten Juni den Medien gezeigt wurde. Es hat sich nicht viel getan. Es gibt recht wenig Erklärungen und Hilfe. Auch die Steam-Foren sind nicht hilfreich. Stand jetzt, sind 20,– Euro echt nur für Fanatiker lohnenwert.

Bis zum nächsten größeren Update werde ich die Finger davon lassen.

Nach knapp drei Monaten habe ich letztendlich auf den letzten 50 der ca. 1.700 Seiten der Trilogie aufgegeben. Meine Rezension zum ersten Band ist im Blog. Die Rezension des zweiten Bandes liegt auf irgendeinem Rechner als Draft herum. Und irgendwie habe ich keine Lust die Rezension zu Ende zu schreiben und dann den Aufriss für den dritten Band zu machen. Stattdessen spüle ich die komplette Trilogie in einem Rutsch weg. Und übrigens: Scheiß auf Spoiler. Wer keine Spoiler haben will, sollte sich an dieser Stelle vom Blogeintrag verabschieden.


Der Plot

Der erste Band „Die drei Sonnen“ beschäftigt sich mit dem ersten Kontakt der Erde mit einer außerirdischen Zivilisation, Trisolaris. Trisolaris hat die Radioübertragungen eines chinesischen Forschungsprojektes empfangen und damit die Koordinaten der Erde berechnet. Trisolaris hat eine Eroberungsflotte losgeschickt. Da diese mit einem Bruchteil der Lichtgeschwindigkeit fliegt, wird sie erst in 400 Jahren eintreffen. Gleichzeitig hat Trisolaris auch sogenannte „Sophonen“ entwickelt, multidimensionale Computer und Kommunikationseinheiten mit künstlicher Intelligenz. Zusammengeklappt auf nur drei Dimensionen, besitzen Sophonen die Größe eines Protons, konnten auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigt werden und sind seit einigen Jahren auf der Erde. Dort sabotierten sie die Grundlagenforschung z.B. von Teilchenbeschleuniger.

Der zweite Band „Der dunkle Wald“ fokussiert sich auf die 400 Jahre Zeit, bis die Angriffsflotte eintrifft. Das Buch mäandert durch unterschiedliche Verteidigungspläne, stets unter Beobachtung der Sophonen. Am Ende erweist sich nur ein Plan als substantiell: der von Luo Ji.

Fermi-Paradoxon und der Dunkle Wald

Wenn etwas Substantielles von dieser Trilogie übrig bleibt, dann sind es die Überlegungen rund um das Fermi-Paradoxon und die daraus resultierende Idee des Dunklen Walds.

Das Fermi-Paradoxon geht davon aus, dass das Universum fucking groß und fucking alt ist. Es ist also fucking wahrscheinlich, dass sich auch woanders intelligentes Leben und Zivilisationen gebildet haben und es ist wahrscheinlich, dass diese bereits sehr viel länger existieren und damit sehr viel fortschrittlicher sind. Aber warum zum fuck, haben wir sie noch nicht bemerkt? Oder was ist mit diesen Zivilisationen passiert?

Liu Cixin trägt mit dem „Dunklen Wald“ einen Erklärungsversuch bei.

Darin wird „Friede“ als anormaler Zustand gesehen. Sei es, weil Zivilisationen sich aus Eigennutz expansiv verhalten (bzw. aufgrund ihres exponentiellen Wachstums expansiv verhalten müssen), sei es, weil das Misstrauen so groß ist, dass man lieber präemptiv zuschlägt. Damit wird aber eine Eskalationsspirale ausgelöst, an deren Ende man irgendwann selber Opfer einer fortschrittlicheren Zivilisation wird, die des eigenen Überlebens willen, präemptiv zuschlägt, die ihrerseits damit die Eskalation weiter dreht und auch wieder Opfer einer fortschrittlicheren Zivilisation wird, etc… pp…

Mit dem „Dunklen Wald“ wird ein anderer Pfad aufgezeigt: sich ruhig zu verhalten und keinen Mucks zu geben. Wie ein Tier in einem dunklen Wald, durch das Jäger wandern und nach Lebenszeichen suchen.


Eine Vorhut der trisolarischen Flotte trifft früher als erwartet ein und zerstört nahezu die komplette irdische Raumflotte. Nur wenige Raumschiffe können fliehen und brechen in andere Sonnensysteme auf, im Glauben, dass die Erde verloren sei.

Parallel entwickelt Luo Ji aus der oben erwähnten „Dunklen Wald“-Theorie eine Abschreckungsstrategie: er droht den Trisolariern mit einer Ausstrahlung der Trisolaris-Koordinaten ins All über Gravitationswellen, sollten sie die Erde angreifen. Trisolaris lenkt ein und bietet Friedensverhandlungen an.

