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Category: Life (page 2 of 2)

Was war. Mitte April.

Vor einigen Wochen war es noch ein Twitter-Scherz als Nachrichtensender und US-Gouverneure prominent darauf hinwiesen, welcher Wochentag sei. Inzwischen spiegelt es das Lebensgefühl wieder. Es hat inzwischen das Bill Murray-Murmeltiertag-Gefühl eingesetzt, weil sich alle Tage uniform anfühlen. Sogar das Wetter scheint seit zwei Wochen in diesem „morgens-zu-frisch-für-draußen-frühstücken-aber-ab-nachmittag-knallt-die-sonne“-Modus stehen geblieben zu sein.

Die freitägliche Erinnerung des Kundens an Abgabe des Stundenzettels markiert quasi das Wochenende. Dann bis Zwei zählen. Dann ist wieder Montag und man muss sich ab 10h30 in die tägliche Telefonkonferenz einwählen.


Letzten Sonntag 9h37, im Garten. Der Moment der absoluten Stille. Zumindest der Moment der Abwesenheit aller menschlichen, aller künstlichen Geräusche. Nur der Wind und die Vögel.

Als ich gestern Nachmittag zu Fuß zum Stadtteilzentrum ging, war von Ausnahmezustand nicht viel zu merken. Es war gewohnter Autoverkehr und gewohnte Betriebsamkeit in der Fußgängerzone – als würden alle um eine zweite Viruswelle betteln.

Things I listened to.

Mindestens zweimal am Tag: GorillazEmpire Ants“, feat. Little Dragons Yukimi Nagano bei einem Liveauftritt bei David Letterman 2010.

Speziell dieser Liveauftritt verkörpert gut die zerbrechliche Melancholie, die meistens bei den Gorillaz mitschwingt, ohne aber das Brachiale, dass Liveauftritte meistens haben. Und Nagano hat einen faszinierend ungelenken, aber authentischen, kraftvollen Auftritt, der auch ganz gut zum Girlie-Image einiger Gorillaz-Protagonisten passt.

Von den Gorillaz wieder angefixt, bin ich dank der derzeit laufenden „Storyline“ „Song Machine“, die erste zwei gute Stücke hervorbrachte. Nein, Episode Two Désolé ist nicht nur gut, sondern großartig, dank der Solos von Fatoumata Diawara.

Things I worked on.

Das Kundenprojekt t5 schippert relativ unaufgeregt weiter den Fluß runter. In den Vorwochen verbrachte ich meine Zeit mit Regular Expressions, DOM-Manipulationen und Event-Management. Die vergangene Woche war eine Explosion an unterschiedlichsten Themen, geprägt von Code-Reviews, Testing, Verfassen von Tickets, Schreiben von Dokumentationen, Nachdenken über Konzepte. Ich weiß nicht, in wievielen unterschiedlichen Kontexten ich unterwegs waren. Das sind 7-Stunden-Arbeitstage, die sich wie zehn Stunden anfühlen.

Things I did.

Anfang April habe ich spontan mit der Anzucht von Pflanzen in Eierkartons angefangen. Spontan heißt: ohne große Vorbereitung einfach Erde genommen und die Samen reingedrückt. Mal sehen, wann ich mit Pikieren & Aussetzen anfangen kann.

Ich habe einen Großeinkauf in einer Gärtnerei in den Garten versenkt. Der Himbeer-Strauch hat nun zwei Begleiter bekommen. Ähnliches auch bei der Clematis-Staude. Zusätzlich habe ich ihnen eine Rankhilfe entlang des Regenrohrs gegeben.

Letzte Woche schaute dann auch ein Igel abends (mindestens) zweimal vorbei.

Ich habe weiterhin Probleme mich hinzusetzen und zu zeichnen.

Things I read.

Ich lese mich immer noch durch die Erstausgaben von Serien durch, die Image Comics als kostenlose ePaper online gestellt hat. Knapp ein Drittel landet davon auf meine Merkliste.

Für mich ist es der erste intensivere Kontakt mit Image Comics seit Image 1992 gegründet wurde. Damals war es eine sehr zwiespältige Sache. Einerseits war es lobenswert, dass einige Highflyer aus den Konzernen Marvel und DC sich selbständig machten. Auf der anderen Seite verkörperten die meisten Gründungsmitglieder wie Todd McFarlane, Rob Liefeld, Marc Silvestri, Erik Larsen und (mit Abstrichen) Jim Lee zeichnerisch und inhaltlich gequirlte Scheiße hoch zwei. Bei McFarlane und Liefeld bestreite ich bis heute, dass sie überhaupt zeichnen können.

Als Anfang der 90er Jahre Leute wie Alan Moore überraschend bei Image aufschlugen, wirkte das mehr wie ein Feigenblatt.

Jetzt, fast 30 Jahre später, wie ich mich so durch die Reihe an Erstausgaben durchlese, bin ich angenehm von der Diversität an Inhalten und Zeichnungen überrascht – Image Comics ist da weit, weit, weit vor DC und Marvel.


Eigentlich wollte ich meinen lokalen Dealer zu Coronazeiten mit einer umfangreichen US-Comic-Bestellung beglücken. Die Bestellung wurde aber komplett und kommentarlos storniert – ich vermute Libri bestellt US-Comics über den Quasi-Vertriebsmonopolisten Diamond Comics, der Ende März in die Coronapause ging.

Die beiden US-Comics, die ich via Amazon bestellte, sind angekommen. Das verdeutlich einmal mehr, die faktische Marktmacht des Konzerns, der US-Comics auch liefern kann, wenn US- und Deutschland-Vertrieb es nicht können und Fahrradschläuche auch dann liefern kann, wenn die Fahrradläden noch geschlossen haben.

Things I watched.

Ich habe wirklich noch nichts zu der Season 1 von „Star Trek: Picard“ geschrieben?

Okay. Unterm Strich war ich so semi-zufrieden damit. Die Staffel ist in zwei Teile zerfallen. Ab zirka Mitte der 6ten Folge wirkt es wie eine andere Serie: wesentlich schneller und homogener im Tempo. Aber insbesondere mit mehreren Wochen Abstand, hat die Staffel zwei Probleme, die den Gesamteindruck erheblich trüben.

Zuvorderst steht für mich das Ende der ersten Staffel rund um Jean-Luc Picard himself. Alles schien auf ein rundes Ende der Story hinauszulaufen, ehe der Plot plötzlich ein Karniggel aus dem Zylinder zaubern und in eine andere Richtung abbiegen, die auf mich nicht angemessen wirkte, sondern einfach nur billig. Ein Plot-Konstrukt vom Grabbeltisch des Drehbuchschreiber-ALDIs.

Das zweite Problem, sind die immer irrwitziger werdenden Wendungen einiger Protagonisten, die den Figuren jedwede Glaubwürdigkeit nahmen. Namentlich die Wissenschaftlerin Agnes Jurati und und nahezu alles was auf dem Planeten Coppelius kreucht und fleucht.

