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Lemonade Inc. ist ein 2015 gegründetes Versicherungsunternehmen in den USA. Das Unternehmen wird in der „InsurTech“-Branche schwer gehypte. Neben den üblichen Boohay aus App-only Vertrieb und Einsatz von AI zur Erstellung eines Versicherungsangebotes und Überprüfung von Schadensfällen, hat das Unternehmen eine Besonderheit: sein Businessmodell.

In seiner Positionierung konstruiert es einen systemimmanenten Konflikt zwischen Versicherungsunternehmen und Kunden: Versicherungsunternehmen machen nur dann Profit, wenn sie Schadensfälle des Kunden ablehnen. Und der Kunde hat wiederum ein Interesse Schadensfälle zu fälschen, weil der Profit ihm zugute kommt.

Dies will Lemonade bei sich ausgehebelt wissen. Lemonade nimmt nur einen festen Prozentsatz des Versicherungsbeitrages des Kunden (20%). Ein anderer fester Prozentsatz fließt in einen Auszahlungspool aus dem Schadensfälle bezahlt werden. Alles was in diesem Pool zum Jahresende übrig bleibt, fließt an eine vorher vom Kunden ausgesuchte, wohltätige Organisation.

Mit diesem Kniff aus der Verhaltensforschung will Lemonade gegen die oben erwähnten Konflikte anarbeiten:

  1. Der Versicherer hat kein Interesse, gemeldete Schadensfälle abzulehnen, da sein Profit nicht aus diesem Geldpool kommt
  2. Der Versicherte hat kein Interesse, eine wohltätige Organisation zu schädigen und unberechtigte Schadensfälle zu melden.

Ich halte den Menschen per se für zu schlecht, um daran zu glauben, dass dieses Konstrukt nicht irgendwie doch ausgehebelt wird oder Lemonade nicht doch irgendwo Dreck am Stecken hat oder das Geschäftsmodell nicht solide ist. Wie stabil ist Lemonade, wenn nach Hurrikans sehr hohe Schadensansprüche geltend gemacht werden? Wie stabil ist Lemonade, wenn die Tarife bei den Rückversicherern anziehen?

Der Kniff des Einsatzes von Behavioral Science zur Gestaltung eines Geschäftsmodells, den finde ich aber interessant.

Büro-Kündigung.

Ich habe heute mein Büro in der Innenstadt gekündigt. Das Haus in Langenhorn hat ein Arbeitszimmer und im Sommer wurde die Miete für das Büro in der Innenstadt um fast 15% erhöht und hievte die Büromiete über die 500,– Euro-Schwelle.

Mit der Realisierung, dass da monatlich eine Miete im Gegenwert eines Kurzurlaubs anfällt, brach ein Teil der Daseinsberechtigung für das Büro weg. Der Todesstoß kam dann im Selbstversuch: Montag im Büro, Dienstag bis Freitag zuhause im Arbeitszimmer. Und mit einem Mal wirkte das Büro steril. Ein Blick in den Hinterhof. Das monotone Summen einer Lüftungsanlage. Dazu die zunehmende Abneigung gegen Etliches in der Innenstadt.

Nach 20 Jahren versuche ich es wieder mit Arbeit von zuhause aus. Nach der Robert-Koch-Straße in Eppendorf, dem Lehmweg in Hoheluft-Ost, der Lippmannstraße in der Schanze, der Lindenallee an der Christuskirche, der Steinstraße in der Altstadt und nun der Großen Bleichen im Passagenviertel.

Die eigentliche Kunst wird es sein, im Laufe einer Arbeitswoche auch aus der Butze rauszukommen.

© 2018 Kai Pahl

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