Der dritte Band „Jenseits der Zeit“ schildert die Übergabe des Auslösers für die Gravitationswellen-Ausstrahlung der Koordinaten von Luo Ji zu der chinesischen Wissenschaftlerin Cheng Xin. Diese wird aus mehreren Kandidaten ausgewählt, u.a. weil sie höhere Sympathiewerte besitzt und als berechenbarer gilt. Dies macht sich Trisolaris zu Nutze: kurz nach der Übergabe des Auslösers zerstören sie die Gravitationswellen-Sendeeinrichtung, im Wissen, das Cheng Xin den Auslöser nicht drücken wird, da die Ausstrahlung der Koordinaten auch die Position der Erde an andere Zivilisationen ausstrahlen würde.

Eines der entflohenen irdischen Raumschiffe verfügte jedoch auch über eine Gravitationswellen-Sendeanlage. Als die Nachricht der trisolarischen Invasion eintrifft, werden die Koordinaten Trisolaris’ ausgestrahlt. Trisolaris zieht sich sofort aus dem Sonnensystem zurück, um das eigene System zu unterstützen. Einige Jahre später wird eine der Trisolaris-Sonnen von einem unbekannten Geschoss zerstört und der Planet Trisolaris verbrannt.

Die Erde versucht sich nun auf bevorstehende Angriffe anderer Zivilisationen vorzubereiten. Und wieder verfolgt man mehrere Pläne gleichzeitig. Die Pläne scheitern, weil der Angriff nicht, wie bei Trisolaris beobachtet, über die Zerstörung der Sonne passiert, sondern durch die Konvertierung des Sonnensystems aus dem drei- in den zweidimensionalen Raum (yep, I know).

Und wieder können ein paar Leute fliehen, u.a. Cheng Xin. Im Schlussspurt des dritten Bandes landet man in einem anderen Sonnensystem, nur um dort über außerirdische Artefakte festzustellen, dass sowieso alles für den Popo ist, weil das komplette Universum dem Tod geweiht ist. Die Zivilisationen im Universum sind längst im permanenten Kriegszustand, der die Naturgesetze (Reduzierung der Lichtgeschwindigkeit, der Masse, Raumzeit-Krümmung und der Dimensionen) derart auseinanderreißt, das selbst der Kreislauf des Universums durch „Big Crunch“ und Urknall ein Ende finden werden.


Ich muss sagen, wenn ich den Stoff der 1.500 Seiten derart herunterdampfe, klingt das sogar wie ein interessanter Roman. Die Trilogie ist es leider nicht. In der Goodreads-Rezension zum dritten Band, resümierte ich meinen Eindruck der Trilogie:

Es gibt keine Kohärenz. Es liest sich wie eine Ansammlung von Notizzetteln, von Gedankenexperimenten, die aneinander getackert wurden. Ich glaube, eine Sammlung von Kurzgeschichten wäre für diese drei Bände die angemessenere Erscheinungsweise gewesen.

Der Trilogie fehlt ein Amalgam. Der Plot/die Plots ist/sind es nicht. Die Charaktere, mangels Haptik, Dimensionalität und Entwicklung, auch nicht. Diese Probleme waren bereits im ersten Band zu erkennen und blieben über die gesamte Trilogie bestehen. Stell dir vor, du schreibst eine Trilogie, deren Zeitraum sich über mehrere Jahrhunderte (bzw je nach Zählweise: Jahrtausende & Jahrmillionen) erstreckt und es macht nichts mit den Charakteren. Und diese Blutleere zieht sich durch alles: den Charakteren, dem Ambiente und den Umgebungen. Alles wurde nur aus einer sehr großen Flughöhe betrachtet und blieb damit keimfrei und ohne Haptik.

Ich habe mich bei der Mars-Trilogie vom Kim Stanley Robinson über vieles geärgert. Aber Robinson gelang es beides miteinander zu verknüpfen: die großen Ideen mit den Details und Haptik. Robinsons Trilogie hat sich derart bei mir im Kopf eingebrannt, dass ich sie noch mal lesen möchte. Die Trisolaris-Trilogie liest sich dagegen, als wäre sie selber ein Opfer der Konvertierung aus einem drei- in einen eindimensionalen Raum(?) geworden.

Wenn die Essenz von Liu Cixins-Trilogie die Konzepte von Konflikt, Abschreckung und Fermi-Paradoxon sind, was hätte man da für ein Werk schaffen können … inklusive Diskussionsstoff mit Aktualität bzgl. der Konflikte auf der Erde.

2 von 5 Sternen

„Die Drei Sonnen“ ist der erste Band der „Trisolaris“-Trilogie des chinesischen Autors Liu Cixin. 2006 erschienen, hat das Buch mit seinem Erscheinen in den USA, 2013, der chinesischen Science-Fiction im Westen zum Durchbruch verholfen.