Meh. Ich brauche da noch ‘ne Zeit um da drüber hinwegzusehen.

Disconnected

Das Grundthema der letzten Wochen setzt sich weiter fort. Da draußen steht alles im Zeichen des Coronavirus‘. Aber in meiner kleinen Butze ist Coronavirus nur etwas was ich rezipiere, was mich aber wenig im Alltag beeinflusst. Okay, kein Frühstück und kein Essen mehr außerhalb. Selektiveres Einkaufen.

Die Arbeit war eh zu 80% Home-Office – und ist nun zu 100% Home-Office. Das gute Wetter hat auch das Thema Garten in den Vordergrund gerückt. Nachmittags habe ich mich für 3–4 Stunden vom Job abgemeldet habe und sie dann nach Sonnenuntergang und Abendessen, hinten drangehängt.

Insofern: den weggefallenen, nicht-existenten Sportkonsum vermisse vermisse ich nicht. Und ich lese, und lese und lese…


Die letzte Woche war im Projekt t5 anstrengend. Ich hatte drei Tickets gleichzeitig, zwischen denen ich immer springen musste. Dazu kamen drei Code-Reviews, die man auch nicht mal eben durch winkt, sondern auch mal zwei Stunden im Editor und im Browser Zeile für Zeile anguckt. Mein größtes Ticket ist gerade in einer Art Beta mit mutmaßlichen Release Ende April.

Auf der einen Seite hatte ich die Woche das Glücksgefühl, durch 1-2 Stunden Nachdenken und Abwägen von Lösungsansätzen, für ein Ticket zu einer sehr elegante Lösung gekommen zu sein, bei der eine clevere Kombination aus CSS und HTML dazu geführt hat, den Verwaltungsaufwand für das Modul in Javascript niedrig zu halten. Auf der anderen Seite bekam ich an anderer Stelle deutlich die Limits meines Verständnisses von Flexbox und Grid-CSS aufgezeigt. Das war so ein Punkt, wo ich mir am liebsten einen Tag frei genommen hätte, um verschiedene Umsetzungen auszuprobieren.

Mit Beginn der kommenden Woche hat der Kunde des Projektes t5 den Umfang der Buchung meiner Wenigkeit noch einmal hoch geschraubt.


Mein Medienkonsum ist derzeit stark durch das Gratis-Angebot von Image Comics geprägt. Dort gibt es die Auftaktausgaben zahlreicher Serien gratis zu lesen – eine ideale Gelegenheit, in neue Serien reinzuschauen, ob da was brauchbares dabei ist.


Bei Gumroad einige Comics von Andi Watson gekauft.


Überbleibsel von Weihnachten auf der Playstation angespielt: „Watch Dogs 2” und „Spider-Man“ und dabei festgestellt, dass nahkampflastige Spiele, die in den ersten Minuten gleich ein Dutzend unterschiedlicher Controller-Aktionen auf dich drauf schmeissen, nichts mehr für mich sind. Mein Gott, ich vermisse den ersten Crackdown-Teil.


Die Terrasse meines Gartens wird derzeit von Vögeln gut besucht – leider überwiegend sehr photoscheue Exemplare. Ich liebe „meine“ beiden Stare-Kinder, die sich wie übergroße Quietscheentchen anhören. Stargast im Sonnenuntergang war eines Tages ein Buntspecht, der auf einem Pfahl an der Terrasse die Situation auslotete. Und schließlich die knudeligen Schwanzmeisen-Geschwister, die ihren Flaum überall im Garten verteilen, aber wie die beiden Stare-Kids, nur zusammen zu sehen sind – wenn man sie überhaupt vor die Linse bekommt.

Fotomontage Schwanzmeisen-Geschwister
Die Schwanzmeisen-Geschwister. Eine*r der beiden flutscht sogar durch das Gitter des Meisenknödelspenders um besser ranzukommen

Dieses Jahr versuche ich im Garten mehr Schwerpunkte zu setzen, statt alles querbeet über den Garten zu verteilen. Rund um den frisch beschnittenen Apfelbaum habe ich Unkraut gejätet. Um den Lavendel herum, weiteren Lavendel ausgesät (statt fertige Töpfe zu kaufen) und dahinter, zum Zaun hin, orangene Ringelblumen gesät. Angeblich bis zu 60cm hoch wachsend.

Bereich rund um den Apfelbaum. Frisch gejätet und gesät
Unten der bestehende Lavendel (dreieinhalb von sechs Töpfen haben überlebt) und zum Zaun hin, Ringelblumen.

Am Wochenende außerdem auch Salbei und Katzenminze um ihre bestehenden Kollegen gesät und spontan einige Samen abgegriffen um zu versuchen, sie auch drinnen aufzuziehen.

Eierkartons mit Aufzucht im Palmentopf auf dem Fensterbrett
Spontane Aktion: einfach mal versuchen, ein paar Samen aufzuziehen.

Die bipolare Woche

Corona ist der rote Faden durch die letzte Woche gewesen. Die Meldung vom letzten Wochenende, Italien würde alles dicht machen, hat auch bei mir den ersten Schalter umgelegt. Ich habe die Woche genutzt, um mich darauf einzustellen, im worst case 2-3 Woche in Heim-Quarantäne zu gelangen.

Ohne Auto und ca. 15 Fußminuten vom nächsten Supermarkt entfernt, besteht mein „Hamsterkauf“ nicht aus einem vollen Einkaufswagen, sondern über die Woche verteilt, ca. 5–6 Einkäufen in Supermärkten und Drogerien, zu Fuß oder mit Rad. Ich horte nicht, sondern sammle nur Vorräte für 2–3 Wochen an.

Die Zahlen in Deutschland eskalieren leider unverändert und haben sich in den letzten Tagen der italienischen Wachstumskurve angepasst [worldometers.info, FT/$]. Derzeit sieht es so aus, als wäre Italien die Vorschau, was uns in einer Woche in Deutschland erwartet.

Ich werde in den nächsten Wochen auf Frühstück und Mittagessen in Bäckereien bzw Trattoria oder Museums- und Kinobesuchen verzichten. Das Brot mache ich in den kommenden Wochen wieder selber, statt es vom Wochenmarkt oder der Bäckerei zu kaufen, wo es Lieferanten, Angestellte und Passanten in den offenen Auslagen vollgehustet haben könnten. Obst und Gemüse vom Markt ist okay – lässt sich ja abwaschen. Desinfektionsgel zum Händewaschen nach Marktbesuch ist ja in der Jackentasche.

Mein derzeit größter Auftraggeber ist ein internationaler Konzern. Seine unternehmensinterne Kommunikation in Sachen Coronavirus begann recht früh. Abgesehen von Reiseverboten und Selbstquarantäne nach Reisen aus Risikoländern, hat er vor allem Home-Office nahegelegt und dazu in den letzten Wochen die Informationen und Infrastruktur noch einmal verbessert – „Home-Office“ ist seit langer Zeit einer der propagierten Pluspunkte seiner Stellenangeboten.