Die Trilogie ist dieser Tage in Deutsch neu aufgelegt worden, was für mich der Anlass war, mal selber nach zu lesen.

Das Buch steigt mit Kapiteln aus der Zeit der Kulturrevolution ein, ehe es einen Sprung in die Jetzt-Zeit macht. Dort arbeitet der Wissenschaftler Wang Miao an Nano-Werkstoffen. Eines Tages wird er zu einem Treffen einer Kommission gebeten, die mit Vertretern etlicher Länder und Behörden besetzt ist. Es hat eine Reihe von merkwürdigen Selbstmorden unter Wissenschaftlern/Wissenschaftlerinnen gegeben. Einige haben verzweifelte Abschiedsbriefe hinterlassen, wo sie den Sinn von Naturgesetzen anzweifeln.

Die Kommission hat eine Gruppierung namens „Friends of Science“ im Verdacht. Wang Miao soll sich in die Gruppierung einschleusen.

Nach der ersten Kontaktaufnahme wird Wang Miao gewarnt, seine Forschungen für Nano-Werkstoffen fortzusetzen. In den darauffolgenden Tagen fängt Wang Miao an, vor seinem geistigen Auge einen von 1.200 Stunden herunter zählenden Countdown zu sehen. Der Countdown ist sogar auf Fotos zu sehen, die er entwickelt. Als Wang sein Labor für Wartungsarbeiten vorübergehend schließt, verschwindet der Countdown.

Wang bemerkt auch, dass im Umfeld der „Friends of Science“ ein VR-Spiel namens „ThreeBody“ gespielt wird, eine Weltsimulation, die binnen Minuten von einem stabilen zu einem chaotischen Zustand wechseln kann. Dies manifestiert sich durch stabile oder chaotische Sonnendurchläufe, mit entsprechenden Temperaturschwankungen.

Nach und Nach durchschaut Wang die Mechanismen im VR-Spiel…

… und an diesem Punkt hat eine spoilerfreie Zusammenfassung vermutlich aufzuhören.


Bekommst du eine knackige 5-minütige Zusammenfassung des Buchs, liest es sich wie ein fantastischer Stoff, mit genügend Futter für eine Serie. Ich musste breit grinsen, als ich einen der Trailer der geplanten chinesischen Film-Adaption sah. Da haben sie aber aus dem Buch wirklich alles heraus gequetscht, was es so in Sachen erhöhter Pulsschlag gab…

Denn leider liest sich das Buch über seine 600 Seiten sehr, sehr viel schlechter. Gemessen an den Preisen und Kritiken, die das Buch bekommen hat, war „Die Drei Sonnen“ eine herbe Enttäuschung.

Der Plot ist unaustariert. So nehmen zum Beispiel die VR-Sequenzen mehr Platz ein, als es ihnen als Plot-Device zustünde. Und leider ist „die Schreibe“ von Liu Cixin so farb- und emotionslos, das es eine Qual ist, sich durch den nächsten Besuch in der VR-Welt zu lesen.

Gegen Ende des Buches folgt eine plötzliche Beschleunigung durch eine Action-Sequenz, nur um dann darauf seitenlange „wissenschaftliche“ Abhandlungen aus dem Mund der Protagonisten sprechen zu lassen, die wie bemühter Bullshit wirken, um Phänomene zu erklären, die im ersten Viertel des Buches auftraten.

Über weite Teilen liest sich das Buch wie der bemühte Versuch sich von Storyetappe zu Storyetappe zu hangeln und nicht wie ein homogener Stoff.

Verschärft wird dies durch „die Schreibe“. Liu Cixins Schreibstil ist hölzern, spröde und gefühlskalt. Die Charaktere haben kein Eigenleben und sind austauschbar. Sie machen in dieser Story, mit vielleicht einer Ausnahme, keine Entwicklung durch. Die Hauptfigur Wang Miao betrinkt sich am Ende des Buches einmal, aber das war es dann auch. Wie auch bei allen anderen Protagonisten, scheinen die dramatischen Entwicklungen komplett an den Charakteren abzutropfen.

Das Setting wirkt wie ein Potemkin’sches Dorf, bei denen die Kulissen je nach Bedarf auf und von der Bühne gerollt werden. Da wird anfangs die Familie von Wang Miao eingeführt (a.k.a. auf die Bühne gerollt) und dann spielt sie keine Rolle mehr (a.k.a. von der Bühne gerollt), obwohl Wang Miao mehrere Tage lang komplett in einer VR-Welt absumpft, sein Forschungslabor für „Wartungsarbeiten“ vorübergehend schließt oder mal ein paar Tage nach Panama reisen muss.

Auch das werte ich als Indiz dafür, wie wenig Liu Cixin seinen Stoff bewusst einsetzt: ausgerechnet die Protagonistin, die aufgrund ihrer Bio am meisten hergibt und der Auslöser der Story ist, die Astrophysikerin Ye Wenjie, bleibt nur in der zweiten Reihe.

Zwei Aspekte des Romans sind positiv hervorzuheben. Die ersten Kapitel zur Kulturrevolution muss man aus der Kritik an der Empathielosigkeit herausnehmen. Sie sind tatsächlich emotional und haben mich die Zeit spüren lassen.

Der zweite interessante Aspekt ist die Verbindung zur aktuellen politischen Situation in China. Dazu kann ich die achtteilige Podcastserie des Economist empfehlen: „The Prince: Searching for Xi Jinping“ — ein Portrait des jetzigen chinesischen Parteichefs. Man kann einige Parallelen zwischen den Roman, seinen Protagonisten und der Philosophie von Xi Jinping erkennen. Böse formuliert: Xi wirkt wie eine Romanfigur von Liu Cixin.

Es wird auch deutlich, warum Liu Cixin so hart mit der Kulturrevolution umgehen kann — denn damit dürfte er auf der gleichen Linie wie Xi stehen, dessen Familie unter den Repressionen der damaligen Zeit litt (inkl. einer Schwester, die Selbstmord beging). Die Kulturrevolution wird als kurzzeitiger Irrtum der Geschichte behandelt und der Gesamtkontext Mao ausgeblendet. Wie heißt es im Podcast an einer Stelle: China kann zurecht stolz auf seinen wirtschaftlichen Aufschwung seit der 80er Jahre sein. Man sollte aber nicht vergessen, dass es die gleiche kommunistische Partei war, die das Land nach 1949 erst in den Ruin trieb.

Davon aber abgesehen, kann ich die nahezu unisono ausgesprochenen Lobeshymnen nicht nachvollziehen.

Ich bleibe ratlos zurück, wie dieses Buch einen derartigen, an Massenhysterie gleichenden Hype auslösen konnte. Ich werde mich auch durch den zweiten Band der Trilogie lesen, aber meine Zündschnur ist deutlich kürzer. Nochmal solche fünfhundert Seiten werde ich mir nicht antun.

2 von 5 Sternen

Cover des Trade Paperbacks

Warhammer 40,000 ist eine Science Fiction-Variante der Warhammer-Tabletop-Spiele — kleine Miniaturen auf einem Spielfeld, die taktische Kämpfe durchführen.

Aus der Rahmenhandlung für das Spiel wurde etliche Romane und Comics als Spin-Offs entwickelt. Seit 2019 liegt die Lizenz für die Comics bei Marvel und Kieron Gillen schrieb mit „Warhammer 40,000: Marneus Calgar“ das Entrée der Marvel-Ära, dem aber bislang nach Gillen nur noch eine Story folgte.

Das Cover zeigt bereits das wenig subtile Setting von „Warhammer 40,000“. Es spielt im 42ten Jahrhundert und ist auf Anschlag düster, gewalttätig und blutig. Der englische Ausdruck „Grimdarkgeht auf den Slogan von Warhammer 40k zurück: „In the grim darkness of the far future there is only war.

Die Menschheit lebt in einem Imperium, dass eine Mischung aus Theokratie und Militärstaat ist. Es gibt unterschiedliche Militärfraktionen, die sich der „Kräfte des Chaos“ und Häretikern wiedersetzen. Die Titelfigur von Gillens fünf Hefte umfassenden Mini-Serie ist Marneus Calgar, der Ordensmeister der Ultramarines. Gillen erzählt die Story in zwei Timelines: die Ausbildung von Calgar und die Rückkehr von Calgar auf seinem Geburtsplaneten, der sich feindlichen Angriffswellen ausgesetzt sieht.

Um es vorweg zu nehmen: ich gebe dem Comic 2 von 5 Sternen. Nicht weil er wirklich schlecht ist, sondern aufgrund kompletter Bedeutungslosigkeit. Gillen schafft es eigentlich meistens, einen Spin rein zu bekommen, der Stories über den Durchschnitt hebt. Hier haut es nicht hin. Der Plottwist der etliche Seiten später zum Finale führt, ist bereits nach dem zweiten Heft vorherzusehen.

Es ist mein erster Kontakt mit der Warhammer 40,000-Welt. Viele Prämissen, wie z.B. dieses Amalgam aus Militarismus, Faschismus und Theokratie, schreien ebenso nach einer Story mit Punch, wie die „Ausbildung“, denen ein Soldat von Kindheit an, ausgesetzt wird. Dieser fehlende Punch ist angesichts des krassen Ausgangsmaterial furchtbar. Ich kann nur spekulieren, dass der Lizenzgeber Games Workshop Gillen an der kurzen Leine hielt.