Als Projektteam hatten wir eh schon überwiegend Home-Office gemacht und nur einmal pro Woche ein Meeting in der Hamburger Zentrale abgehalten. Insofern hat Corona nicht viel an unserer Projektkonstellation geändert – Ende der Woche kam die Ansage, dass wir das Meeting vorübergehend durch eine Telefon-/Videokonferenz ersetzen werden. Ich gehe übrigens mit den derzeit immer wieder gehörten Aussagen nicht d‘accord, dass Video- und Telefonkonferenzen ein vollumfänglicher Ersatz für Treffen mit persönlicher Anwesenheit sind. Dazu sind die Dynamiken in Tel- und VidKos anders als bei persönlichen Treffen.

Unterm Strich ist meine berufliche Situation durch Coronavirus weniger betroffen, als die meines restlichen Alltags. Und selbst was meinen Alltag angeht, bin ich recht happy, dass ich mit meinem Umzug etwas weiter draußen wohne, statt in Eimsbüttel. Ich kann hier locker eine halbe Stunde spazieren gehen, ohne dass ich eine Menschenseele treffe. Ich kann mich, brauchbares Wetter vorausgesetzt – und das Wetter sieht immer brauchbarer aus –, mit dem Garten beschäftigen. Das Übelste ist die Absage meines geplanten Urlaub im Mai. Und in Selbstisolation bin ich seit mehr als einem halben Jahrhundert sowieso sehr geübt.

Was war. Februar 2020

Es fällt mir schwer den Monat zusammenzufassen. Es gibt so viele Handlungsstränge und teilweise können sie nur erzählt werden, wenn man Vorgeschichten kennt.

Es war ein schwieriger Monat. Meine Depressionen trafen auf einen grauen und sehr regnerischen Monat. Meine Veranlagung in erster Linie nur Negatives wahrzunehmen, führte zu einem immer schwereren Rucksack von Dingen, die ich machen wollte, aber in Menge und/oder Qualität nicht geschafft habe. Dinge, die mich erfreut haben, waren rar und Petitessen.

Ich habe seit Mitte Dezember Tagebuch geführt. Ein täglicher Abschnitt „Gratitude“ bietet Platz für Dinge, die mich gefreut haben oder für die ich dankbar bin. Im gesamten Februar gab es nur zwei Eintragungen in diesem Abschnitt – okay, dies ist etwas düsterer als es in Wirklichkeit war. Es gab 2–3 weitere Dinge, die da reingehört hätten, aber grundsätzlich spiegelt es meinen emotionalen Pegelstand im Februar wieder. Der „große schwarze Hund“ war so präsent, wie er es seit meinem Umzug vor knapp anderthalb Jahren nicht mehr war.

Things I did.

Die oben erwähnte Tagebuch-Geschichte ist nur eine der Punkte, wo ich derzeit bei mir dran schraube. So versuche ich unter der Woche einmal „Auszugehen“: Museumsbesuch, Kino, Spaziergang und irgendwo Abendessen.




Im Museum für Kunst und Gewerbe gibt es eine Ausstellung „Beauty“ von Stefan Sagmeister und Jessica Walsh. Über die Qualität des Sagmeister/Walsh‘schen Diskurses kann man streiten. Aber es ist schon ein Wert für sich, zwei Stunden durch eine Ausstellung zu einem Thema zu gehen.

Was mich aber am meisten in der Ausstellung getriggert hat, war eine Installation, mit der man sich eine VR-Brille aufsetzen und im Raum „malen“ konnte. Ich setzte die Brille auf und fing an zu „malen“ und es war sofort einer jener Wow-Effekte, bei denen das Hirn ausschaltet, weil alles was an Sinneseindrücken rein kommt, terra incognita ist. Sensorisches Neuland. Nach der dreiminütigen Session musste ich mich erst einmal sammeln.

Am selben Abend schmiß ich zuhause meine Playstation VR an und kaufte im Online-Shop beide PSVR-„Zeichenprogramme“: CoolPaintr und SculptrVR.

Meine Synapsen hatten damit einige Abende lang viel Spaß, an diesem „Malen“ im dreidimensionalen Raum und wie man als (ehemaliger) Illustrator damit umgeht, dass man plötzlich eine Raumdimension mehr als auf dem Papier hat. Aber je besser ich mit der Materie klar kam, desto stärker wurden auch die Defizite, zumindest der beiden Programme auf der PlaystationVR, deutlich. Und ab einen bestimmten Punkte, sind die Limits zu groß, um sich zumindest auf der PSVR-Plattform sinnvoll weiter mit dem Thema zu beschäftigen. Unten stehend, wenn der Browser mitmacht, ist das Resultat des dritten oder vierten Abends (das exportierte STL-Format enthält keine Farbinformationen).

STL-Viewer: „Madeleine.js“ von Junho Jin

Trotz aller Limits – diese Abende in denen ich im Raum „gezeichnet“ habe, möchte ich nicht missen.


Eine Woche später ging es in die Kunsthalle für zwei Ausstellungen.

Impressionismus aus der Sammlung Ordrupgaard und Goya, Fragonard, Tiepolo – Die Freiheit der Malerei.

Ich gehe durch solche Ausstellungen und schreite in Ehrfurcht von Bild zu Bild. Über das was die Maler/Zeichner sehen und ausdrücken können und was ich nicht sehe und nicht ausdrücken kann. Und genau hier steckt mein persönliches Problem: diese Ausstellungen lassen mich klein fühlen. An solchen Tagen pendle ich zwischen den Gefühlen Großartiges gesehen zu haben und der Unzufriedenheit über die eigenen Fähigkeiten. Der große schwarze Hund ist nie weit weg.


Im Garten habe ich, so weit ich rankommen konnte, endlich allen Bambus samt Wurzeln entfernt und in den entstandenen Lücken Liguster-Stecklinge eingepflanzt.

Im Februar sind Schneeglöckchen und Krokus rausgekommen, aber vielfach im Dauerregen abgesoffen. Durch die ungewohnt hohen Temperaturen, sind sie rausgeschossen, wurden zu schnell zu groß und konnten dann dem schweren Regen nicht standhalten.

Ansonsten ist das derzeitige Dilemma, dass alle Signale eigentlich auf Vor-Frühling stehen, inkl. den blühenden Forsythien und man Schneiden und Säen will, aber die Wettervorhersagen noch weiter Frosttage vorhersagen…


Ich habe den Ablauf meiner Woche umgestellt. Ich versuche mir den Dienstag- oder Donnerstagnachmittag frei zu nehmen (s.o.). Der Samstag hat sich inzwischen als Garten-, (Sport-)TV- und Lese-Tag etabliert.

Vor einigen Wochen sprach ich mit einer Freundin und da fiel auch der Satz, sinngemäß: man sollte weniger konsumieren und mehr kreieren. Daher versuche ich den Sonntag derzeit umzuschalten – weg vom Sport-TV, hin zum „Dinge-Machen“-Tag. Vorzugsweise am Computer, 1-2 private Projekte anschieben. Nach etwas mehr als ein Jahr nach dem Ende von allesaussersport reduziert sich mein Sport-Konsum weiter.