Panel im Manga-Style
Es amüsiert mich immer, wenn in US-Comics plötzlich Panels mit Manga-Stilmitteln eingesetzt werden (Speedlines, aufgebrochene Konturen, sogar die Augen sind recht groß geraten)

Zeichner Jacen Burrows macht noch das Beste aus Welt & Vorlage. Seine Kleinteiligkeit macht Zerstörung und Gewalt noch eindringlicher. Vor allem in den ersten Heften, als er noch selber das Inking besorgt, erinnert es ganz stark an Geof Darrow und seiner überzogenen Gewaltdarstellung. Der spätere Wechsel auf das Inking von Guillermo Ortego bekommt Burrows Zeichnungen nicht.

Vergleich zwischen dem Inking von Burrows und Ortego
Links ein Panel mit dem Inking von Burrows himself und rechts der geradezu langweilige Strich von Ortego. Keine Ahnung was in der Zeit zwischen diesen beiden Panels mit der Colorierung passiert ist. Da war wohl jemand in Eile oder hatte keinen Bock.

Am Ende werden es nicht mehr als 2 von 5 Sternen, für etwas, was handwerklich sauber ist und schnell weggelesen, aber doch underwhelming war.

2 von 5 Sternen.

Ehrlich: ich habe keine Ahnung wie dieses Buch auf meinem eBook-Reader gekommen ist. Okay, ich hatte schon zwei Bücher von Suarez gelesen und anscheinend fand ich die Beschreibung so sexy, dass ich mir das Buch 2018(!) gekauft habe, als es damals 50% herabgesetzt war…

Suarez schreibt Thriller, die ein paar Jahrzehnte in der Zukunft liegen. Das erlaubt ihm, bestimmte Technologien in Richtung zu Extremszenarien weiter zu denken, bleibt aber immer noch nahe an unsere Zeit, um glaubwürdige Szenarien zu bleiben.

Es gibt für die Konzeption von Produkten und Dienstleistungen die Disziplin des Schreibens von spekulativen Szenarien, um daraus Designanforderungen, Forschungsziele u.ä. abzuleiten: „Wie wird das Internet 2040 aussehen“, „Wie werden Nachrichten 2050 konsumiert“, „Wie werden Menschen 2060 ihre Wäsche waschen“.

Was Suarez da auf 535 Seiten abgeliefert hat, wäre vermutlich auf 10 Seiten herunter komprimiert, interessanter gewesen … und angesichts seines offensichtlichen Desinteresse für Charaktere, auch ehrlicher. „Bios“ auf zehn Seiten eingedampft: so geht es mit der Gen-Technologie weiter, so entwickelt sich Südostasien, so leben Menschen in Metropolen, so entwickelt sich der Sklavenhandel etc…

Worum geht es in „Bios“: 2045. Kenneth Durand ist Leiter einer Interpol-Abteilung gegen den illegalen Einsatz von Gentechnologien an Menschen. Er wird gebeten, seine Ressourcen zur Verfolgung des Kopfes eines asiatischen Kartells, Marcus Demang Wyckes, einzusetzen.

Im Gedränge der abendlichen Rush-Hour in Singapur bekommt Durand eine Injektion verpasst und wacht nach fünf Wochen Koma auf: in der Haut des gesuchten Marcus Demang Wyckes. Die Injektion hat etwas gemacht, was als wissenschaftlich unmöglich galt: sie hat am lebendigen Menschen die DNA soweit verändert, dass aus Durand Wyckes wurde und sich nun im Polizeigewahrsam ist. Durand-Wyckes kann fliehen, versucht seine Unschuld zu beweisen und die DNA-Modifikation wieder rückgängig zu machen.

Der Plot hat Löcher, durch die ganze LKWs durch fahren können und ist künstlich aufgebläht. Suarez zeigt ein Desinteresse interessante Charaktere zu schaffen. Die Protagonisten wirken, als hätte Suarez sie sich in einem Rollenspiel zusammengewürfelt. Sie besitzen keinerlei Tiefe. Sie sind eine Aneinanderreihung eingängiger Versatzstücke.

Ebenso wenig Tiefe besitzt die zentrale Frage, die Suarez zwar in den Raum stellt, aber damit nichts weiter macht.

Wenn man sich nicht mehr darauf verlassen konnte, dass die DNA einer Person unveränderlich war, wie konnte man dann jemanden die Schuld an einer Straftat nachweisen?

Die Technologie könnte das Konzept der Identität selbst untergraben. Wer wer ist — [also] persönliche Verantwortlichkeit –, das war bislang die Grundlange allen Rechts

Was hätte wohl ein Philip K. Dick für ein dystopisches Szenario entworfen? „Der Dunkle Schirm“, der u.a. die Auflösung des eigenen Identitätsverständnisses durch Drogenkonsum schildert, zeigt den Unterschied, zwischen Auseinandersetzung mit dieser Frage und billiger Flugzeug-Lektüre. Ähnlich wie bei der Ausarbeitung der Charaktere, wirkt es wie Desinteresse von Suarez, etwas tiefer zu bohren.

Es war wieder eines der Bücher, wo ich nahe dran war, mittendrin abzubrechen. Das einzige was mich hielt, war die Hoffnung auf eine interessante Plotauflösung … aber die gab es nicht. Der Plot wurde so straight, wie befürchtet, aufgelöst. Am Ende bleibt als einziger Pluspunkt, wie Suarez aktuelle Entwicklungen an einigen Stellen interessant weiter gedacht hat. Aber für 535 Seiten ist das zu wenig und ich fühle mich meiner Zeit beraubt.

2 von 5 Sternen.

Comic: „The Rise and Fall of the Trigan Empire”

Als kleiner Bub bin ich in den Ferien öfters bei meiner deutschen Großmutter im Odenwald gewesen. Schräg’ gegenüber gab es einen Zeitschriftenladen, der einige Comics hatte. U.a. ein Comic-Magazin namens „Kobra, das vorzugsweise britische Serien abdruckte. Mir hatte es vor allem die Serie „Das Reich Trigan“ angetan, die so bombastisch daher kam. Zeichnerisch aufwändig, epische Stories und eine verrückte Mixtur aus römisches Reich, Science-Fiction und Fantasy.

Denk ich an Trigan, denk ich an diese Kleinstadt im Odenwald, an die Kopfsteinpflaster-Straßen, das Geläut um 18 Uhr, mit dem gleichzeitig alle Ladengeschäfte schlossen, an den Spielzeugladen, der einer Freundin meiner Großmutter gehörte. An den kleinen Kohleofen im Wohnzimmer, das traditionelle Gläschen Rotkäppchen-Saft zum Abendbrot und „Onkel Otto“ im hessischen Werbefernsehen. An die zentnerschweren Bettdecken, an den Pisstopf unterm Bett (Toiletten gab es nur im Treppenhaus, eine halbe Etage tiefer).

Nach „Kobra“ habe ich „Das Reich Trigan“ nur noch 1-2 weitere Male gesehen.

Einige Jahre später bekam ich mit, dass die Serie als „faschistisch“ bezeichnet wurde. Naja, nun war es in den 70er und 80er Jahre so, dass die Comic-Kultur in Deutschland, und damit der Diskurs, noch reichlich ungesund war. Superhelden-Comics galten als moralisch verderbende Bildergeschichten. Mit den Tom & Jerry im ZDF-Vorabendprogramm entflammte eine Diskussion über zu viel gewaltverherrlichende Fernsehen für Kinder – 40 Jahre später hat keiner mehr ein Problem, wenn um 17 Uhr in CSI fröhlich Leichen obduziert werden … aber ich schweife ab.

Über 40 Jahre später, gab es ein Wiedersehen mit dem Reich Trigan. Bei HumbleBundle konnte wieder ein Bündel von eBooks von Rebellion erworben werden. Wie gut hat sich „Das Reich Trigan“ gehalten? Erlag ich als Achtjähriger irgendeinem Fascho-Zeug?



Zuerst braucht es etwas mehr Kontext: „The Trigan Empire“ ist eine britische Comic-Serie die von 1965 bis 1982 lief. Es handelt sich also um eine fast 60 Jahre alte Science-Fiction-Serie und wie man schon an Isaacs Asimovs Foundation-Trilogie sehen konnte, altert nicht jede Science Fiction gut.

Die Serie wurde anfangs in wöchentlich erscheinenden Comic-Magazinen jeweils mit zwei Seiten abgedruckt. Das erklärt die teilweise arg textlastigen Seiten und die Kurzatmigkeit der Story. Aufsehenerregend waren die aufwändig gestalteten Zeichnungen/Malereien von Don Lawrence.


Die Stories beschreiben Aufstieg und Fall des Kaiserreiches Trigan auf dem Planeten Elekton. Es ist eine recht krude Mixtur aus „Römisches Reich“ meets „Bibel“ meets Fantasy meets Flugzeuge und Strahlenwaffen. Architektur und Kleidung orientiert sich überwiegend am römischen Reich. Kaiser Trigo und seine Sippschaft hüpft mit Sandalen und einem Schwertchen herum, während die Soldaten um ihn herum am Flughafen, die Strahlenpistole im Holster tragen.