Things I watched.

„Burning“, südkoreanischer Film von 2018 von Lee Chang-dong. Der Film etabliert prototypische Strukturen eines Thrillers, wirkt für mich aber eher wie ein Film über die Twen-Generation in Südkorea. Was am Ende bleibt, ist nicht das, was der Film sagt oder zeigt, sondern das, was knapp 140 der 148 Minuten lang, unter der Oberfläche zu spüren ist. Verstörend. Beunruhigend. Vier von fünf Sternen.

Filmplakat

Things I worked on.

Beim Kundenprojekt „t5“ wurden im Februar weitere Features integriert oder ausgebaut und sind weitere Länder-Versionen gelauncht worden. Ich hatte einige Refactoring-Themen und in diesem Zuge auch mit dem im Projekt eingeführten Test-Framework Cypress angefangen.

Was Cypress da macht und mit welcher Intention, fängt man erst nach ein paar Tagen an zu verstehen, wenn man ein Gespür für die Funktionen entwickelt hat und die Dokumentation mit einem zweiten und dritten Blick abklopfen kann.

Es ist nicht unheikel, weil Cypress so tut, als wäre es ein großes Ganzes, ist aber in Wirklichkeit eine Mischung aus etlichen Ideen. Erst mit Erkennen dieser Ideen und ihrer Quellen, jQuery, Mocha, Chai, Puppeteer, kommt auch ein Verständnis für die zu etablierenden Strukturen und Tests.

Ein Beispiel für den problematischen Kontextwechsel den Cypress versteckt, sind die Testbedingungen. Bei den Commands wie z.B. get(), sind sie nur implizit (Elemente sind binnen 4 Sekunden im DOM – oder nicht). Bei should() werden Mocha/Chai-Assertions zwar explizit gesetzt, aber nur als sogenannte „Chainers“ innerhalb eines Strings. Wenn aber Callbacks eingesetzt werden, werden Mocha/Chai-Assertions in originaler Mocha/Chai-Schreibweise z.B. via expect gesetzt.

Das fühlt sich nicht gut an, weil dies das Missverständnis fördert, dass Cypress ein reines „wir schaun‘mal nach, was im DOM drin ist“-Tool ist, dass z.B. die Backendler dazu verleitet, Browser-End-2-End-Tests zu machen, statt zu testen, was die von ihnen programmierte API auf Requests zurückschmeißt.


Das wars vom Abgrund. Lebe geht weiter.

War war. KW#02, #03, 04

Der Kampf mit dem Bloggen geht weiter. Ich nehme mir zu viel zum Schreiben vor. Dann kommt irgendwas am Wochenende dazwischen. Und am Montag auch. Und schon wird das Bloggen um eine Woche verschoben. Damit nehme ich mir noch mehr zum Schreiben vor, usw. usf.

Things I worked on.

Beim Kundenprojekt „t5“ wurde und wird im Januar ohne Projektmanager gearbeitet – der sich mit Jahresurlaub etliche Längengrade weit weg aufhält. Für das Team ist „Selbstorganisation“ angesagt. Letzte Woche gingen zwei weitere Länderversionen der Website online.

Das Projekt hat nach etwas mehr als sechs Monaten den Zustand erreicht, wo die Entwicklung neuer Features sich im Wettstreit mit dem Thema „technische Schulden“ um wertvolle Entwickler-Ressourcen befindet. Ich selber, pendle derzeit zwischen Refactoring-Themen und Umsetzung weiterer UI-Elemente.

Eine Code-Review warf die Frage auf, was eigentlich Code-Frischlinge heutzutage auf den Höheren Bildungsinstitutionen mitgegeben wird. Konkret ging es um die Frage, wieviele abstrakte Prozesse rund um Projektarbeit, wie zB „Best Practices“, „Clean Code“, Aufbereitung von Code für ein größeres Projekt statt einem kleinen Hobby-Wochenende-Quickie, in solchen Schulen unterrichtet werden. Oder sind das Themen, die ausschließlich in der täglichen Praxis gemäß „learning by doing“ selbst aufgenommen werden müssen und die daher für alte Säcke wie mich ungleich höhere Priorität haben.

Selbst bei der Solo-Arbeit: je älter ich werde, desto weniger vertraue ich meinem Gedächtnis und desto mehr sichere ich mich über Kommentare, Namensgebung von Variablen/Methoden, Commit-Messages und Dokumentation ab.

Things I did.

Mehr Bewegung. Es geht mir auf den Sack, dass meine Klamotten wieder anfangen zu spannen. Ich achte wieder verstärkt auf die Aktivitätsringe (Schrittzahl etc…), Portionsgröße beim Essen und habe zuhause die Soft-Drinks reduziert.

Mehr Garten 1. Ich bin dem Bambus an der Stirnseite des Hauses an den Kragen gegangen. An etlichen Nachmittagen habe ich alles herunter geschnitten und auf ca. 25% der Fläche den Boden umgegraben und die Bambuswurzeln entfernt. Zirka 2–4 Wochen habe ich noch Zeit, bevor die Vegetationszeit wieder einsetzt und bis dahin zumindest rudimentär die Liguster-Steckhölzer an den kahlen Stellen eingepflanzt sein sollten.

Die Baustelle an der Stirnseite
Bambus-Triebe gegen das Haus gelehnt
Die größten Bambustriebe habe ich mir bis zum Schluss aufgespart: knapp anderthalb Stockwerke hoch.

Mehr Garten 2. Die Hasel blüht. Die Schneeglöckchen lassen sich nur noch wenige Tage bis zum Blühen Zeit – alles dank milden Winter zwei Wochen früher als usus. Das weckt Ambitionen, Lesehunger und Lust auf Planung. Das Problem für mich Garten-Anfänger, ist die „Asynchronität“. In den kommenden Wochen siehst du, was du im Herbst gepflanzt hast. Du bekommst also Feedback wie gut du die Zwiebeln verteilt hast, erst vier bis fünf Monate nach dem Vergraben und bekommst danach erst wieder sieben Monate später, die nächste Chance zum Pflanzen.

Hasel-Blütenkatze
Schneeglöckchen

Die Gartenzeitschriften (und Oh Boy, was kaufe ich für Gartenzeitschriften…) machen in ihren aktuellen Ausgaben mit Frühlingsblumen auf – fucking Frühlingsblumen, die ich im letzten Herbst oder Sommer hätte kaufen und pflanzen müssen, um sie wie in den Zeitschriften blühen zu sehen.

Als Laie wäre es hilfreicher, wenn die Zeitschriften im Februar mit ihren Spätsommer-Ausgaben erscheinen würden, ganz nach „und wenn Sie wollen, dass ihr Garten im September so aussieht, dann müssen Sie jetzt xyz pflanzen“.

Folgerichtig, habe ich mir einen eigenen Jahreskalender geschrieben, um im Auge zu behalten, wann welche Pflanzen besorgt und gepflanzt werden müssen (Große Windröschen & Gefingerte Lerchensporn, here I come…).

Mehr Garten 3. Ich habe den kleinen alten Apfelbaum geschnitten – diesmal hoffentlich intelligenter (a.k.a. nach „Schulbuch“) und vielleicht kriege ich ihn doch noch mal zum Blühen vitalisiert.

Taubnesseln
Taubnesseln sind auch früh dran

Reading List

  • Every Noise at Once – statistische Auswertung von Spotify-Daten, u.a. mit allen 3.865 auf Spotify vertretenen Musikrichtungen und den Tracks von 2019, gefiltert nach Land und/oder Musikrichtung
  • Project Art Cred – Kieron Gillen spendiert ein kleines Script und verschiedene Zeichner setzen dies in einer Comic-Seite um.
  • Testimony before the House Antitrust Subcommittee – Der CTO des Projekmanagement-Tools „Basecamp“ gab eine Erklärung vor der kartellrechtlichen Untersuchungskommission des US-Abgeordnetenhauses ab. Dabei geht es um die Monopolstellung von Google, Apple und Facebook.
    [The App Store] has allowed Apple to keep fees on payment processing for application makers like us exorbitantly high. Whereas a competitive market like that for credit-card processing is only able to sustain around a 2% fee for merchants, Apple, along with Google, has been able to charge an outrageous 30% for years on end.
    Bonus: wer sich über die Probleme von Entwicklern für Apple-Anwendungen auf dem Laufenden halten will, dem empfehle ich MJ Tsais Blog, der viele Probleme aggregiert

Things I read.

Ich komm‘ zu nix. Die ungelesenen Links stauen sich und ich habe dieses Jahr bislang mehr Bücher gekauft als gelesen.

Things I watched.

Grosso modo: Sport, Impeachment-Verfahren und Gaming-Streams.

Bonus 1: „Star Trek: Picard“. Folge 1 war nicht weltbewegend, aber die Zeit verging wie im Flug. Und bitte, bitte, bitte: Patrick Stewart nie wieder französisch sprechen lassen.

Bonus 2: „Maschek“ ist im neuen Jahr wieder in Höchstform.

Weiter gegen den Bambus.

Was war. KW#01

Things I did.

Nach meiner Tagesfahrt an Heiligabend, habe ich Silvestern so ziemlich genau nüscht gemacht. Abends gab es eine Kartoffelsuppe nach einem Rezept von Lafer und ich habe mich dem US-Sport-Programm mit College Football und College Basketball hingegeben.

Nach dem Wegzug einer Familie vor einigen Wichen, ist in der Reihenhauszeile die Knallerei völlig ausgeblieben. In den anderen Zügen ist es etwas stärker als letztes Jahr gewesen, aber um kurz vor Eins war dann überall finito.

Der Neujahrstag war dank eines Unfalls bei der Gartenarbeit ziemlich gebraucht. Beim Wegpacken von ausgerissenen Bambus’, schlug ein kleines Bambus-Zweiglein wie ein Peitsche, unter meiner Brille durch, gegen mein offenes rechtes Auge. Fünf Minuten lang tat es höllisch weh und ich torkelte zurück ins Haus. Dann fing das große Tränen an. Ich konnte das rechte Auge immer wieder nur für kurze Zeit öffnen. Anscheinend war irgendwas im Auge. Ich legte mich auf die Couch und döste vor mich hin. Ich ging unter die Dusche um mein Auge auszuwaschen. Alles ohne Erfolg und gegen Ende des Nachmittags, hatte auch mein linkes Auge kein Bock mehr und ich musste die Wohnung fast komplett abdunkeln. Ich entschied mich gegen einen Gang in die Notaufnahme – will man am Neujahrstag wirklich in die Notaufnahme? – und für ins Bett gehen.

Und siehe da. Elfeinhalb Stunden später aufgestanden. Ein ganz klein bisschen Kruste vom rechten Auge entfernt und alles war wieder hergestellt. Die Magie des Schlafens – hilft gegen Erkältung, Magenprobleme und andere Zipperlein.

Wetter ist wieder ein großes Thema. Immer nach längeren Regenfällen, wie sie aktuell vorkommen, sind einige essentielle Wege für mich mit dem Rad nicht mehr gut befahrbar. Teils nehme ich dann andere Supermärkte, teils nehme ich Bus/U-Bahn/Füße. Aber derzeit ist für meine Planung der abendliche Blick auf die Wetterkarte essentiell.

Things I worked on.

Für eine Bekannte habe ich eine Einladungskarte gestaltet. Es war mein erster Einsatz von „Affinity Publisher“, die Alternative zu Adobe Indesign. Das Programm scheint ausreichend gut zu sein (mal gucken wie das Druckergebnis aussieht).

Ähnlich wie bei Photoshop/Photo und Illustrator/Design, sind InDesign/Publisher zwar im Workflow nahe beieinander, aber in den Details gibt es doch immer wieder kleinere Unterschiede, die für Zeitverlust durch Googlen sorgen. Das Handling von Bildern in Rahmen (Skalierung/Transformierung) fand ich im Publisher ungelenk, aber gut, ich hatte nur zwei solcher Rahmen.


Beim Kundenprojekt „t5“ ging es wieder los. Zuerst mit zwei Pull-Requests und Code-Reviews und dann mit der Fortsetzung eines eigenen Tickets. Jenes Ticket erfordert das Refactoring einer recht grundsätzlichen Komponente, weswegen Step 1 erst einmal dem Einziehen von Regressionstest galt und Step 2 das Zusammensammeln von Anwendungen der Komponente, um den „Ist“-Zustand der Komponente als Referenz festhalten zu können. Erst in der kommenden Woche wird es mit dem eigentlichen Refactoring losgehen.


Am Wochenende habe ich ein privates Code-Projekt gestartet. Über einen Cron-Job will ich mir täglich die Zahl der Items auf meiner „Reading List“ ausgeben lassen.

Dafür hatte ich mal ein AppleScript geschrieben. Das funktioniert aber seit geraumer Zeit nicht mehr. Die entsprechende .plist-Datei kann nicht mehr eingelesen werden.

Ich habe jetzt eine Implementierung über NodeJS gestartet und es hat mich eine Stunde gekostet, bis ich verstanden hatte, dass die Bookmarks.plist keine normale Property List-Datei (= XML), sondern eine binary Property List ist – nicht auf Anhieb zu erkennen, weil BBEdit die binäre PList automatisch zu einer normalen PList-Datei konvertiert und die NodeJS-Fehlermeldung eigentlich auf fehlerhafte Auswertung des Encodings hin deutet.

Jetzt bin ich immerhin so weit, dass ich einen PoC zur Extrahierung der Anzahl habe.

Things I read.

Getriggert durch einen Hinweis in dem Newsletter des Comic-Autors Kieron Gillen, habe ich mir Ende der Woche die derzeit vergünstigten Ausgaben von „Peter Cannon: Thunderbold“ geholt.

Alternativ-Cover Peter Cannon: Thunderbolt #1

Mehr dazu, in einem eigenen Blogeintrag.