Die Serie beginnt als Trigo und seine beiden Brüder das Nomadenvolk der Vorg anführten. Das Volk wird bei einem grundlosen Angriff eines Kampffliegers eines Nachbarvolkes, der Lokan, fast ausgelöscht. Für Trigo ist dies der Auslöser, um das Volk sesshaft und wehrhaft zu machen. Zu Hilfe kommen ihnen dabei Flüchtlinge vom weitaus höher stehenden Volk der Tharvs, die ebenfalls von den Lokan fast ausgelöscht wurden. Es gelingt ihnen die Lokan bei einem Angriff auszutricksen und im Eiltempo eine Zivilisation hochzuziehen.

Die einzelnen Stories sind zwischen 7 und ca. 30 Seiten lang. Es wechseln sich die gleichen 3-4 Grundtypen von Stories ab. „Der Verräter“ (einer der Brüder, einer der Generäle etc…) versucht das Imperium zu stürzen. Das „fremde Böse“ (andere Völker, Außerirdische) versucht das Imperium zu stürzen. Es wird ein neues Volk/neues Gebiet/neuer Planet entdeckt und bei der Entdeckung riskiert eine Person aus dem kaiserlichen Umfeld draufzugehen.

Häufig gibt es irgendwen oder irgendwas, dass die Kontrolle über die Vorgs oder dem kaiserlichen Umfeld übernimmt: Hypnose, außerirdische Stimmen, außerirdische Seelenwanderer, ein Kraut, das Wahnvorstellungen produziert, Trinkwasser, das willenslos macht… etcetera pp…

Aber am Ende gewinnt das „Gute“. Über die knapp 20 Jahre in denen die Serie lief, hat sich das Reich nur wenig gewandelt. Rein äußerlich verbreitete sich im Reich die Architektur des 70er-Jahre Brutalismus, aber bei Trigo und seinem Berater Peric blieben die Vorlieben für römische Klamotten. All die Konflikte hinterließen keine Spuren, außer graue Haare an Trigos Schläfen. Die Popularität von Kaiser Trigo veränderte sich kaum. Das Volk war mit dem Benevolent dictator for life zufrieden.

Das ist alles von einer Naivität, die auf Dauer maximal von Achtjährigen zu ertragen ist. Wo der Vorwurf der Verherrlichung von Faschismus kommt, ist zu sehen: Trigo und Co. sind ein Traum von Arier: blonde Haare, blaue Augen, muskulöser Körper. Seine Gegner hingegen…






In den ersten beiden Bildern sieht man die Hauptfeinde: die Lokan. Die Assoziationen mit „die Gelbe Gefahr“ und Mongolen liegen auf der Hand. Butterworth und Lawrence haben dies schnell etwas zurückgefahren. Die Lokan bekamen später eine grüne Hautfarbe. Aber das klare Freund-/Feind-Schema bleibt an Gesichtern und Mimik ablesbar und wird im Laufe der über 800 Seiten nur 2-3 Mal durchbrochen.

Verstärkt wird dies durch ein Grundthema, das sich durch viele der Stories durchzieht: das Unbekannte, das Ding, das von draußen kommt und immer Ungemach nach sich zieht. Ich kenne Butterworth und Lawrence nicht. Daher finde ich es etwas müßig ihnen Rassismus vorzuwerfen. Aber der Reaktionismus der durch die Seiten wabert, ist selbst als Erwachsener und unter Berücksichtigung, dass es sich um die 60er und 70er Jahre handelt, nur schwer zu ertragen.

Fast folgerichtig ist es, dass auch den 860 Seiten Frauen so gut wie keine Rolle spielen (Asimov lässt grüßen).

Und was sagt der achtjährige Bub in mir? Der hat sich so ein bisschen geschämt, kam aber bei einigen Panels wieder in mir hoch. Es gab Bilder von Lawrence, die haben sich mir im Kopf eingebrannt hatten und den Bub getriggert haben. Es sind die Mimiken, es ist die Formensprache einiger SF-Elemente und es sind die massiven Farben und die Kolorierung, die aus „Das Reich Trigan“ offensichtlich etwas derart einmaliges machen, dass ich nach über 45 Jahren einige Panels wieder erkannt habe.

Lawrence hat Dinge gezeichnet, die man als Achtjähriger nicht für möglich hielt. „Das Reich Trigan“ war die Comic-Entsprechung eines Monumentalfilms. Er hat nicht nur Dinge auf Papier gebracht, sondern den Sujets und Objekten auch eine Haptik gegeben. Sein Einsatz von Farben schaffte es, den Dingen eine Fremdheit zu geben, wie es im Bereich der realistischen Zeichnungen nur einem Richard Corben gelungen ist.