Im gleichen Maße, in dem ich mich aus Facebook und Twitter zurückziehe (Facebook seit Monaten nicht eingeloggt, Twitter-Gebrauch reduziert), habe ich nach Jahren der Abstinenz wieder mit RSS-Feed-Reader angefangen.

Es ist Konsequenz des immer stärker um-sich-greifenden Clickbaitings und Adrenalin-geschwängerten Schreibens, das längst von den kommerziellen Medien auch auf private Social Media-Accounts übergegriffen hat. Es gibt diesen Drang zur sofortigen Positionierung, ungeachtet des Wissensstand oder des Entwicklungsstands des Sujets und des Permanent-Aufregens.

Der Comic-Autor Warren Ellis ist seit mehreren Jahren der Ansicht, dass anregendere Kommunikation inzwischen über Newsletter und persönliche Blogs stattfindet.

Yancey Strickler hat für „OneZero“ dazu den Begriff des „Dark Forest“ des Internets entwickelt.

Imagine a dark forest at night. It’s deathly quiet. Nothing moves. Nothing stirs. This could lead one to assume that the forest is devoid of life. But of course, it’s not. The dark forest is full of life. It’s quiet because night is when the predators come out. To survive, the animals stay silent […]

In response to the ads, the tracking, the trolling, the hype, and other predatory behaviors, we’re retreating to our dark forests of the internet, and away from the mainstream […]

Dark forests like newsletters and podcasts are growing areas of activity. As are other dark forests, like Slack channels, private Instagrams, invite-only message boards, text groups, Snapchat, WeChat, and on and on […]

These are all spaces where depressurized conversation is possible because of their non-indexed, non-optimized, and non-gamified environments. The cultures of those spaces have more in common with the physical world than the internet.

The internet of today is a battleground. The idealism of the ’90s web is gone. The web 2.0 utopia — where we all lived in rounded filter bubbles of happiness — ended with the 2016 Presidential election when we learned that the tools we thought were only life-giving could be weaponized too. The public and semi-public spaces we created to develop our identities, cultivate communities, and gain knowledge were overtaken by forces using them to gain power of various kinds (market, political, social, and so on).

This is the atmosphere of the mainstream web today: a relentless competition for power. As this competition has grown in size and ferocity, an increasing number of the population has scurried into their dark forests to avoid the fray.


Essay: Can technology plan economies and destroy democracy?, Economist, Weihnachtsausgabe 2019 – Die Freie Marktwirtschaft galt als überlegen, weil sie die in Angebot und Nachfrage verarbeiteten Informationen als Korrektiv verwendete und sich anpasste. Was passiert aber, wenn AI/Algorithmen in dieser Informationsverarbeitung dem Markt überlegen sind?

If markets are a success because of the way they process information, the fact that the other ways of processing information developed over recent decades are now so incredibly powerful must surely have implications for their role in the future […]

As Jack Ma, until recently the executive chairman of Alibaba, a Chinese online conglomerate, put it at a conference in 2017: “Over the past 100 years, we have come to believe that the market economy is the best system.” But in the next three decades, “because of access to all kinds of data, we may be able to find the invisible hand of the market.” Find it and help it? Anticipate it? Disable it? That was not clear […]

Das Essay mäandert sich weiter durch das Thema geplante Wirtschaft, Planwirtschaft, Diktaturen und Datenqualität.

Zwar stehen inzwischen mehr Daten und bessere Mittel der Datenverarbeitung zur Verfügung. Dem stehen aber zwei Probleme gegenüber: der „Bias“ in Datensammlung und Datenverarbeitung und das mathematische Konzept, dass mehr Datenverarbeitung auch mehr Datensammlung mit sich bringt und damit die höhere Geschwindigkeit der Datenverarbeitung wieder zunichte gemacht wird.

If the role of ai within the economy increases, so will the economy’s complexity. As Alex Tabarrok, an economist at George Mason University, puts it: “The problem of perfectly organising an economy does not become easier with greater computing power precisely because greater computing power also makes the economy more complex.”

Reading List

  • WebDev: Delivering on an architecture strategy, Pete Hodgson, 9.12.2019 – Ein Blogeintrag, der sich mit dem Spagat zwischen „Arbeit an Features, die für den Projektmanager offensichtlichen Business Value haben“ und „technische Arbeiten, die nicht direkt auf Features einzahlen“ beschäftigt.
    Hodgson vermeidet dabei den gängigen Begriff der „technischen Schulden“ und unterscheidet stattdessen zwischen „Feature Work“ und „Architectural Work“. Und um „Architectural Work“ näher an „Feature Work“ zu bringen (a.k.a.: besser verkaufbar zu machen), spricht er von „Strategic Architectural Initiatives“: einer Definition des Ist-Zustands, des Ziel-Zustands und die konkrete Definition des nächsten Schrittes um sich dem Zielzustand zu nähern.

Was war. KW#52

Es war eine merkwürdige Weihnachtswoche. Ich kann da noch nicht so richtig den Finger drauf legen, aber ich ahne, dass es damit zu tun hat, dass ich als Single, kinderlos und ohne in Deutschland ansässiger Verwandtschaft zwischen der Weihnachtszeit und dem Neujahrstag in einer Parallelwelt lebe, die wenig Berührung mit dem Rest meiner Umgebung hat. Ich bin für knapp zehn Tage Tourist in einer Weihnachtswelt- und Silvesterwelt anderer Leute.

Things I did.

Die Metapher des „Touristen“ ist mir eigentlich erst jetzt aufgegangen, aber tatsächlich habe ich sie diesen Heiligabend konsequent verfolgt und habe einen Tagesausflug nach Keitum auf Sylt gemacht.

Ich war vor Jahren, zusammen mit Anke, zwei-dreimal in Keitum, an der östlichen, windabgewandten Küste von Sylt.

Es gibt bei mir einige emotionale Trigger, die lösen bei mir im Hirn was aus und verselbständigen sich in der Erinnerungen. Es hat auch viel mit der Suche einer Heimeligkeit, einer idealisierten Vorstellung von Wohlfühlen zu tun. Schnee ist ein solcher Trigger. Das kitschige Skandinavien. Oder im Falle von Keitum: Nordfriesland, Friesenwälle, Reetdachhäuser, die nordfriesischen Städtenamen an den Bahnhofsschildern, Meer, Wind.

Keitum ist ein exzellentes Beispiel dafür, wie es bei mir etliche Knöpfe drückt und ich in der Lage zur selektiven Wahrnehmung bin. Ich kann recht gut ausblenden, das Keitum einer ober-posche Stadt ist, die auch Konkurrenz mit Münchner und Hamburger Edelviertel machen kann. An der Hauptstraße reihen sich Boutiquen der Preisklasse Bogner und Ralph Lauren aneinander. An den Straßen parken durchweg Autos oberhalb der 100.000-Euro-Klasse.

Ich blende es aus, denn ich habe nur Augen für die Friesenhäuser. Ich stelle mir das 18te Jahrhundert vor und Walfangkapitäne, die ihren Lebensabend in diesen alten Reetdachhäusern verbringen. Vor den Häusern einen Vorgarten mit alten, knorrigen Bäumen, ehe mit einem sanften Schwung die Rasenfläche gen Straße zum Friesenwall hoch steigt und ihn oben abdeckt. Große Findlinge, irgendwo gefunden und mühselig hierher transportiert.

Zu Heiligabend wollte ich mich triggern lassen.


Die Reisekosten sind dank des Schleswig-Holstein-Tagesticket der Bahn mit 30,– Euro sehr überschaubar.

Streckenplan der Fahrt nach Sylt
Hinfahrt nach Sylt

Die reine Bahn-Reisezeit zwischen Altona und Sylt liegt bei knapp drei Stunden. Ich wohne aber im Norden Hamburgs, Hamburg ist groß und so kommen noch einmal 70 Minuten Reisezeit bis ich überhaupt am Bahnhof Altona bin (plus 20 Minuten Puffer um das Ticket zu kaufen). Also Abmarsch von zuhause kurz nach 7 Uhr. 20 Minuten zu Fuß bis Langenhorn Markt, 25 Minuten U1 bis Jungfernstieg, zehn Minuten S3 bis Altona plus Umsteigezeiten an den Bahnhöfen.

Das Wetter war grau in grau, ehe es nördlich von Husum anfing aufzureißen. Ab Niebüll starre ich aus dem Zugfenster hinaus und versuche den letzten Damm vor der Nordsee zu erkennen. Dann fährt der Zug durch und von links und rechts kommt die Nordsee dem Bahndamm immer näher. Auf halber Strecke über den Hindenburgdamm scheint die Sonne durch ein Wolkenloch durch und hüllt einen kleinen Fleck in der Nordsee in gleißendes Licht, während der Rest der See mehr oder weniger übergangslos in den grauen Horizont über geht.

In Keitum bin ich zum ersten Mal die Ostküste entlang gelaufen. Abgesehen von den vielen Spaziergängern, ein ruhiger, aber auch sehr schmaler Strich an Heide- und Dünenlandschaft zum Land und Salzwiese zur See hin. Die Schilder sind vergilbt und kaum lesbar. Im Vergleich zu Sankt Peter-Ording fällt ganz Sylt durch ein sehr viel größeres Desinteresse an der Pflege seiner Naturlandschaft auf.

In Braderup bog ich dann landeinwärts ab, vorbei an fassungslos mondäne Interpretationen von Friesenhäuser. Der Himmel hat längst wieder dicht gemacht. Auf dem Weg zur Westküste, an landwirtschaftlichen Wegen entlang, setzte der Nieselregen ein und das Grau des Himmels schien sich schon auf die Dämmerung vorzubereiten.

Wenningstedt an der Westküste hörst du zuerst, dank der Umgehungsstraße, die du zehn Minuten später an einer Fußgängerbrücke überquerst. Der Weg durch Wenningstedt Richtung Meer, läuft entlang einer nicht enden wollende Kette von Ferienhäusern und Appartements, ohne jedwede Kohärenz, sondern einfach nur hingebaut. Jedes Gebäude zu weit auseinander um eine Gemeinschaft zu bilden, aber doch so dicht beieinander, dass du im Garten nicht anders kannst, als in Wohnzimmer anderer Leute reinzuschauen. Durch die letzte große Düne durch, dann am Strand angekommen.

Es herrschte eine stärkere Brise und Brandung als zuletzt in Sankt Peter-Ording. Allerdings war ich inzwischen schon dezent durchgefroren. Der Sand war fies und nicht gut zum Spazierengehen geeignet und Migräne setzte bei mir ein. Aus dem Nieselregen wurde normaler Regen.

Aus der Ferne ist Westerland mit seinen monströsen Bettenburgen zu erkennen. Eine halbe Stunde später, gegen halb Vier, erreichte ich die Strandpromenade von Sylt. Der „Weihnachtsmarkt“ lag in den letzten Zügen. Vier Stände hatten noch offen: ein Bratwurststand und drei gut besuchte Glühwein-Stände.

Entlang der poschen Haupteinkaufsstraße, der Friedrichstraße, hatten noch einige Cafés offen, die aber hoffnungslos überlaufen waren. Ich ging direkt zum Bahnhof und nahm einen Zug früher als ich dachte, 16h22 ab Westerland. Minuten vor uns, fuhr ein komplett leerer Autozug Richtung Festland.

Streckenplan des Rückwegs
Rückfahrt von Sylt

Im Zug versuchte ich die Migräne wegzupennen, als kurz vor Husum die Durchsage vom Zugführer kam, dass der Zug bereits in Husum enden würde, da die Strecke zwischen Husum und Heide aufgrund eines Verkehrsunfalls in Lunden gesperrt sei.

Nun besitzt Schleswig-Holstein alles andere als ein dichtes Streckennetz. Aber wenn alles fährt, ist die Taktung in Schleswig-Holstein (aus Hamburger Perspektive) super. Am Ende des Tages war ich aber überrascht wie geschmeidig ich trotz fünfmaligen Umsteigens nach Hause gekommen bin und wie wenig Zeit ich länger gebraucht habe (von „Haustür“ zu „Haustür“ 4:40 statt 4:20). Da ich im Norden Hamburgs wohne, bin ich einfach auch über den Norden reinzufahren, statt den Bogen über die Hamburger Innenstadt zu machen.

In Husum fuhr fünf Minuten später eine Regionalbahn nach Kiel. Zwei Stationen weiter hieß es in Schleswig eine halbe Stunde auf den Regionalexpress aus Flensburg zum Hamburger Hauptbahnhof zu warten. Ich bin schon in Neumünster aus dem Regionalexpress gestiegen, um zehn Minuten später mit der Privatbahn AKN gen Hamburg zu fahren. Nach Umsteigen in Ulzburg Süd in eine andere Linie der AKN, die auf der gegenüberliegenden Seite des Bahnsteigs wartete, erreichte ich in Norderstedt Mitte das Hamburger U-Bahn-Netz, wo es auf der anderen Bahnsteigseite eine Minute später los ging.


Die 1-2 sonnigen und frostfreien Tage genutzt, um weiter gehen den Bambus vorzugehen. Ab jetzt wird es kompliziert, weil es in die Liguster-Hecke reingeht, wo der Bambus sich ebenfalls ausgebreitet hat. Aber aktuell habe ich wieder mehr Bock auf Garten.

Es sind derzeit teilweise anstrengende Tage und ich bin froh für jede Stunde Sonne.

Things I worked on.

Das große Kundenprojekt „t5“ ruhte. Stattdessen habe ich weiter bei den kleinen Kunden- und Bekannten-Websites die Typekit-Fonts gegen selbstgehostete Schriften ausgetauscht. Anderthalb Projekte sind jetzt noch umzustellen.