Als Kaiser Trigo entdeckt, dass er drei Söhne bekommen hat
Besuch auf einen fremden Planeten






Aber das alles, ist ein Faszinosum vergangener Zeiten – als die Comics noch nicht am Computer koloriert wurden und als noch nicht alle zehn Minuten ein neuer Marvel-Film veröffentlicht wurde. Was in der heutigen Rezeption hängen bleibt, ist ein maximal einfältiger Stoff, der zu wenig aus der Langzeitbeobachtung eines Kaiserreichs macht. Dazu kommt eine Grundtonalität, die aus der heutigen Perspektive erzreaktionär und abstoßend wirkt. Der Bub in mir, hat sich eine Zeitlang gefreut. Aber das ist etwas zwischen mir und diesen Comics. Dazu braucht es keine 860 Seiten und für alle anderen ist es eh nicht relevant.

1 von 5 Sternen.

Comic: „Eternals: Only Death is Eternal“, Vol.1

Cover des Bandes

Mein erster Kontakt mit der Neuauflage der Serie „Eternals“ waren Abbildungen der ersten Seiten im Newsletter von Kieron Gillen – und es ward um mich geschehen. Es war Liebe auf den ersten Blick: die Zeichnungen von Esad Ribić und der Colorierung von Matthew Wilson.

Die Zeichnungen atmen eine Leichtigkeit und eine Transparenz. Aber das Layout, die Formsprache und der Strich haben einen Punch.

Aus der Eröffnungssequenz

Die Zeichnungen sind linienlastig, ohne das man sie wahrnimmt. Es kommen, auch dank der Formensprache, Assoziationen mit Mœbius auf. Aber die Linien sind mehr als nur Markierungen für den Coloristen, um Farbflächen zusammenzuhalten. Beim Reinzoomen zeigen die Linien eine Textur wie bei einem Bleistift. Teilweise werden wegradierte Vorzeichnungen sichtbar. Die Schraffur ist kraftvoll und die Linienzüge zeigen eine Kantigkeit, als hätte Jack Kirby himself Hand angelegt.

Großaufnahme eines Gesichtes
*: Colorierung bearbeitet, um den Strich sichtbarer zu machen

Ich hielt beim Lesen immer wieder inne um zu verstehen, wie hier Strich, Layout und Colorierung zusammenarbeiteten.


Die „Eternals“ sind Mitte der 70er Jahre von Jack Kirby für Marvel erfunden worden und sind im Marvel-Universum eher eine Randerscheinung. Als humanoide Außerirdische, die vor eine Million Jahre zur Erde gebracht wurden, um die Menschheit zu beschützen, funktionieren sie nicht wie 08/15-Superhelden. Sie haben andere Agenden, was letztendlich dazu führt, dass sie innerhalb des Marvel-Universum immer heimatlos blieben und das Interesse nur temporär aufglimmte.

Jetzt ist es Autor Kieron Gillen, der ungefähr zehn Jahre nach dem letzten Versuch mit Neil Gaiman, versucht, den Eternals ein Fundament zu geben.

Dazu legt Autor Kieron Gillen in den ersten sechs Heften, die in diesem Band versammelt sind, eine „Whodunit“-Mörder-Story vor, die über weite Teilen eine Intrige aufbaut und immer weiter verschraubt. Die Struktur ist aber gleichzeitig ein Vehikel, um über die sechs Hefte hinweg, Stück für Stück, Hintergründe zu liefern und Portraits dieser Gruppe von Eternals zu zeichnen. Es liest sich wie ein Regelbuch zu einem neuen Rollenspiel. Es ist zu sehen, wie Gillen auch außerhalb des bloßen Storykerns herum, Aufwände betrieb, um die ganze Eternals-„Welt“ zu fixieren.

Die Auflösung des ersten Storybogens funktioniert wie bei einem Zauberer: Gillen lenkt die Aufmerksamkeit mal hier hin, mal dort hin. Und am Ende kommt die Auflösung aus einer ganz anderen Ecke, entwickelt aber eine ungeheure Wucht, die vermuten lässt, dass dies die Eternals für den restlichen Lauf der Gillen-Ära prägen wird.

Auch die „Eternals“ ticken wie andere Gillen-Comics als „Ensemble-Comics“. Gillen positioniert zuerst die Figuren innerhalb der Gruppe, ehe dann die Handlungen anfangen, an unterschiedlichen Fäden zu ziehen um die Charaktere und die Gruppendynamiken zu verändern – Stichwort „The Wicked + The Divine“ oder „Die“.

Die Story ist vielleicht ein paar Seiten zu lang geraten, dreht vielleicht einige Schleifen zu viel. Aber es sind anfassbare Charaktere. Der Band wirkt in sich abgeschlossen und gleichzeitig als Anfang von etwas Größerem. Dazu die einmaligen Zeichnungen & Colorierungen von Ribić und Wilson. I’m sold. und zwar sowas von.

4 von 5 Sternen.

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