Kollateralfolge aus dieser Typekit-Geschichte: ich habe mich in das Thema „font-weight“ eingelesen. Es gibt keine festgeschriebenen Zuordnungen zwischen Schriftschnitt („Light“, „Bold“, „UltraBlack“ etc…) und font-weight-Wert („100“, „700“, „900“).

Es gibt eine Art „Best Practice“, wie er im W3C niedergeschrieben wurde. Aber tatsächlich ist es eher eine Unterscheidung, die individuell für die einzelnen Schriften gefällt werden muss. So gibt es beispielsweise Fälle in denen die „Book“ identisch mit der „Regular“, also „400“, ist und andere Fälle in denen sie dezent leichter ist: „300“ oder, auch das war mir neu, die krumme Zahl „350“.

Things I read.

Nichts großartiges gelesen. Die doppelt so dicke Jahresend-Ausgabe des „Economists“ fordert ihren zeitlichen Tribut.

  • WebDev: iPhone 11, iPadOS and iOS 13 for PWAs and web development, Maximiliano Firtman, Medium, 20.9.2019 – Frontend-Entwicklungs-relevante Änderungen in iOS 13. Überraschung: Safari für iPadOS 13 führt zwei unterschiedliche „Content-Modi“ ein, die teilweise recht gravierende Unterschiede im Umgang mit Hover(!), der Skalierung im Viewport und dem User-Agent besitzen.
  • WebDev: „StateOfJS 2019“ – Auswertung einer Umfrage zum Stand der JavaScript-Entwickler-Landschaft. Leider nur quantitative Aussagen, aber keine Analysen oder Bewertungen.
    „Brave“ hat inzwischen fast an „Microsoft Edge“ (3,8%) aufschließen können.
    Weiterhin gilt für React: „Die Flut hebt alle Boote“, wie z.B. die Test-Frameworks Jest und Storybook.
    Vue hat viel Momentum verloren. Angular und Ember scheinen jenseits des Zenits zu sein.
  • Feature: Why the ‘Queen of Shitty Robots’ Renounced Her Crown, Lauren Goode, WIRED 12.10.2019 – Portrait von Simone Giertz, die versucht, sich neu zu erfinden.
  • Feature: Jeff Bezos’s Master Plan, Franklin Foer, The Atlantic, November 2019 – Der Versuch Jeff Bezos Visionen zu erklären. Abgesehen vom ersten Teil, in denen es um die Raumfahrt-Affinität von Bezos geht, gibt es rund um Amazon, Amazon Prime, AWS und der Washington Post, viele altbekannte Versatzstücke rund um Bezos, wie z.B. ein Intellekt, der mitunter die Empathie zu verdrängen scheint.
  • Politik: Xinjiang security crackdown sparks Han Chinese exodus, Yuan Yang, Financial Times/$, 22.12.2019 – Der Überwachungsstaat zur Verfolgung von Moslems im Westen Chinas und die Repressalien gegen diese Uiguren zeitigen einen bislang kaum beachteten Nebeneffekt: die Han-Chinesen, teilweise durch Subventionen zur Übersiedlung nach Yinjiang gebracht, fliehen in den Osten zurück, weil sie keinen Bock haben, an jeder Supermarktkasse ihre Gesicht für eine biometrische Kontrolle hinzuhalten.
    Laut inoffiziellen Schätzungen hat sich im Laufe der letzten zwei Jahre hat sich die Bevölkerung in der zweitgrößten Stadt Korla auf 250.000 Einwohner halbiert(!)
  • Business: Fintech: the rise of the Asian ‘super app’, Mercedes Ruehl + James Kynge, Financial Times/$, 12.12.2019 – Apps versuchen weiter zu wachsen, in dem sie immer weitere Dienstleistungen anbieten.
    Der Essens-Bringdienst GrabFood bietet in Indonesien mit GrabPay Payment- und Buchhaltungs-Dienstleistungen, mit Ovo Kredite und mit ZhongAn Versicherungen für Kleinunternehmen an. Asien sei bei Mobile Services dem Rest der Welt zwölf Jahre voraus. – auch wenn noch keines dieser Unternehmen derzeit schwarze Zahlen schreibt.
  • Business: Why the global telecoms dream turned sour, Nic Fildes, Financial Times/$, 30.12.2019 – Vor 20 Jahren wähnten sich globale Telekommunikationskonzerne noch als kommende Herrscher der Welt. Inzwischen sind sie geschrumpft und zu austauschbaren Infrastruktur-Dienstleister verkommen, weil sie es nie geschafft haben, ihre Unternehmenskultur an den Konsumenten anzupassen.

Things I played.

Mit den traditionellen Weihnachts-Sonderangebote habe ich einige Spiele erworben.

Screenshot
Screenshot Meeple Station

Meeple Station ist „Dwarf Fortress meets RimWorld“ – der Aufbau einer Raumstation durch Spielfiguren, die ein gewisses Eigenleben führen. Dieses „Early Access“-Spiel hat sehr viel Charme, ist aber bezüglich der implementierten Spielmechanismen noch höllisch unausgewogen. Alles was du zu Beginn, beim initialen Aufbau der Station, vergisst, kannst du IMHO später nicht mehr kompensieren. Das Spiel kippt m.E. viel zu schnell in eine unrettbar negative Entwicklung, weil etliche Dinge bzgl. Ressourcen und Entwicklungsbaum viel zu weit weg sind. Nach dem das Spiel schon zwei Jahre in der Entwicklung ist, bin ich mir nicht sicher, ob die Entwickler dass noch hingebogen bekommen.

7 Days to Die – Mac-User haben nur eine sehr eingeschränkte Auswahl an 3D-lastigen Open World-Spielen. „7 Days to Die”, mit seiner sehr kruden Grafik, ist eine der wenige Optionen und „Die Prototypen” haben mich mit einem ihrer Videos damit angefixt. Allerdings bin ich noch nicht wirklich dazu gekommen, es zu spielen. Ich war nun 10 Minuten auf meinem Desktop-Mac, dem alten Staubsauger-Mac Pro, unterwegs und das Ergebnis war okay, aber nicht wachsweich animiert. Zudem hatte ich mit der Steuerung zu kämpfen. Ich will mal gucken, was mein neueres MacBook Pro daraus macht…

Things I listened to.

Bonnie Raitt. Inzwischen 70jährige Folk-, Blues- und Country-Sängerin bzw. exzellente Gitarristin. Raitt ist so ein Name, der im Laufe der letzten Jahrzehnte in den einschlägigen Musiksendungen immer wieder mal gespielt wurde, den ich aber nie wirklich bewusst wahrgenommen habe.

Ich weiß nicht mehr wie, aber auf YouTube bin ich auf ein Duett von Norah Jones und Bonnie Raitt, „Tennessee Waltz gestossen. Und mit dem ersten Gesangseinsatz von Raitt war ich hin und weg. Zumal sie auch eine sehr gepflegte Saite zupft. Beste Slide Guitar, die ich seit Ry Cooder gehört habe: Raitt im Duett mit John Lee Hooker. Hier Raitt mit einem kurzen Konzert bei der BBC.

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